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Kriegschronik Erster Weltkrieg

Vor 100 Jahren - Der Erste Weltkrieg in Berichten

Paul Vietmeier, 1913
Paul Vietmeier, 1913

Die Berichte sind drei Hauptquellen entnommen: 

1.) Zeitungsartikel, die ab dem 31. Juli 1914 in der "Lippischen Post" erschienen sind und (auch) Lemgo betreffen.  

2.) Feldpostbriefe des Paul Vietmeier (8.11.1892 - 13.4.1915) aus Brake. Paul Vietmeier war der vierte Sohn von Ernst (26.9.1847 - 18.9.1908) und Sophie Vietmeier (22.11.1860 - 4.2.1936), Pächter der Öl- und Sägemühle in Brake. Sie hatten insgesamt sechs Söhne (Fritz, Willi, Otto, Ernst, Paul und Walter) und eine Tochter (Johanne). Bis auf den ältesten Sohn Fritz, der in der Zeit des Ersten Weltkrieges die väterliche Mühle leiten musste, waren alle Söhne als Soldaten im Krieg. Paul Vietmeier beschreibt sein Kriegserleben seit den ersten Augusttagen bis zu seinem Tod im Frühjahr 1915. 

3.) Kriegstagebuch des Paul Vietmeier, das in knappen Stichworten bzw. Sätzen die Tagesereignisse festhält. Das kleinformatige Tagebuch wurde aber nur bis Oktober 1914 fortgeführt. 

Die Chronik umfasst dabei den Zeitraum vom Juli/August 1914 bis zum April 1915. Den Feldpostbriefen ist jeweils eine Transkription (Übertragung) beigegeben. Bewusst ist auf eine weitergehende Kommentierung verzichtet. 

In seinen Schreiben an die Familie schildert Paul Vietmeier anschaulich den Kriegsalltag vom anfänglichen Vormarsch durch Belgien und den dann folgenden Stellungskrieg im Schützengraben an der Westfront in Frankreich. Er schreibt  von den alltäglichen Nöten zwischen Nässe, Kälte, Hunger, Schlafmangel, Schanzarbeiten, Wache stehen und auch Langeweile. Lakonisch kommentiert er die Gefahren und den allgegenwärtigen Tod. Er verschweigt auch nicht die Kriegsgräuel und die Leiden der Zivilbevölkerung. Abwechslung bringen Nachrichten aus der Heimat, Esspakete, Zigarren und Süßigkeiten. In den Briefen zeigt sich neben Durchhaltewillen und Leidensfähigkeit, auch Nachdenklichkeit über das, was der Krieg aus einem Menschen macht.  

Die Feldpostbriefe und Fotos entstammen dem Familiennachlass Depositum Vietmeier (NL 65) im Stadtarchiv Lemgo. Das Online-Findbuch zum Bestand ist über archive.nrw verfügbar. Die Zeitungsartikel entstammen dem Bestand Z des Stadtarchivs. 

Für Fragen, Anmerkungen, Korrekturen: stadtarchiv(at)lemgo.de. 

Hinweis: 

Digitalisierte Archivalien zum Ersten Weltkrieg aus der Region Ostwestfalen-Lippe finden Sie auch auf www.owl-archive.de/ .


Lippische Post, 31. Juli 1914

Höhepunkt der Juli-Krise. Stimmung in Lemgo. 

Bericht


Paul Vietmeier an seine Mutter, 1. August 1914 (Detmold)

Mobilmachung 

"Meine Adresse ist: 11/55 [Kompagnie 11 / Infanterie-Regiment 55, aus Detmold]. Wir werden wahrscheinlich erst morgen früh eingekleidet & treiben uns jetzt so in der Kaserne herum. Ich habe eine menge Bekannte in der Kaserne & zwischen den Reservisten getroffen. Sonst alles gut. 1000 Grüße Dein Paul"

 Feldpostkarte


Lippische Post, 3. August 1914

Einziehung des Redakteurs C. H. Wagener 

Bericht


Lippische Post, 4. August 1914

Sicherung der Sparguthaben 

Bericht


Lippische Post, 5. August 1914

Schulkinder für Erntearbeiten 

Bericht


Lippische Post, 6. August 1914

Preise für Lebensmittel 

Bericht


Lippische Post, 8. August 1914

Eroberung von Lüttich, Kundgebung vor der Redaktion 

Bericht


Paul Vietmeier an seine Mutter, 10. August 1914 (vor Aachen)

Transport an die Westfront (Belgien) 

"Liebe Mutter Herzliche Grüße von dem Marsche nach Belgien sendet dir dein tr[euer] Sohn Paul. Ich glaubt [sic!] garnicht, was auf der Bahn für ein Betrieb ist, Militärzug auf Militärzug. Ich schreibe dies kurz vor Aachen um Mitternacht. Morgen werden wir wohl in Belgien sein & dann wird sich das weitere ja wohl finden. Sonst gehts' gut. Viele Grüße an Fritz und Johanne & was sonst dazu gehördt."  

Feldpostkarte Seite 1 | Seite 2


Paul Vietmeier an seine Mutter, 11. August 1914 (Kettenis)

Einmarsch nach Belgien 

"Kettenis, 11.8.1914. Liebe Mutter! Heute morgen ist unser Bataillon in Kettenis, hart an der Belgischen Grenze einquartiert. Wir haben grade 24 Stunden auf der Bahn gelegen. Auf den großen Bahnhöfen wurden wir immer aufs Beste bewirtet & verpflegt. Hier ist ein sehr buntes Bild. Infanterie Regimenter, leichte & schwere Artillerie & ganz schwere Festungsgeschütze ziehen ununterbrochen vorbei. In Eupen, Rheinland, trafen wir heute früh 1500 belgische Kriegsgefangene & dazwischen hört man die dumpfen Donnerschläge der schweren Belagerungsgeschütze von Lüttich oder Namur. Diese Nacht ma[r]schieren wir wahrscheinlich nach Lüttich & von da weiter nach Namur oder Antwerpen, letzteres ist aber nur Vermutung. Man kann die Feuertaufe nicht erwarten. Hoffentlich kommen wir bald ran an den Feind. Die belgische Zivilbevölkerung, Männer, Weiber & Kinder suchen unseren Truppen auf alle mögliche Art & Weise zu schaden & konnten wir heute morgen von der Bahn mehrere brennende Dörfer beobachten, welche zu Strafe für Grausamkeiten in Brand geschaffen waren. Wenn die Bevölkerung sich nicht bessert, wird wohl nicht viel von ihr über bleiben. Alles, was mit der Waffe in der Hand angetroffen wird oder im Hause verbirgt, wird sofort standrechtlich erschossen. Hoffentlich bekommt Ihr die Ernte gut ins Haus! Schreibt auch mal bitte genau, was das Geschäft macht. Sonst gehts mir gut. Mit herzlichen Grüßen an Fritz & Johanne verbleibe ich dein tr[euer] Sohn Paul"

 
Feldpostbrief  Seite 1 | Seite 2 | Seite 3


Lippische Post, 12. August 1914

Justitzrat Wahrburg hält im Kriegerverein Lemgo eine Rede 

Bericht


Lippische Post, 13. August 1914

Versammlung des Kriegervereines Lemgo 

Bericht


Aus dem Kriegstagebuch Paul Vietmeier - 13. August 1914

"Nach Pepenster [gemeint: Pepinster] marschiert. Das ganze Bataillon in einer großen Weberei einquartiert. Sehr gewaltätige Einwohner. heute Nachmittag wurde[n] mehrere erschossen."


Paul Vietmeier an seine Mutter, 14. August 1914 (Eupen)

In Feindesland... 

"Liebste Mutter! 1000 herzliche Grüße sendet Euch allen Euer Paul. Es ist augenblicklich unerträglich heiß. Meine Füße sind tadellos in Ordnung & geht's mir auch sonst gut. Man merkt immer mehr, daß man in Feindesland ist. Freitag, 14/8. 14."

Feldpostkarte Seite 1 | Seite 2


Aus dem Kriegstagebuch Paul Vietmeier - 14. August 1914

"30 Kilometer auf Pflaster marschiert, bis abends 9 Uhr. Vorposten vor Lüttich gestellt. unsere & feindliche schwere Geschütze schießen andauernd, schießen über uns hinweg. man wird sehr gleichgültig dagegen."


Paul Vietmeier an seine Mutter, 15. August 1914

Auf Vorposten... 

"Liebste Mutter. Augenblicklich liegen wir auf Vorposten in der Nähe von feindlichen Forts & lassen unsere & feindliche Granaten mit großer Seelenruhe über uns hinweg fliegen. Gestern den 14. hatten wir einen großen Kriegsmarsch bei fürchterlicher Hitze. Die Post wird immer sehr unregelmäßig abgenommen & hat man auch immer keine Gelegenheit zum schreiben und brauchst du dir keine Sorge machen, wenn ich mal länger nicht schreibe. Sonst gehts gut. Mit herzlichen Grüßen Dein Paul 15/8. 14." 

Feldpostkarte Seite 1 | Seite 2


Aus dem Kriegstagebuch Paul Vietmeier - 15. August 1914

"Weiter in Nandrin [Belgien] gelegen, Entdeckungsreisen gemacht & Wein probiert. Sehr viel geschlafen."


Paul Vietmeier an seine Mutter, 16. August 1914 (Lüttich)

Soldatenleben in Belgien 

"Lüttich, 16/8. 1914. Liebe Mutter! Hoffentlich bekomme ich bald mal ein Lebenszeichen von Euch. Wir haben hier bei Lüttich ein paar Forts abgesperrt, welche sich heute morgen ergeben haben- Wir erwarten augenbli[ckli]ch Marschbefehl & wissen wir selbst nicht, wo wir bleiben. Die Stiefel habe ich seit Montag früh noch nicht wieder aus gehabt, ebenfalls Rock & Hose immer nachts anbehalten müssen. Das Essen ist ganz gut, aber nur immer Suppe. Hier sind nur Viehweiden & Kartoffel nicht zu haben. Sonst gibt's nur Brot. Wenn man glück hat, bekommt man auch mal einen Becher Kaffee aus der Feldküche. Die Gegend ist sehr dicht bevölkert & weil alle Zufuhr aufhört, die Lebensmittel sehr teuer. Billig sind Rauchsachen & Wein. Das belgische Bier ist nicht zu trinken. An das Schlafen im Freien habe ich mich schnell gewöhnt & bin ich auch sonst sehr mobil. Mein Vollbart macht große Fortschritte. Bis jetzt haben wir im Regiment nur erst 2 Tote. Eine richtige Feuertaufe haben wir noch nicht erhalten. Wahrscheinlich haben wir jetzt ersr wieder 4 - 5 Marschtage, bis wir wieder an den Feind kommen. Du willst mir bitte durch Einschreiben oder Postanweisung 20 - 30 Mark schicken. Vorläufig kann mans noch gut gebrauchen. Solltest du in Geldverlegenheit kommen, so hebe nur ruhig meine Sparkassenbücher ab. Jetzt schreibe ich erst mal 4 - 5 Tage nicht mehr. Wie ist die [Feldpost]Nummer von Ernst? 1000 herzliche Grüße an Fritz & Johanne & bleibe ich Dein tr[euer] Sohn Paul"

Feldpostbrief Seite 1 | Seite 2 | Seite 3


Aus dem Kriegstagebuch Paul Vietmeier - 16. August 1914

"Ganzen Tag Marschbereit gehalten. Abends wurden dem Regiment 55 durch den Oberst die bisherigen Waffenerfolge bekanntgemacht. Die Regimentskapelle spielte & tausende Soldaten sangen Die Wacht am Rhein & andere Lieder mit. Die vielen Einwohner waren sehr kleinlaut dabei. Um 8 uhr alarmiert & auf Vorposten gezogen. Biwakiert & die ganze Nacht in Strömen geregnet."


Lippische Post, 17. August 1914

Aufruf zur Unterstützung des Vaterländischen Frauenvereins, Zweigverein Lemgo, bei der Pflege von Verwundeten 

Aufruf


Aus dem Kriegstagebuch Paul Vietmeier- 17. August 1914

"25 Kilometer marschiert nach Tous [gemeint: Trooz?]. Ich ziehe gleich auf Feldwache. Wir sind noch 15 Kilometer vom Feinde entfernt & hoffentlich kommt es morgen oder die nächsten Tage zur Feldschlacht. Wir ma[r]schieren nordwestlich, Richtung Brüssel."


Lippische Post, 18. August 1914

Sitzung der Lemgoer Stadtverordnetenversammlung

Bericht Seite 1 | Seite 2


Aus dem Kriegstagebuch Paul Vietmeier - 19. August 1914

"Wieder 30 Kilometer marschiert. Stündlich erwartet an den Feind zu kommen. Leider ging er immer zurück. In den Dörfern wurde merhfach auf uns geschossen. Das Standrecht herrschte & manches Haus wurde niedergebrannt, Menschen & Pferdeleichen lagen mehrfach am Wege. Des Abends in Grez - Doiceau  ins Quartier in eine Villa. Sehr gut aufgenommen & gut bewirtet. Zum 1. male wieder seid Detmold im Bett geschlafen."


Lippische Post, 20. August 1914

Der Turnverein Lemgo (TV) will Spenden für ein Jahn-Denkmal für notleidende Angehörige von Soldaten verwenden 

Bericht


Lippische Post, 21. August 1914

Einrichtung einer Sammelstelle für Liebesgaben 

Bericht


Aus dem Kriegstagebuch Paul Vietmeier - 21. August 1914

"Wir gehen Südwestlich nach Frankreich. Eben passierten wir das Schlachtfeld von Waterloo oder Belle - Alliance. Abends in Nivelles in einem Nonnenkloster ins Quartier gekommen, wunderbar geschlafen."


Lippische Post, 22. August 1914

Jubel in Lemgo über Sieg in Metz

Bericht


Lippische Post, 22. August 1914

Anordnung zum Flaggenhissen in Lemgo 

Bericht Teil 1 | Teil 2


Aus dem Kriegstagebuch Paul Vietmeier - 22. August 1914

"Von 6 - 2 Uhr nachmittags marschiert & dann ins Gefecht bei Mariemont. Kompagnie 1 Verwundeten & 1 Vermißten. Des Abends auf Stabswache."


Paul Vietmeier an seinen Bruder Fritz, 23. August 1914

"Feuertaufe", Requirierung und Leid der Zivilbevölkerung 

"Sonntag, den 23.8.1914. Lieber Fritz! Letzte Woche war sehr anstrengend für uns. Jeden Tag große Märsche. Immer von morgens 4 - 5 Uhr & des Abends wieder auch fast stets 7 - 8 Uhr, bis wir in Biwak kommen. Oft kommt auch eine ganze Kompagnie in ein Gehöft. Verpflegung läßt oft viel zu wünschen übrig. Weil wir sehr schnell vorgehen, können die Verpflegungskolonnen nicht so schnell folgen. Das trocken Brod schmeckt einem sehr gut. Das heißt, wenn man was hat. Das Brod was es hier gibt, ist wie bei uns Stuten ohne Gewürz. Man kann ein ganzes Brod essen, & wird nicht satt. Wo außerdem tausende herkommen & Franzosen & Belgier schon gewesen sind, ist alles leer gefressen. Die Bewohner der Dörfer können einen dauern. Gestern haben wir die Feuertaufe erhalten. Wir waren nicht zu halten, alle waren wie besessen, vorwärts zu kommen. Aber es ist doch ein eigentümlich Gefühl, wenn es über & neben einen andauernd heult & pfeift. Es war ein schreckliches Gelände, wo wir drin waren. Dörfer, Hecken & Zäune, Niederwald & tiefe Einschnitte wechselten mit einander ab. Aus fast allen Häusern schossen die Zivilisten & wurden die erst heraus geholt, gefesselt & die meisten Häuser in Brand gesteckt. Es war eine sehr lange Gefechtslinie & ist es ein grausig schöner Anblick, wenn des Abend, so weit man sehen kann, Häuser & Gehöfte in Flammen stehen. Meine Kompagnie hat nur einen Verwundeten & einer wird vermißt, überhaupt waren die Verluste des Regiments 55 sehr gering. Man weiß jetzt aber, wie es zugeht. Die Franzosen hatten im Verhältnis zu uns sehr große Verluste. Wie [?] welche der Verwundungen sind, kann man überhaupt nicht schreiben.  Wir marschieren heute, trotzdem Sonntag ist, wieder & sind nahe der französischen Grenze - Mitte letzter Woche waren wir vor Brüssel. Edwin Kemper habe ich diese Tage auch mal getroffen. Bis jetzt habe ich noch keine Nachricht von Euch. Herzliche Grüße an Mutter, Johanne & bleibe ich dein Paul"

Feldpostbrief Seite 1 | Seite 2 | Seite 3


Aus dem Kriegstagebuch Paul Vietmeier - 23. August 1914

"Morgens marschiert & nachmittags zur Bedeckung von Geschützen wieder im Gefecht gewesen. Nachts mit Gewehr im Arm draußen geschlafen."


Aus dem Kriegstagebuch Paul Vietmeier - 24. August 1914

"Morgens um 9 Uhr ins Gefecht & nachher Stellung besetzt. Die Dörfer der Umgegend brennen  alle. Wieder ohne Zelt draußen geschlafen."


Paul Vietmeier an seinen Bruder Ernst, 25. August 1914

Übertritt auf französisches Territorium, Kriegserleben 

"Mein lieber Ernst! Deine Karte erhielt ich heute morgen in der Belgisch - Französischen Grenze bei Fontaine-Valmont. Letzten Sonnabend erhielt unser Bataillon die Feuertaufe & Sonntag & gestern waren wir wieder im Gefecht. Man gewöhnt sich schnell an das Pfeifen der Kugeln. Nur das Platzen der Granaten & Schrapnells ist ein bischen unheimlich. Die Franzosen schießen miserabel. Die Verluste der 55 waren [durchgestrichen: ganz] gering. Eben die Grenze bei Duvans passiert. Dein Paul." 

Feldpostkarte Seite 1 | Seite 2


Paul Vietmeier an seine Mutter, 25. August 1914

Gefecht und Brückeneinnahme 

"Liebe Mutter! Von Sonnabend bis Montagabend ununterbrochen im Gefecht gewesen. Umstehende Brücke gestern genommen. Mir geht's gut. Dein Paul 25/8 14"
Auf dem Postkartenbild: "4 km vor der französischen Grenze"  

Feldpostkarte Seite 1 | Seite 2


Aus dem Kriegstagebuch Paul Vietmeier - 25. August 1914

"Wieder marschiert. Abends 8,10 Uhr die belgisch - französische Grenze bei Douans [vermutlich verwechselt mit franz. Zoll = Douane] passiert. Um 12 Uhr wieder im Freien ohne Zelt zum Schlafen gekommen."


Lippische Post, 26. August 1914


Aus dem Kriegstagebuch Paul Vietmeier - 26. August 1914

"Geschanzt & des Nachts in den Verschanzungen geschlafen."


Lippische Post, 27. August 1914

Aufruf der Prinzessin Karola zur Lippe, Betten und Bettzeug für die Lazarette in Lemgo zu spenden 

Aufruf Seite 1 | Seite 2


Aus dem Kriegstagebuch Paul Vietmeier - 27. August 1914

"Wieder marschiert und zwar so, daß wir jetzt südlich von der Festung Maubeuge liegen, letztere sollen wir belagern. Im Dorf St. Aubin einquartiert. Wir leben von Käse & Sahne."


Paul Vietmeier an seine Mutter, 28. August 1914

Belagerung von Maubeuge in Frankreich, Versorgung 

"St. Aubin, den 28./8. 1914. Liebste Mutter! Wir liegen augenblicklich vor der Festung Maubeuge & belagern dieselbe. Wir liegen in St. Aubin zu 60 = 100 Mann in jedem Haus. Ich liege in einer Käserei & Milchwirtschschaft & essen uns [?] feinstem Käse & Sahne & die Krimpen aus dem Leibe. Allerdings nur so lange, wie Vorrat da ist. Die Einwohner sind fast alle weg & ruht die Arbeit in Feld & Stall vollständig. Man sieht sehr traurige Bilder, auf den Feldern & Weiden irren die Rinder & Kühe halbwild umher & das Korn ist entweder nicht gemäht oder es steht in Haken & verfault so. Sehr viel wird von den 100000=den Menschen auch gebraucht & niedergetrampelt. Erst waren die Truppen der Franzosen & Engländer da, dann mußten sie denselben Weg wieder=zurück & wir folgten. In großen Dörfern & Städten findet man nicht soviel Brod, das sich ein Mann daran satt essen kann. Viele Häuser sind niedergebrannt & die übrigen alle auf der Suche nach Lebensmittel verwüstet. Wo noch Leute drin sind, werden nur die Lebensmittel genommen. Sonst aber wird alles erbrochen, um reine Wäsche zu bekommen & Decken & wer weiß was alles für Biwaks. Es ist ja mehr Raub, aber bei den gewaltigen Anstrengungen, die wir machen müssen, muß man für sich sorgen. Wein gibt es hier in Hülle & Fülle, leider frag ich nicht viel danach. Es wird sich manche lustige Stunde gemacht & man denkt kaum daran, das Krieg ist. Gestern sind hier die Franzosen & Engländer man wieder gründlich geschlagen & fliehen in wilder Flucht zurück. Wir werden hier wohl bald wieder abgelöst & gehen hoffentlich dann wieder mit vor. Mein Gesundheitszustand ist gut & kommt man hier erst mal wieder auf die Beine. Morgen bin ich nun schon 4 Wochen weg. Man weiß hier nicht, ob Sonntag oder Altag ist, es ist alles dasselbe. Herzlich grüßt & küsst Dich Dein tr8euer] Sohn Paul. An Fritz & Johanne & alle Bekannte herzliche Grüße."

Feldpostbrief Seite 1 | Seite 2 | Seite 3


Aus dem Kriegstagebuch Paul Vietmeier - 28. August 1914

"Des Morgens geschanzt. Dann Bettruhe & Appells. Des Abends auf Wache."


Lippische Post, 29. August 1914

Erfolgsmeldung über Bettenspende für die Lazarette 

Danksagung


Aus dem Kriegstagebuch Paul Vietmeier - 31. August 1914

"Die halbe Kompagnie ist darmkrank."


Lippische Post, 1. September 1914

Ergebnis der Rote Kreuz Spenden-Sammlung 

Bericht


Aus dem Kriegstagebuch Paul Vietmeier - 2. September 2014

"Morgens 4 Uhr ausgerückt auf Vorposten. Ganzen Morgen im Granatfeuer gelegen. Bin jetzt auf Feldwache als Patrollienführer. Bekam dabei im Dorf Liemont wieder Granatfeuer."


Lippische Post - 3. September 1914

Sammlung für die Kleinkinderschule 

Bericht


Paul Vietmeier an seine Mutter - 4. September 1914

Maubeuge

"Liebste Mutter! Heute erhielt ich Deine Karte vom 20. August. Ich befinde mich augenblicklich auf Vorposten vor Maubeuge. Es ist das reinste Räuberleben. Der  grüne Wald ist unser Quartier. Des nachts bin ich jetzt meistens unterwegs & am tage wird geschlafen. Das Wetter ist glücklicherweise prachtvoll. Essen & Trinken liefern uns die umliegenden Dörfer. Kühe laufen halbwild herum & melken wir sie einfach. Sonst geht's mir gut. Schreibt bitte recht fleißig & legt bei Briefen stets ein paar Karten bei. Dein tr[euer] Sohn Paul Vietmeier." 

Feldpostkarte Seite 1 | Seite 2


Lippische Post - 5. September 1914

Dankesschreiben durchziehender Kriegsfreiwilliger 

Bericht


Lippische Post - 5. September 1914

Leserbrief über das Glockenläuten bei Siegesmeldungen 

Bericht


Paul Vietmeier an seine Mutter - 6. September 1914

Auf Vorposten... 

"Liebste Mutter! Heute ist Sonntag & der Donner der Geschütze ist stärker wie je zuvor. 5 Tage liegen wir nun auf Vorposten. Es ist nur gut, daß das Wetter beständig ist. Die Hühner in der Umgegend werden wohl bald aussterben. Wein gibt's in Hülle & Fülle. Sonst geht's gut. Herzliche Grüße Dein tr[euer] Sohn Paul."

Feldpostkarte Seite 1 | Seite 2


Lippische Post - 7. September 1914

Verkauf von Kriegskarten der Kriegsschauplätzen 

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Aus dem Kriegstagebuch Paul Vietmeier - 8. September 1914

"Den Vormarsch nach Paris angetreten. Gepäck wird gefahren."


Paul Vietmeier an seine Schwester Johanne - 8. September 1914

"Liebste Schwester! Von meinen Karten werdet Ihr ja wohl etwas erhalten haben? Das letzte, was ich von Euch erhalten habe, wa[r] am 20. August abgeschickt. Vor Maubeuge haben wir seid dem 2.9. auf Vorposten gelegen, es war sehr anstrengend. ich war die Nächte immer unterwegs als Patrollienführer & mußte man von abends 10 uhr bis morgens 7 Uhr draußen bleiben & zwar immer dicht am Feinde. Wir hatten die Nächte gerade Vollmond & nimmt alles gespensterhafte Formen an. Dazu über einen das Zischen der Granaten & das dumpfe Donnern der Einschläger in den Forts & ab & zu krepiert auch ein e feindliche in nächster Nähe. Dazwischen Gewehrfeuer mit den feindlichen Vorposten & brennende Dörfer weit & und Breit. Halbverwildertes Vieh brüllt & rennt in den Feldern herum & die Eulen, welche hier sehr viel sitzen, lassen ihre schönen Töne erschallen. Ein schauerliches aber grausig schönes Konzert. Gelebt haben wir die 6 Tage fast nur von Hühnern, Eiern & Wein & nochmals Wein. Im Hühnerschlachten & rupfen wird man sehr gewandt. Die Bauern haben hier alle sehr viel Hühner & weil die meisten Leute vor der Festung weg sind, gehört alles uns. Gestern abend ergabsich die Festung & heute morgen traten wir den in der Richtung wahrscheinlich nach Paris an. Unsere Tornister werden gefahren. Was fangt Ihr denn zu Hause an? Sonst geht's mir gut. Herzliche Grüße an Mutter, Fritz & alle Bekannte & bleibe ich Dein tr[euer] Bruder Paul Vietmeier. Das schmutzige Papier müßt Ihr entschuldigen. In Briefen könnt Ihr mit immer ein paar Karten oder Briefbogen beilegen.Ich schrieb mal, ihr möchtet mir Geld schicken, wenn es sollte noch nicht weg sein, braucht Ihr es nicht mehr zu schicken."

Feldpostbrief Seite 1 |Seite 2 | Seite 3


Lippische Post - 9. September 1914

Aushang der Kriegsereignisse am Postgebäude 

Bericht


Lippische Post - 10. September 1914

Kriegsgedicht des Lemgoer Lehrers Prof. Ernst Weißbrodt 

Bericht


Aus dem Kriegstagebuch Paul Vietmeier - 10. September 1914

"In die Bergfestung Laon einmarschiert. Stadt mit alten, herrlichen Domen."


Lippische Post - 12. September 1914

Sammlung von Liebesgaben 

Bericht


Lippische Post - 12. September 1914

Zigarren für die Soldaten an der Front 

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Aus dem Kriegstagebuch Paul Vietmeier - 13. September 1914

"Und es fing die Schlacht an. Den ganzen Nachmittag im Gefecht gelegen, sehr viel Verluste. Des Abends beim Sturm abgekommen und die Nacht im französischen Lager umhergeirrt."


Lippische Post - 14. September 1914

Versammlung des Braker Kriegervereins 

Bericht Seite 1 | Seite 2


Aus dem Kriegstagebuch Paul Vietmeier - 15. September 1914

"Ein fürchterlicher Tag. Der [Des] Morgens in fürchterliches Granatfeuer. Große Verluste. Brennender Verbandplatz. Zurückgegangen & dann wieder vorgestürmt. Den ganzen Tag im Gefecht."


Paul Vietmeier an seine Mutter - 16. September 1914

"Souchez 16/9.14. Liebste Mutter! Durch ein Herforder Auto wird diese Karte befördert & daher in Eile die besten Grüße & Dank für Eure Briefe. Schickt mir bitte mal Chocolade. Es regnet die letzten Tage sehr viel. Sonst geht's mir gut. ich habe einen Brief, den ich schon 8 Tage geschrieben in der Tasche hatte, auch mitgegeben. Euer tr[euer] Paul"

Feldpostkarte Seite 1 | Seite 2


Paul Vietmeier an seine Mutter - 17. September 1914

"Liebste Mutter. Liegen seid Sonntag mittag in einer großen Schlacht. Geht mir bis jetzt gut. 3 Tage ununterbrochen im Gefecht gewesen. Das Regiment hat große Verluste. Freitags Fritz ist leicht am Bein verwundet, was Ihr Frt. mitteilen könnt. P. Meier ihr Verlobter Steffen auch leicht verwundet. Von Willi und Otto erhielt ich gestern abend grüße, geht ihnen gut. Hoffen wir das Beste. Euer Paul"

Feldpostkarte Seite 1 | Seite 2


Aus dem Kriegstagebuch Paul Vietmeier - 18. September 1914

"Hinter einem Bahndamm geschanzt & 2 Nächte in einem abgebrannten Dorfe geschlafen."


Paul Vietmeier an seine Mutter - 18. September 1914

 "Freitag, den 18/9.1914. Liebste Mutter! Gestern erhielt ich eine Karte & die Chocolade von Euch. Ich danke herzlich dafür. Ihr könntet mir wohl jede Woche eine Sendung ganz feingeschnittenen Check-Tabak schicken. Es gibt welchen in Blechdosen. Zu rauchen ist in Frankreich nämlich gar nichts zu kriegen. - Seid Sonntag wütet hier schon eine große Schlacht & war unser Regiment am 13. 14. & 15[.] ununterbrochen im Gefecht & hat auch unsere Kompagnie viel Leute verloren, die meisten Gott sei Dank nur leicht verwundet. Ich selbst habe eine Kugel durchs Kochgeschirr & eine durch den gerollten Mantel bekommen. Wie ich gestern schon schrieb, ist aus Brake von meiner Kompagnie Paula Meier ihr Bräutigam Steffen, Kampemeier von der Wiembeckerstraße & der Briefträger Strohmeier leicht verwundet. Solltet Ihr den Brief früher wie die Verlustliste vom Regiment bekommen, könnte es Johanne von den beiden ersten ja den Angehörigen mitteilen. Sie sind bestimmt nur ganz leicht verwundet - Bis Ende Oktober muß meine Lebensversicherung auch bezahlt werden. Der Agent wird schon eine Zahlkarte an meine Adresse schicken & wollt Ihr es dann bitte absenden. Solltest du viel Geld gebrauchen, so nimm nur ruhig meine Sparkassenbücher in Gebrauch. - Die Schlacht dauert noch an & wird es wohl die größte sein, die je Kulturvölker miteinander geschlagen haben. Aus der ersten Linie sind wir abgelöst & liegen in reserve, tag & Nacht draußen, mit gewehr im Arm, um sofort bereit zu sein. Es regnet augenblicklich viel. Am 9. voriger Woche habe ich mich zuletzt gewaschen & so geht es allen. Hoffentlich dauert die Schlacht nicht ehr zu lange, sonst möchten die Nerven doch versagen. ich könnte Euch Augenblicke beschreiben, daß Ihr vor Entsetzen weinen würdet. Aber das ist früh genug, wenn ich wiederkommen sollte. Wenn Ihr den Brief bekommt, wir die Schlacht wohl geschlagen & gewonnen sein & dann schreibe ich sofort, wie es mir geht. herzliche Grüße an Fritz, Johanne & alle Bekannte & küßt Dich Dein tr[euer] Sohn Paul.

Feldpostbrief  Seite 1 | Seite 2 | Seite 3


Lippische Post - 19. September 1914

Danksagung der Prinzessin Karola zur Lippe über Bettenspende für das Lazarett 

Bericht


Aus dem Kriegstagebuch Paul Vietmeier - 19. September 1914

"Wir bauen richtige Unterstände am Damm & richten uns häuslich ein."


Aus dem Kriegstagebuch Paul Vietmeier - 20. September 1914

"Wir gehen weiter zurück & kommen in ein Dorf ins Quartier. Alles freut sich, endlich mal wieder in einer Scheune zu schlafen, leider werden wir abends alarmiert & kommen in die erste Linie Vorposten. Die Nacht auf vorgeschobenen Posten."


Lippische Post - 21. September 1914

Verlustliste

Bericht


Lippische Post - 22. September 1914

Leserbrief zur Brotversorgung in Deutschland 

Bericht


Paul Vietmeier an seine Mutter - 23. September 1914

"Mittwoch, 23/9.1914. Liebster Mutter! Heute morgen habe ich schon eine Karte nur mit Grüßen an Euch abgeschickt. Ebenso erhielt ich heute Briefe & Karten & Zigarren von Euch. Ihr glaubt gar nicht, wie kindlich man sich freut, wenn man Postsachen von den Lieben daheim erhält. heute haben wir Ruhetag. Wir liegen jetzt immer 2 - 3 Tage auf Vorposten in der [Nähe] von Reims & werden dann wieder abgelöst. Auf Vorposten sitzen wir Tag & Nacht in tiefen Erdlöchern & bekommen nur des Nachts einmal am Tage warmes essen & Brod für den folgenden Tag. Läßt man sich blicken, bekommt die Stellung gleich granatfeuer. man muß immer gewärtig sein, daß der Feind einen Ausfall macht & ist immer kampfbereit. Mit wie wenig Schlaf & Essen der Mensch auskommen kann, sieht man jetzt erst. 2 - 3 Nächte auf Wache ohne überhaupt zu schlafen, passiert öfters. Es kommt ja mal eine andere Zeit. Man muß immer das Beste hoffen. Man hat jetzt den richtigen Galgenhumor. Wie es uns gegangen hat, werdet Ihr schon an den Verlustlisten vom regiment sehen. Ernst wird wohl auch schon unterwegs nach hier sein? Das Fritz ja die Bücher so weit fertig macht, das Johanne, wenn er eingezogen werden sollte, alles erledigen kann. Soviel ich von Edwin Kemper gewahr werden kann, war er die letzte Zeit krank. Schlimm aber nicht. Wenn Ihr mir hin und wieder mal Tabak oder kleine Zigarren schickt, währe ich Euch sehr dankbar. Hier ist überhaupt nichts zu bekommen. Die Gegend ist leer wie eine Wüste. Denkt an meine Lebensversicherung. 1000 herzliche Grüße an Fritz, Johanne & alle Bekannte. Dein tr[euer] & dankbarer Sohn Paul" 

Feldpostbrief Seite 1 | Seite 2 | Seite 3


Aus dem Kriegstagebuch Paul Vietmeier - 25. September 1914

"Wieder auf Vorposten. Des Abends von den Franzosen angegriffen."


Lippische Post - 26. September 1914

Ankauf von kriegsbrauchbaren Pferden und Gerät 

Anzeige


Aus dem Kriegstagebuch Paul Vietmeier - 27. September 1914

"Nach Loire abgerückt. Wieder im Granatfeuer. Aber gut gegessen."


Paul Vietmeier an seine Familie - 28. September 1914

"Vor Reims, 28/9. 1914 Meine Lieben! Soeben wird uns bekannt gemacht, das heute mittag unsere Post direkt von Brüggemann Detmold per Auto mit nach dort genommen wird. Eure Briefe habe ich bekommen. Auch Cocolade & Zigarren. ich schrieb Euch schon, das Ihr mir seinen Check Tabak schicken möget & zwar wöchentlich. Paket Streichhölzer könnt Ihr jedesmal beifügen. das geld habe ich bekommen & lege ich diesem Briefe einen 20 mark Schein bei, da ich Geld nicht verwerten kann & hoffe, das dieser Brief überkommt,. Ihr könnt es ja für den Tabak gebrauchen, dann kommt es mir ja ach zu gute. Der Check muß aber ganz fein sein. Ich habe sonst welchen von Bote in gelben Tüten geraucht, wo zwei Pakete in eine Sendung gingen. Es gibt auch welchen in Blechdosen, der extra versteuert & eine Steuer Banderole trägt, der wär mir noch lieber. An Unterzeug brauch ich nur Pulswärmer, wenn Ihr mir die mal schicken wollt, wär ich Euch dankbar. Wäsche & Strümpfe habe ich schon gewechselt & auch noch reine Hemden, Unterhose & Strümpfe im Tornister. Ein Unterwams trage ich auch. Meine Füße sind wie Eisen, überhaupt noch nichts daran gehabt, auch sonst immer ganz gut zufrieden gewesen. An das Essen hat man sich gewöhnt. Täglich einen Trinkbecher Kaffee, einmal warmes Essen & dann Brod & wieder trocken Brod & Zwieback. In den letzten Tagen haben wir oft in drei tagen keinen Kaffee & warmes Essen bekommen, sondern nur Brod oder Zwieback & Wasser dazu getrunken, was es auf Vorposten aber auch nicht gibt. Man hält es aber aus. Wenn es geht, kochen wir uns selbst Kartoffeln & essen sie mit Salz trocken auf, schmecken aber herrlich. Gestern habe ich auch mal wieder ein Huhn erwischt, wenigstens mal wieder ein Sonntagsbraten. Sonst ist Sonntag & Alltag einerlei, gewöhnlich waren bis jetzt die Sonntage unsere schlimmsten Tage. Wenn man bedenkt, wie man sonst zu hause essen & trinken bekommt, regelmäßig schläft, ist es einem unbegreiflich wie man jetzt alles so aushält. Daß man 2 - 3 Nächte nicht schläft, ist keine Seltenheit & je schlimmer es geht, je besser ist man zufrieden. Freitags Fritz soll ich von Langemann grüßen und wegen seinen Sohn brauch er sich keine Sorge machen, der ist leicht am Bein verwundet & hat es jetzt jedenfalls viel besser wie wir. Ich selbst habe bis heute jden Tag mitgemacht & hoffe es auch fernerhin. Wir haben jetzt Ersatz-Mannschaften bekommen, wo eine menge Bekannte aus Brake & Lemgo bei sind, z. B. Friedrich Wilms, Ilert, Menze, Zöpfgen, Westerhuas & noch mehrere. Albert Seuke & Niebuhr geht es auch noch ganz gut. Mitte voriger Woche ging es Edwin Kemper, soweit ich gewahr werden konnte, auch noch gut. Gesehen habe ich ihn selbst schon lange nicht mehr. Sagt es O.[?] & tante nur & bestellt gleichzeitig herzliche Grüße an die ganze Familie. Von den letzten gefechten habe ich schon in den letzten Briefen geschrieben. Auf Vorposten bekommen wir auch wohl Gewehrfeuer, haben aber nur Granatfeuer zu befürchten, letzteres macht uns viel zu schaffen. Wie die Gegend hier aussieht, könnt Ihr Euch garnicht vorstellen, Dorf an Dorf zerschossen & verbrannt, das Vieh läuft wild auf den Feldern herum. Das Letztere wird allerdings, wo soviel Truppen sind, rasch weniger & schnell verzehrt. Das Korn steht noch auf den Feldern, was für uns gut ist, wir haben doch wenigstens des Nachts etwas zum Zudecken. in einer der letzten Wochen regnete es viel & wurde man überhaupt nicht trocken, aber es geht auch dann. Des Nachts ist es schon ziemlich kalt, wenn es trocken ist, ist es nicht so schlimm. Die Post muß abgegeben werden. herzliche Grüße an alle Bekannte & Verwandte & bleibe ich Euer tr[euer] Paul." 

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Lippische Post - 28. September 1914

Erster Verwundetentransport in Lemgo 

Bericht


Lippische Post - 29. September 1914

Versammlungen der Turnvereine in Lemgo und Brake 

Bericht


Lippische Post - 30. September 1914

Hinweise zum richtigen Stricken der Socken für die Soldaten an der Front 

Bericht


Aus dem Kriegstagebuch Paul Vietmeier - 1. Oktober 1914

"Donnerstag, 1. Oktober 1914, Am Tage geschlafen & des Nachts geschanzt."


Lippische Post - 2. Oktober 1914

Todesanzeige Fritz Sundermann

Todesanzeige


Lippische Post - 3. Oktober 1914

Kriegsgedicht "Wir Barbaren" von Prof. Ernst Weißbrodt 

Kriegsgedicht 

Das Gedicht des Lemgoer Gymnasialprofessors Weißbrodt nimmt konfrontativ Stellung zu den Kriegsgräuel-Vorwürfen der Entente-Mächte gegen das Deutsche Reich.


Paul Vietmeier an seine Mutter - 4. Oktober 1914, vor Reims

"Liebste Mutter! Es geht mir gut! Gestern war der Fürst hier & habe ich bei der Gelegenheit die Lippische Militär-Verdienst-Medaille bekommen. Das Wetter ist herrlich, aber die Nächte kalt. Das Unterzeug tut mir sehr gute Dienste. Mit Wäsche & Strümpfen bin ich erst für lange Zeit versehen. Ihr werdet wohl tüchtig Kartoffel aufgraben. Ich habe heute während Ihr wohl in der Kirche wahrt, Kartoffeläcker abgesucht, nur um mal wieder Kartoffel mit Salz zu essen. Sonst geht's gut. Euer tr[euer] Paul"

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Lippische Post - 5. Oktober 1914

Vorschlag zur Verkürzung der Ladenöffnungszeiten 

Bericht


Paul Vietmeier an seine Mutter - 6. Oktober 1914, Cambrai

"Liebste Mutter! Glücklicherweise sind wir aus der Gegend von Reims heraus. Montagabend 7 Uhr wurden wir in Neu[ve]chatel mit der Bahn nach Cambrai, Nordfrankreich verladen. Die Strecke von 120 klm sind wir bis Dienstag nachmittag 4 Uhr gefahren, sehr schnell, nicht wahr?  Wir sind jetzt am äußersten rechten Flügel - In der Gegend, wo wir die letzten 3 Wochen ständig waren, war es zu trostlos. Abgebrannte, ausgeräumte & verlassene Dörfer & kleine Städte.  Wir hatten jedesmal 2 Tage Ruhe hinter den Vorposten, natürlich immer alarmbereit, & dann wieder zwei Tage auf Vorposten. Des Abends um 9 Uhr wurde abgelöst & dann meistens die Nacht geschanzt. Am Tage wurde der Kopf nicht aus den Gräben herausgesteckt. Wurde nämlich ein Mann von uns sichtbar, so kamen gleich Granaten angesaust & stundenlang schlugen die Biester vor & hinter einem ein. Wenn die Granaten in der Nähe der Schützengräben einschlugen, was oft passierte, wurden wir mit Erde überschüttet. Mann [sic!] kann nicht vor & zurück & ruhig & dumpf vor sich hinbrütend harrt man der Dinge, die da kommen sollen. Man wurde zuletzt ganz teilna[h]mlos bei Granatfeuer. Viel wurden wir von schwerer englischer Artillerie beschossen, welche Löcher von 4 - 6 m Durchmesser & 2 m Tiefe rissen. Über 100 m im Umkreis fiel Erde nieder. Zum Glück sind sehr viel Blindgänger unter den feindlichen Granaten & wurden dieselben gleich mit Witz & Humor quittiert. Die schweren englischen Granaten habe ich den Namen Meerschweinchen gegeben & die ganze Komp[agnie] begrüßt sie mit diesem Namen. 

Eine Nacht auf vorgeschobenen Posten noch vor den Schützengräben. Wunderbarer Sternenhimmel & der Wind läßt alles Phantashieformen [sic!] annehmen. Ruhig liegt man da & sieht angestrengt nach vorn. Totenstille weit & breit. Plötzlich 200 - 300 m vor einen Gestalten. Krampfhaft umfaßt man das Gewehr. Nicht eher schießen bis ich es befehle oder selbst schieße. Wenn es geht, so nahe herankommen lassen, daß wir sie mit dem Bajonett stechen können. Da sausen uns auch schon die Kugel[n] um die Ohren. Nicht schießen, regungslos liegen wir da, der Feind kommt näher, Gewehrgeknatter von (uns) der Flanke & dann alles still. Der Feind kriecht zurück. Alles wieder still; Nur hin und wieder das Stöhnen von Verwundeten zeigt uns, daß unsere Kameraden von der Flanke gutgetroffen haben. Abwechselnd lasse ich die Posten schlafen, ich selbst bleibe die lange Nacht wach, von 8 Uhr abends bis morgens 6 Uhr, dann geht's zurück in die Schützengräben & sitzend schlafen (wir) & dämmern wir den Tag über. - Des Nachts gibts Essen & Brod [sic!] & den Tag überhaupt nichts. 

Wenn es auch anstrengend ist, die Herbstnächte draußen sind wunderbar & die Gedanken fliegen über Berg & Tal & denken an die liebe Heimat & all die Lieben. Sonst liegt man im Bett & bekümmert sich nicht um essen & trinken & jetzt hat man die Erde zum bett & trocken Brod zum essen & man freut sich noch oft genug, wenn man nur beides jetzt hat. Wo wir auf Vorposten waren, lagen noch die Leichen von 2-3 Wachen. Grauenhaft ist es anzusehen & über die Felder schwebt Verwesungsgeruch. Bestatten kann man sie nicht, da es mit Lebensgefahr verbunden ist, wenn man sich auf den Feldern zeigt. und wenn die Franzosen auch genau wissen, daß man ihre eigenen Leute begraben will, sie schießen ruhig auf einen & lebendige Menschen sind immer mehr wert als Tote. 

Nachdem wir gestern ausgeladen sind, haben wir bis 12 Uhr Nachts marschiert & liegen jetzt in einem kleinen Dorf. Es ist mal wieder etwas zu bekommen & kann sich selbst mal wieder etwas kochen & bekommt mal auch mal schönes reifes Obst. Edwin Heuper habe ich schon seit 3 Wochen nicht mehr gesehen. Soviel ich mich aber erkundigt habe, geht's ihm noch ganz gut. Wie heißt Ernst seine Adresse jetzt? Er ist doch wohl auch schon im Feld? Willi 6 otto habe ich bis jetzt noch nicht gesehen. daß ich mal einen Gruß von beiden bekommen habe, schrieb ich ja schon. Ist Fritz schon eingezogen. Sonst geht's Euch ja auch hoffentlich recht gut, mir auch. Tausend herzl[iche] Grüße an alle Bekannte, besonders herzl[ich] für Fritz und Hanne & bleibe ich dein tr[euer9 dankbarer Sohn Paul. Habt Ihr das Geld auch bekommen. Denkt bitte an Tabak oder Cigaretten & Cigarren." 

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Aus dem Kriegstagebuch Paul Vietmeier - 7. Oktober 1914

"Mittwoch, 7/10.14. Ruhetag, ordentlich die Krimpen aus dem Bauche gegessen & sehr viel getrunken, Um 7 Uhr abends alarmiert & um 12 Uhr ins Quartier gekommen."


Aus dem Kriegstagebuch Paul Vietmeier - 8. Oktober 1914

"Donnerstag, 8/10.14. Morgens um 4 Uhr alarmiert & bis mittag marschiert. Wir traten in Gefechtsbereitschaft & kommen bis zum Dorf Souchez, wo wir in Reserve liegen bleiben & auch um 9 Uhr abends in Alarmquartier kommen."


Lippische Post - 9. Oktober 1914

Artillerie im Kino 

Bericht


Lippische Post - 10. Oktober 1914

Siegesfeier mit Posaunenchören auf dem Marktplatz nach dem Fall von Antwerpen 

Bericht


Paul Vietmeier an seine Mutter (adressiert an Fritz Vietmeier) - 11. Oktober 1914

"Nordfrankreich 11/10. 1914 Liebste Mutter ! Schon vor Tagen habe ich einen l[an]g[en] Brief geschrieben, den ich aber noch in der Tasche habe, da ich keine Gelegenheit zum abgeben hatte. Das Regiment hat heute Ersatz bekommen & traf ich Herm[an] Blattgerste, Tewesemeier, Sigwart Volland, Fr. Klemme & andere. Sie kannten mich mit meinen roten Vollbart fast nicht. Ich freue mich sehr, so viele gute Bekannte wieder im Regiment zu haben. Augenblicklich haben wir wieder schwere Tage, aber wir kommen langsam, aber sicher vor. Wir kämpfen hier mit Bairischen Truppen zusammen. Postsachen habe ich 9 Tagen nicht mehr bekommen. Sonst gehts mir gut. Euer treuer Paul Vietmeier." 

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Lippische Post - 13. Oktober 1914

Verurteilung des Vertriebes von sogenannten "Witzpostkarten" 

Bericht


Lippische Post - 14. Oktober 1914

Kammerspielabend in Lemgo zum Besten der Soldaten 

Anzeige


Lippische Post - 15. Oktober 1914

Beeinflussung des Vogelfluges (Kraniche) durch Kriegsauswirkungen 

Bericht


Lippische Post - 16. Oktober 1914

Angebot der Volksküche in Lemgo durch den Vaterländischen Frauenverein 

Bericht


Aus dem Kriegstagebuch Paul Vietmeier - 17. Oktober 1914

"Sonnabend, 17/10. Im Schützengraben gelegen. Von meiner Gruppe Kam[erad] Blanke durch einen Granatsplitter getötet & außerdem 2 Mann im Graben verwindet. Des Nachts Bl[anke] beerdigt. Ein kurzes Gebet & unser Kamerad ruhte in fremder Erde. Wir haben dabei geweint."


Paul Vietmeier an seine Mutter - 18. Oktober 1914

"Sonntag, 18/10.1914. Geschrieben im Schützengraben ! Liebste Mutter! Hoffentlich habt ihr meinen Brief & 2 Karten, welche ein Herforder Auto mitgenommen hat, bekommen. Bei augenblicklichen schlechten Wetter ist es sehr anstrengend, tagelang im Schützengraben zu liegen, aber man hält es aus. Tabak habe ich noch nicht wieder bekommen, die Sendungen sind allerdings meistens sehr lange unterwegs. Schickt aber nur bitte alle 5-6 Tage eine Sendung weg, da es doch nicht immer überkommt & rauchen die einzige Freude ist, die man bei den langen Liegen draußen hat. Auch jedesmal Streichhölzer beilegen. Während bei Euch jetzt in der Kirche der Schlußgesang gespielt wird, donnern hier nah & fern die Geschütze & man lauert auf die Dunkelheit, die warmes Essen bringt. Sonst gehts mir gut. 1000 Grüße an Fritz & Hanne & bleibe ich dein dankbarer Sohn Paul." 

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Lippische Post - 21. Oktober 1914

Missverständisse und Veröffentlichung von Namen und Fotos der Gefallenen 

Bericht Seite 1 | Seite 2


Lippische Post - 22. Oktober 1914

Reaktion auf den Zeitungsbericht vom 21. Oktober 2014 

Bericht


Paul Vietmeier an seine Mutter - 23. Oktober 1914

"Souchez, 23/10. 1914. Liebste Mutter! Es herbstet, & das Wetter ist auch herbstlich. Das Laub ist hier von den Bäumen nicht herunter. Stellenweise steht das Korn noch in Forcken auf den Feldern & wird wohl nicht mehr eingefahren werden. Wir sind nun seid dem 5. Oktober hier & haben während dieser Zeit 4 mal unter Dach & Fach in Souchez geschlafen, die übrige Zeit haben wir Tag & Nacht in Schützengräben & in Erdlöchern hinter den Gräben in Reserve verbracht. Das Wetter ist in der letzten Zeit schlecht, zum Glück ist es aber nicht so kalt wie bei uns. Unterwams & Leibbinde tun mir gute Dienste. Wenn man auch naß ist, so wärmt das Unterzeug doch noch. Wahrscheinlich werden wir diese Nacht abgelöst & haben einen Ruhetag im Dorf. Man kann sich dann doch mal wieder Kartoffel kochen & auch sonst die Sachen wieder in Stand setzen. - Trotz des Wetters & immer derselben Nahrung, nämlich des Nachts einemal warm & Brod [sic!], bin ich gesundheitlich noch ganz gut zufrieden. Das Rauchen läßt einen die Zeit vergehen & stillt auch den Hunger. In der letzten Zeit bekommen wir allerdings reichlich Brod, so das man wenigstens satt wird. Wenn einen jetzt mal Chocolade oder sonst was anderes frisches bekommt, ist es eine reine Labsal. Schade, daß die sachen so schlecht überkommen. tabak von dir ist noch nicht wieder übergekommen. In der letzten Zeit bekam ich von Walter Cigaretten, von Herrn Puls aus Bünde Zigarren & von Wallbrechts eine Schachtel Keks. Letztere willst du in meinen Namen danken & mir auch die nähere Adr[esse] schicken. Er[nst] Tewesmeier, Volland & Klemme freuen sich jedesmal sehr, wenn sie mich treffen. Leider sind die drei beim 1. Bataillon. - Edwin Kemper habe ich seid 4 Wochen nicht gesehen & auch nichts von gehört. Wie ist die Adresse von Willi, Otto, Ernst? & was fangen sie an? Legt bei Briefen bitte immer Karten oder Papier bei. Ist Fritz noch zu Haus? Mit 1000 Grüßen an Euch Lieben bleibe ich dein tr[euer] & dankb[arer) Sohn Paul Vietmeier" 

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Lippische Post - 24. Oktober 1914

Ehrentafel der Gefallenen aus Lemgo und Umgebung 

Bericht


Paul Vietmeier an seine Mutter - 25. Oktober 1914

"25/10.1914 Liebste Mutter! Heute ist ein wunderschöner Sonntag, der gestern abend mit einem Angriff der Franzosen eingeleitet wurde. In stockfinsterer Nacht ist es ein greuliches Kämpfen. Wir haben einen Mann verloren & war es bald vorbei. Augenblicklich habe ich eine sehr schöne Höhle zum bewohnen. Wir liegen immer 3 - 6 Tage in Gräben & dann 1 Tag zur Ruhe im Dorf. Vorgestern habe ich 1 Brief & 1 Karte abgeschickt. Hoffentlich schreibe ich Euch jetzt fleißig genug. Das Wetter bleibt hoffentlich jetzt wieder trocken, man ist gleich noch mal so gut zufrieden. Laßt's Euch gut gehen. Eurer tr[euer] dankb[arer] Paul." 

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Lippische Post - 26. Oktober 1914

Fortsetzung der Stromversorgung 

Bericht


Lippische Post - 28. Oktober 1914

Militärbrieftaubenverein "Kriegspost" Lemgo - Schutz der Brieftauben vor Abschuss 

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Lippische Post - 30. Oktober 1914

Erneuter Hinweis auf die Volksküche 

Bericht


Lippische Post - 31. Oktober 1914

Impressionen von den verwundeten Soldaten in Lemgo und deren Aufnahme durch die Bevölkerung 

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Lippische Post - 2. November 2014

Kritik an den Zuständen im Kino Lemgos 

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Lippische Post - 3. November 1914

Kriegerverein in Brake und Ehrentafel für Gefallene aus Brake in der Lippischen Post 

Bericht Kriegerverein | Ehrentafel


Paul Vietmeier an seine Mutter - 4. November 1914

"Souchez, 4/11. 1914, geschrieben im Schützengraben. Liebste Mutter! Johanne ihre liebe Karte vom 27. Okt. habe ich erhalten. Briefe habe ich in letzter Zeit noch nicht erhalten. Für Eure Geburtstagswünsche danke ich auch recht herzlichst. Das Paket habe ich noch nicht erhalten, es wird aber bis zum Geburtstage wohl noch eintreffen. Ich habe schon sehr viel Gratulationen erhalten, u. a. auch von Auguste in Niese. Gestern abend mußten wir eigentlich abgelöst werden, um unsern Ruhetag zu bekommen. Jedoch gegen abend kamen wir mit den Franzmännern aneinander. Die ganze Nacht haben wir uns mit Ihnen herumgeschaffen, d. h. die Franzosen schießen meistens, ob sie uns sehen oder nicht, sie ballern furchtbar was darauf los. Die Komp. hatte einen Verwundeten. - Gerade habe ich mittag gegessen & zwar folgendes Menü: Trockenes Brod & etwas aus dem Nachtessen gefischtes Rindfleisch, dazu kalten Kaffee & zum schluß einen schluck Rotwein. So hat man es im Schützengraben aber nur selten. gewöhnlich ist es trockenes Brod & kalter Kaffee. Letzterer fehlt aber auch oft & verträgt sich kalt auch nicht gut. Heinr. Niebuhr fährt augenblickloch bei der 9. Komp. den Küchenwagen & bekomme ich von ihm, wenn er es eben machen kann, mal Wein oder Kognak, kaltes Fleisch & auch mal Butterbrode mit Rindfleisch. Er ist einfach sehr gefällig. Heute liege ich den 4. Tag im Schützengraben & hat es nur einmal in dieser Zeit geregnet. Vom vielen Liegen ist man ordentlich steif. Sonst gehts mir aber gut. Wie ich meinen Geburtstag verlebe, werde ich bald schreiben. Mit herzl. Grüßen an alle Bekannte, bleibe ich Euer tr. Sohn , Bruder Paul Vietmeier"  

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Lippische Post - 5. November 1914

Militärische Vorbildung der Jugend in Lemgo 

Bericht Aufruf


Paul Vietmeier an seine Mutter - 6. November 1914

"Souchez, 6/11. 1914. Ruhetag. Liebste Mutter! Gestern abend gab ich einen Brief ab, den Ihr hoffentlich schon erhalten habt. Wir haben 5 Tage Tag & Nacht vorn im Schützengraben gelegen & tut einen der Ruhetag doppelt gut. Ernst Tewesmeier, der arme Kerl ist vorgestern durch einen Granatsplitter am Auge verwundet, seine Kameraden, wo ich mich erkundigte, glaubten, daß ein Auge ausgenommen werden mußte, ich will hoffen, daß es nicht so schlimm ist. Ihr könnt es Frau Oberamtmann mitteilen, jedenfalls wird sie von T. schon selbst nachricht haben. Fr. Klemme ist auch verwundet, wie ich hörte, nur leicht, hoffentlich. Also schon wieder 2 gute Bekannte weniger. Von Sigward Volland wurde mir gesagt, daß er krank wär. Er wird wohl Durchfall haben. Ich glaube, der junge Kerl ist noch nicht wiederstandsfähig genug. Die Freiwilligen stellen es sich leichter vor, wie es ist. Doch genug der schlechten Nachrichten. Letzte Nacht, liebe Mutter, bekam ich Eure 2 Pakete. Ich habe mich heute morgen nackend gewaschen & dann ganz frische Wäsche angezogen. man ist wie neu geboren. Lange Redensarten kann ich schlecht mehr machen & danke ich Euch für alle Sachen herzlichst & hoffe, daß ich Eure Liebe mal wieder vergelten kann. Kann ich es nicht, so wirds Euch ein anderer lohnen. Wie ich meinen wirklichen Geburtstag feire, schreibe ich den noch. Da ich nicht weiß, wie lange dieser Brief braucht, um über- oder ob er überhaupt ankommt, so nimm, liebe Mutter, die herzl. Glück. & Segenswünsche zu Deinem Geburtstage von einem dankbaren Sohne entgegen. Gebe es der Herr, daß Du den nächsten Geburtstag im Kreise aller Deiner Lieben feiern kannst. Aber auch diesen Geburtstag werden wir Brüder im Geiste, mit Dir feiern & in Liebe an Dich denken. Augenblicklich bin ich gut zufrieden & recht gesund & munter. Je länger man hier ist, je wiederstandsfähiger scheint man zu werden. Mit herzl. Grüßen bleibe ich Dein dankbarer Sohn Paul Vietmeier. Herzl. Grüße an Fritz & Johanne. Daß Fritz noch länger zu Hause bleibt, freut mich sehr." 

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Lippische Post - 7. November 1914

Trauergeläut in St. Marien und Antwort auf den Sprechsaal-Artikel zum Kino in Lemgo. 

Bericht Sprechsaal


Paul Vietmeier an seine Mutter - 8. November 1914

"Im Schützengraben, 8/11. 1914. Liebste Mutter! Von meiner Geburtstagsfeier in einer Erdhöhle sende Dir die allerherzlichsten Grüße. Wir begnügen uns allerdings mit aufzählen der Herrlichkeiten, die wir wohl zu Hause futtern & sind doch gesund & recht munter dabei. Sei unbesorgt, es wird alles schon zum guten Ende kommen. Morgen folgt Brief. In treuer Liebe Dein dankb. Sohn Paul Vietmeier. Mit frdl. Gruß Ernst Stock, Herzl. Gruß [unleserlich] Herzliche Grüße H. Pieper 12/55 Simon Thies, Gefr. Heinemann"  

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Paul Vietmeier an seine Mutter - 9. November 1914

"Im Schützengraben, 9/11. 1914. Liebste Mutter! Wurst, Speck & alle andern Herrlichkeiten haben mir herrlich geschmeckt & schmecken mir noch. Ohrenwärmer & Handschuhe habe ich erst in dn Tornister gepackt, Hände & Ohren frieren mir noch nicht. Man darf sich nicht zu arg verwöhnen, es wird schließlich doch noch kälter werden. Lungenschützer habe ich gleich angezogen. Gelegentlich willst du mir mal deinen Kopfschützer, den man über den ganzen Kopf ziehen kann, mitschicken. Am besten aus dünnen aber möglichst wasserdichten Stoff. Wie ich meinen Geburtstag verlebte! Die Nacht vom Sonnabend auf Sonntag verbrachte ich zusammengerollt wie ein Igel in einer kleiner Erdhöhle. Stündlich wurde ich geweckt & mußte Posten aufziehen lassen. Schlafen tut man doch meistens am Tage & hatte ich sehr viel Zeit, in der schönen hellen Mondnacht meine Gedanken spazieren gehen zu lassen. Wo sie weilten, könnt Ihr Euch wohl denken. Es ist ein eigenwiliger Zauber mit so einer klaren wunderbaren Nacht, wenn man allein auf fremder Erde liegt & es kommt einem so erst zum bewußtsein, was ein elendes, kleines Kreatur doch der Mensch unter diesem Sternenhimmel ist. So sehnsüchtig man auch an die liebe Heimat denkt & an all die Lieben, rechtes Heimweh bekomme ich trotzdem nicht. Viele haben letztens sehr durch rasendes Gewehr - & Maschinengewehrfeuer werde ich aus meinem Hinbrüten geweckt & im nu ist das Gewehr zur Hand & ruhig wartet man die Dinge die da kommen sollen. Wir werden heftig beschossen aber der Feind nicht erscheint, erwiedern wir das Feuer nicht & allmählich tritt wieder Ruhe ein. Es ist inzwischen 5 Uhr früh geworden & gehe ich bis zum Hellwerden raufend im Schützengraben spazieren. Hauptsächlich aber um die kalten Füße warm zu bekommen. dann schlief ich bis mittag & nachher wurde sich mit den Kameraden was erzählt. Eifrig wird erwägt, wie lage der Krieg wohl noch dauern könnte. Ohne Ausnahme sind sie für baldigen Frieden. Von nachmittags 6 Uhr bis heute mittag haben wir ohne Unterlaß 50 m vom Feinde geschanzt. Es war in einem kleinem Erdenwalle & war es entsetzlich naß. Das Wasser stand knietief in den Gräben. Dazwischen habn wir noch Tote beerdigt, die schon über 4 Wochen lagen. Dies ist das grauenhafteste, was man sich denken kann. Von mittag bis jetzt habe ich geschlafen & da es dunkel wird, muß ich schließen. In treuer Liebe Dein dankbarer Sohn Paul. Herzl. Grüße an Fritz & Johanne & alle Bekannte. Besonders Freitags Fritz & Aug. B" 

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Paul Vietmeier an seine Mutter - 10. November 1914

"10/11. 1914. Liebste Mutter! Heute bekam ich Eure Briefe vom 2. & Karte vom 5.11., außerdem 2 Päckchen Keks. Für alles besten Dank. Eben hörte ich, daß Fr. Klemme nicht verwundet sein soll, sie werden wohl selbst schon bestimmte nachricht haben. Das Wetter ist in den den letzten tagen recht rauh geworden, aber man soll sich wohl daran gewöhnen. Was einem friert, daß sind die Füße. Die Sendung von Gemeinde Brake u.s.w. habe ich erhalten, habe mich schon durch eine Karte bedankt. Gestern bat ich im Brief um einen Kopfschützer. Ich wiederhole meine Bitten immer, da man nicht weiß, ob die Sachen überkommen. Otto habe ich gleich heute geschrieben, Willi & Ernst schreibe ich diese Tage, etwas wird ja wohl überkommen. Selbst habe ich von allen Dreien auch noch nichts bekommen, es wird schwer im Felde halten, 1000 Grüße f. Fritz & Johanne & bleibe ich Dein Paul."  

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Lippische Post - 11. November 1914

Todesanzeige des Kriegsfreiwilligen Hermann Koch 

Todesanzeige


Paul Vietmeier an seinen Bruder Fritz - 12. November 1914

"Im Schützengraben, 12/11. 1914. Donnerstag Lieber Fritz ! Am 8. & 10.11. schrieb ich eine Karte & am 9. einen Brief & hoffe, das Ihr die Sachen erhalten habt. Von Johanne erhielt ich gestern 20. Cigaretten vom 1.11. Besten Dank. Größere Gegensätze wie hier kann man sich im Wetter schlecht vorstellen. Gestern abend war hier ein gewaltiger Sturm mit solchen Regenschauern, daß das Wasser wie ein kleiner Bach in den Schützengräben floss. An den hochgelegenen Stellen fließt es ja ab, aber an den tiefen Teilen ist es nicht wegzubringen. Die Höhlen in den Gräben legen wir immer 30 - 40 cm höher wie die Grabensohle, sodaß das wasser nicht so leicht eindringen kann. Gestern abend war ich Führer für die Ablieferungen vom Inf. Reg. 13 für unsere Komp., & war ich von 8 - 1 Uhr draußen. So naß wie hierbei bin ich während des Feldzuges noch nicht geworden. Von den Gehen in den Laufgruben ist mein Mantel eine nasse, lehmige Masse geworden. Heute morgen ist der schönste blaue Himmel & die Sonne scheint warm. ich bin aus den Schützengraben heraus gekrochen & liege an einer sonnigen, geschützten Stelle & trockene mich & schreibe gleichzeitig. Freitag den 6. waren wir zuletzt im Dorf & hatten Ruhetag & habe ich mich seitdem nicht mehr gewaschen & werden auch wohl noch ein paar Tage vergehen, bis ich wieder Gelegenheit dazu habe. Munter ist man aber trotzdem. Die ständige frische Luft bringt einen auf die Beine. Es ist ein ewiges Duell zwischen uns & den Franzosen. Sieht auch nur eine Helmspitze über den Grabenrand, so kann man sicher sein, daß sofort ein paar Kugeln bei einem einschlagen & den Franzosen geht es natürlich nicht besser. - An einzelnen Stellen liegen wir nur 20m von den franz. Gräben & werfen wir uns gegenseitig mit Steinen in die Gräben & des Nachts mit Handbomben. Sonst gehts mir gut. Dein tr. Br.  Paul Vietmeier. Liebste Mutter ! Nochmals gratuliere ich dir herzl. zu deinem Geburtstage & möge der Herr geben, daß wir noch manchen Geburtstag mit dir zusammen feieren, dir & uns zur Freude. Dein dankb. Sohn Paul, herzl. Grüße an Hanne & alle Bekannte. Anbei ein franz. Reg. - Abzeichen, das Ihr bitte weglegen wollt." 

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Lippische Post - 13. November 1914

Aufruf des Vaterländischen Frauenvereins zu Weihnachten 

Aufruf


Paul Vietmeier an seinen Bruder Fritz - 14. November 1914

"14.11.1914. Lieber Bruder! Besten Dank für Deine Karte vom 5., außerdem erhielt ich eine Sendung Chocolade. Die Sendung vom Braker Kriegerverein erhielt ich auch. Hier wechselt Sonnenschein & R egen fleißig miteinander ab. Wenn es hier regnet, regnet es gründlich. Heute morgen erhielt ich auch eine Karte von Otto & Willi vom 28.10. Sie liegen [?] alten Schlachtfeldern bei Reims. ich muß Wasser aus dem Dorf holen [?] & benutze die Gelegenheit zum schreiben & waschen. letzteres seid 9 Tagen zum erstenmal. Daß das Daß das Geschäft gut geht, freut mich. Sonst geht's mir gut. Dein tr. Bruder Paul." 

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Paul Vietmeier an seine Mutter - 16. November 1914

"Angres, 16/11. 1914. Liebste Mutter! In den letzten Tagen erhielt ich keine Nachricht von Euch, werde sie wohl alle wieder auf'n mal bekommen. Wir sind hier 2 Tage zu Ruhe & wurden heute morgen zum Schutze gegen Typhus auf der Brust geimpft. Es ist ein reiner Segen, wenn man sich mal wieder richtig trocknen kann. Seid 9 Wochen habe ich zum 1. male vergangene Nacht ohne Stiefel auf einer Matratze geschlafen. Schreibt mir doch mal, wie es Er. Tewesmeier geht? Ob Fr. Klemme verwundet ist oder nicht, weiß ich heute noch nicht bestimmt. Die Komp. werden immer des Nachts abgelöst & ist es sehr schwer, jemand vom anderen Batl. zu treffen. Wenn wir des Abends in die Gräben gehen, ist man bepackt bis zum umfallen, Stroh & Säcke schleppt man hauptsächlich mit. Einen dicken Sack ziehe ich mir immer über die Füße. Letztere sind nämlich der wunde Punkt am Körper, sie frieren immer mit großer Bosheit. Das kommt aber nur von der ewigen nässe. Es stürmt & regnet noch immer viel Na, man hat sich schon an so vieles gewöhnt, & wird sich auch hieran  gewöhnen. An das Liegen hat man sich so gewöhnt, daß man ganze Tage liegen kann, ohne aufzustehen. Höchstens, daß man sich mal die Füße warm trampelt. Wie ich Fritz schon vorgestern schrieb, bekam ich von 30. & Otto eine Karte. Sie liegen da, wo wir vor Wochen so heftig gestürmt haben. Sie hatten die Karte überschrieben mit "Erdhöhle Schloß Brake", & schrieben sehr vergnügt. Hanne fragt immer an, ob ich auch die Sendung vom Braker-Krieger- & Turnverein bekommen habe. Ich habe beides bekommen & mich sofort durch Karte bei der Gemeinde Brake bedankt. Von Herm. Brockmeier erhielt ich gestern abend einen Brief. Ernst wird sich wohl gewundert haben, keine Karte von mir zu bekommen. Sonst geht's mir gut. Herzl. Grüße an Fritz & Johanne & bleibe ich Dein tr. Sohn Paul." 

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Lippische Post - 17. November 1914

Bericht über die Bildung einer Jugendwehr in Brake 

Bericht


Paul Vietmeier an seine Mutter - 18. November 1914

"Buß & Bettag, 18/11. 1914. Liebste Mutter! Heute morgen erhielt ich Deinen lb. Brief vom 10. & Hannas Brief vom 8. & 1 Paket Tabak mit Streichhölzer, 1 Pack Keks & 1 kl. Schachtel Zigarren. Für alles herzl. Dank. Wir haben heute gerade Ruhetag im Dorf & hatten heute morgen Gottesidenst. Meinen ersten, den ich im Felde mitmachte. - Die halbzerschossene Kirche von Souchez war von den Pionieren festlich ausgeschmückt & Evang. Kath. & Juden, alles saß friedlich durcheinander. Die Predigt hielt ein kath. Pfarrer. Lobe den Herrn, den m. König der Ehren, spielte die Orgel zum Anfang & vor Ergriffenheit sang bei den mächtig zu Herzen gehenden Tönen fast niemand. Der Pfarrer hielt eine wunderbare, leider nur kurze Predigt & während wir still & andächtig lauschten krachten draußen einschlagende Granaten & während der Pastor von Buße & Heimat redete, wütete um uns der Kampf der Geschütze & das Pfeiffen der Kugeln ruhig weiter. Hier friedliche Stille & da draußen Tod & Verderben, kann es einem da wundern, wenn viele sich die Augen wischten & manch bärtig Antlitz verdächtig zuckte. Nun danket all Gott spielte Orgel & Reg. Kapelle zum Schluß & während die mächtigen Töne langsam verhalten traten wir ins Freie. Ein wunderbar trockener, klarer Herbsttag. Herz & Brust weitetn sich wieder & fröhlich & in Festtagsstimmung eilten wir unseren Quartieren zu. Ich liege mit meiner Gruppe in einem Zimmer ohne Tür & Fenster aber man freut sich doch, unter Dach & Fach zu schlafen. Schnell werden Kartoffeln gekocht, ich habe noch etwas Speck, das wir ausbraten, dazu Mehl & das schönste Menü ist fertig. Jetzt schmökt jeder sein Pfeifchen & trotz Buß- & Bettag wäscht der eine & der andere reinigt dies & jenes. Man muß es am eigenen Leibe bitter büßen, wenn man seine Sachen nicht in Ordnung hält. Heute bekommt jeder eine wollene Decke. Wenn nur das Wetter nicht allzu naß ist, so ist alles andere schon zu ertragen. Fr. Klemme ist noch gesund & munter & von Sig. Volland weiß ich leider nichts. Sonst gehts mir gut. Herzl. grüßt Dich Dein dankb. Sohn Paul."  

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Lippische Post - 19. November 1914

Militärische Vorbildung der Jugend 

Bericht


Paul Vietmeier an seinen Bruder Fritz - 20. November 1914

"20.11.1914. Mein lieber Fritz! Vorgestern schrieb ich Brief an Mutter, gestern Karte an Hanne & heute kommst du. Ich wiederhole dies immer, damit Ihr feststellen könnt, ob auch alles überkommt. - Gestern nachmittag schlief ich ein paar Stunden in eminer Höhle & als ich aufwachte, nichts als Schnee, blendend weißer Schnee. Gut 10cm hoch. Zum Glück fror es diese Nacht ziemlich stark & will hoffen, daß es noch weiter friert. Es mutet einem doch etwas eigentümlich an, wenn man aufwacht, sich den Schnee von Zeltbahne & Decke schütteln zu müssen. Aber 70 - 71 haben die Krieger es aushalten müssen & werden wir es auch aushalten. Heute morgen bin ich schon um 3 Uhr ins Dorf gegangen & habe mit Karl Höke & Heinr. Niebuhr heißen Kaffee getrunken. Hier im Schützengraben sitzt Eis drauf, wenn wir ihn bekommen. Daß ich diese Tage eine Karte von Ernst bekommen habe, schrieb ich wohl schon mal. - Um warme Füße zu bekommen, legen wir in dem Hohlwege, wo ich mit meiner Gruppe auf äußersten Vorposten liege, eine Schlinderbahn an & hindern uns nur die großen Nägel unter den Stiefeln, direkt bis zu den Franzosen zu schlindern. Sonst gehts mir gut. Mit Gott befohlen Dein tr. Bruder Paul Vietmeier" 

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Paul Vietmeier an seine Mutter - 21. November 1914

"21.11.1914. Liebste Mutter! 5 Uhr morgens. Wir sind um Mitternacht abgelöst worden & befinden uns auf dem Marsche. Wahrscheinlich weiter nach den rechten Flügel. Es ist trockenes Frostwetter. Wenn ich in den nächsten Ttagen keine Postsachen abgeben kann, wißt Ihr Bescheid. Sonst gehts gut. Dein tr. Sohn Paul."  

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Paul Vietmeier an seine Mutter - 22. November 1914

"Bei Lille! 22, 11.1914. Liebste Mutter! Im Geiste feiere ich heute Geburtstag mit Dir, gebe der Herr, daß wir nächstes Jahr alle gesund & munter miteinander feiern können. Zur Feier des Tages habe ich wenigstens heute ein schönes Quartier in einem franz. Bauernhause. Gestern morgen schrieb ich Dir eine Karte, die du wohl schnell bekommen wirst, sie wurde nämlich von einem Fürstl. Auto mitgenommen. Nach einem Marsch von 40 km kamen wir hier gestern abend an. Die Straßen waren sehr glatt & war schlecht gehen. Wir kommen hier wieder in Schützengräben. Du fragst an, wie es in den Schützengräben eigentlich ist? In die Schützengräben sind Unterstände eingebaut, wo 4 - 5 Mann drien liegen können. Allerdings wie die Heringe. Oder es macht sich der einzelne Mann ein kleine Erdhöhle, wo er hereinkriecht. Wenn die Gräben nicht zu naß sind, ist es man halb so schlimm. Die Unterstände & Höhlen werden mit Stroh belegt, wenn man eben was bekommen kann. Eine wollene Decke hat diese Tage jeder Mann bekommen. Ungefähr die Hälfte Zeit steht man auf Posten, während die anderen ruhen oder schlafen. Daß einem die Füße nicht frieren, kann man nicht verhindern, sonst habe ich nicht arg gefroren. Heute morgen hatten wir ungefähr 6 - 8 Grad Kälte. Hoffentlich bleibt es noch länger trockenes Frostwetter. Eben bekam ich deinen lb. Brief vom 16. & habe ich mich sehr gefreut, daß es Euch allen gut geht. Wie ich ja schon schrieb, habe ich die beiden großen Pakete schon zu meinem Geburtstage erhalten. - Heute ist Totensonntag & werdet Ihr in der Heimat wohl besonders an uns denken. Aber sei nicht bange liebe Mutter, der liebe Gott hatt's bis jetzt gut mit uns gemeint & wird's auch länger wohlmachen. Sonst gehts mir gut. 1000 herzl. Grüße Dein dankb. Sohn Paul. An Fritz & Hanne herzl. Grüße." 

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Lippische Post - 23. November 1914

Angebot zur Beschriftung von Feldpostsendungen 

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Paul Vietmeier an seinen Bruder Fritz - 24. November 1914

"24.11.1914. Mein lieber Fritz! Totensonntag schrieb ich Brief an Mutter, gestern Karte an Hanne & heute an Dich. Wir haben Gott sei Dank 4 Ruhetage. ich habe mit 2 Lemgoern & 1 Herforder eine kleine Bude mit Ofen & Matratzen & kochen & schlafen abwechselnd. Mein Befinden ist gut. Gestern sind wir schon mal wieder geimpft. es wird sich hier sehr häuslich eingerichtet & werden wir wohl Weihnachten hier feiern. Ha, wenn's uns man gut geht, ist's egal Dein tr. Br. Paul."  

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Paul Vietmeier an seine Mutter - 25. November 1914

"Radinghem, 25.11.1914. Liebste Mutter! Heute morgen erhielt ich Deine Karte vom 13. Ich habe mich sehr gefreut, daß es Euch allen noch gut geht & auch über die günstigen Nachrichten von Willi, Otto & Ernst. Strümpfe willst du mir vorläufig nicht mehr schicken, höchstens, wenn Ihr mir mal wieder ein größeres Paket schickt. Ich habe noch 4 Paar im Tornister & kann ich auch von den Liebesgaben welche bekommen. Wir liegen hier schon den 3. Tag & bleiben noch bis morgen abend hier. Man lebt ordentlich wieder auf, weil man so lange unter Dach u. Fach ist. das Feuer im Ofen lassen wir nicht ausgehen & kochen & braten nach Herzenslust. das heißt, die nötogen Zutaten dazu fehlen uns gänzlich. Aber es schmeckt uns herrlich. Wie geht es Ernst Tewesmeier? Sigward Volland & Fr. Klemme habe ich schon länger nicht mehr gesehen. Wenn wir Ruhetag haben liegen sie im Schützengraben & umgekehrt wir. Hier haben wir Engländer, Indier & sonstige Wilde uns gegenüber. Na, bange sind wir nicht & werden wir sie schon zahm kriegen. Gerade die farbigen Truppen unserer Gegner leiden sehr unter der Kälte. Augenblicklich taut es & ist es ein schmutziges, nebeliges Wetter. Die letzte Zeit habe ich täglich an Euch geschrieben & will hoffen, daß Ihr alles bekommt. Sonst geht's mir gut. In tr. Liebe Dein dankbarer Sohn Paul Herzl. Grüße an Fritz & Hanne, Freitags-Fritz, August & Luise." 

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Paul Vietmeier an seinen Bruder Fritz - 27. November 1914

"Geschrieben, den 27.11.1914 Mein lb. Fritz! Gesterm erhielt ich ein Paket mit Chco. & Keks vom 16. Besten Dank. Daß Sigward Volland verwundet ist, wußte ich garnicht. Mit Fr. Klemme schrieb ich ja gleich hinterher, daß es nicht an dem sei. Schickt mir bitte ein derbes Taschenmesser mit & auch etwas Kreme für spröde & rissige Lippen. Gestern abend sind wir wieder in den Schützengraben gezogen & bleiben 8 Tage drin. Heute ist ein wunderschöner sonniger Tag, letzte Nacht regnete es stark. Das Wetter wechselt beständig. Im Durchschnitt war es im November sehr schlecht. Sonst gehts gut. 1000 Grüße Dein Paul Vietmeier."  

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Paul Vietmeier an seine Mutter - 28. November 1914

"Villa uralter lipp. Krieger, 28/11. 1914 Liebste Mutter! Heute morgen bekam ich Brief von Fritz vom 17. & deine lb. Karte vom 19. Ich habe mich sehr gefreut, daß es Euch allen gut geht & besonders, daß das Geschäft gut geht. Hoffentlich bleibt Fritz zu Hause & wenn Gott will, können wir beide in nicht allzuferner Zeit wieder zusammen arbeiten. Ein bischen vernünftiger soll ich dann wohl geworden sein. In der lb. heimat denken sie doch alle an einen. Diese Tage bekam ich Zigarren vom Werkmeister T. Krüger, Gastwirt Rehme von der Landwehr & vom Männergesangverein. Außerdem 1 Stück Schinken & Mettwurst von herm. Volland & tee & Zucker von Carola. 3 Lemgoer, 1 Rischenauer, 1 Schötmarer, 1 Hesse & ich haben uns eine schöne warme Winterhöhle gebaut. Wir liegen immer sehr lange Zeit darin & haben uns häuslich eingerichtet. Wir können uns Essen & Kaffee warm machen & auch Kaffee & Bouillon kochen. Die Bouillon-Würfel sind sehr praktisch. Das Essen, welches wir stundenweit holen müssen, ist doch, wenn es im Schützengraben ist, eiskalt & bekommt es jetzt aufgewärmt 10 mal besser als früher kalt. Ich glaube sogar, daß ich doie letzte Zeit wieder zugenommen habe. Die Nächte stehen wir fast immer mit geringen Pausen auf Posten & schlafen dann des Vormittags. Wir sind hier erst den 2. Tag im Schützengraben & haben wir erst noch viel zu tun, um alles ordentlich einzurichten. Mit Spaten & Zinckn lernt man hier umzugehen. Wenn Ihr die meilenlangen gewaltigen Gräben & Erdarbeiten sehen könntet, Ihr würdet auf den Rücken fallen. - Soeben besucht mich Ernst Tracht vom 2. Batl. Der Bengel ist gesund & munter & sieht sehr gut aus & hat noch großen Mut. Er läßt herzl. Grüßen. - Es ist mir schon aufgefallen, daß Ihr nie von Bekannten aus dem Dorfe schreibt, ob sie verwundet oder gefallen sind?, was machen z. B. die 4 Kochs? Sonst geht's mir gut. Die letzte Zeit habe ich täglich geschrieben. In tr. Liebe dein dankb. Sohn Paul." 

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Lippische Post - 30. November 1914

Soldaten kommen nach Lemgo 

Bericht


Paul Vietmeier an seinen Bruder Fritz - 30. November 1914

"Im Schützengraben! 30.11.1914. Mein lb. Fritz! Gestern abend brausten von links gewaltige Hurras heran & gleichzeitig kam das Feuer der Engländer immer näher. Meilenweit links von uns hatten die Truppen die Nachricht erhalten, daß die Russen geschlagen sein & ungeheuer viel Gefangen sein. Sie begrüßten es mit Hurra & in wenigen Augenblicken war die Nachricht bei uns & ging weiter. Bei den Hurras glaubten die Engländer wohl, sie werden angegriffen & feuerten furchtbar & so kam es, daß Hurras & feindl. Feuer auf der ganzen Linie zusammen weitergingen. Einzelheiten von dem Siege wissen wir natürlich noch nicht. Heute bin ich wieder 4 Monate Soldat. Gleich werden wir abgelöst & regnet es gerade tüchtig. Sonst geht's gut. Dein tr. Br. Paul Vietmeier."  

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Paul Vietmeier an seine Mutter - 1. Dezember 1914

"1.Dezbr.1914. Liebste Mutter! Gestern abend erhielt ich Hannas lb. Karte vom 21.11. Kopfschützer & Schal erhielt ich schon vor einigen Tagen, ich glaube, ich schrieb es schon mal. Ich schreibe täglich & gebe dann immer gleich an, was ich bekommen habe. Wie ich aus Euren Briefen sehe, bekommt Ihr meine Postsachen immer durcheinander & wohl auch nicht alles. Wenn wir im Schützengraben sind, müssen wir sehen, wie wir die Sachen los werden & mag dann auch mal was verklüngelt werden. - Ihr denkt vielleicht, wir säßen wie die Mäuse im Loch in unsern Schützengräben & hätten nichts zu tun. Erstens müssen wir des nachts mit einer Ablösung auf Posten stehen, also jedesmal 2 Stunden Posten & dann 2 Stunde Ruhe. Posten stehen wir in der Zeit von 6 Uhr abends bis 8 Uhr morgens, die übrige Zeit beobachtet von jeder Gruppe nur einer. Außerdem liegen wir nur immer eine bestimmte Zeit in einem Schützengraben. Kaum sind wir drin, so bauen wir 100m weiter den nächsten. Es werden Laufgräben vorgetrieben & dann wird der neue Graben in Angriff genommen. Erst wird nur des Nachts gearbeitet, sobald wir Deckung haben, also tief genug in der Erde sind, auch am Tage. Damit wir ungesehen & ohne Verluste in unsere Schützengräben kommen, werden lange Laufgräben nach rückwärts angelegt. Hier, wo wir jetzt sind, laufen wir 3/4 Stunden im Laufgraben, ehe wir in unsere Stellung kommen. Wenn es viel regnet müssen die Gräben ununterbrochen gereinigt werden & auch an vielen Stellen Wasser schöpfen. Machten wir an den Gräben nichts, so würden sie in wenigen Tagen ganz voll Wasser laufen. Gestern abend kamen wir für 2 tage in Reserve direkt hinter die Schützenlinien. Beim Ablösen brach im Laufgraben ein[e] Quelle aus und ein paar Minuten später ging das Wasser schon bis über die Knie. Solche Stellen werden abgedämmt & Umgehungsgräben gebaut. Ihr seht also, daß wir immer Bewegung haben & meistens viel schlimmer aussehen, wie Schweine. Wir liegen hier mit 175 Mann 2 Tage auf einem halbzerschossenen Bauernhofe. Am tage dürfen wir uns draußen nicht sehen lassen & des Nachts kein Licht machen. Feuer darf ebenfalls nicht angezündet werden. Würden wir von den Engländern hier entdeckt, in wenigen Minuten hätten wir das schönste Granatfeuer. Weit vor & hinter unserer Linie ist kein Haus heil, fast alles Trümmer & Schutthaufen. Oft liegt in den Ställen noch das von den Granaten getötete oder verhungerte Vieh. Zivilbevölkerung sieht man nicht - des Nachts steigen wir aus unsern Löchern & Betten, Stühle, Geschirr, Öfen & wer weiß was alles wandert in den Schützengraben. Wenn wir auch oft tagelang nicht trocken werden, Spaß haben wir trotzdem viel oder wir machen uns welchen. Ich bin immer mit denselben Kameraden zusammen & hilft einer den andern. Ich bin die letzte Zeit trotz des sehr schlechten Wetters, sehr gut zufrieden. An Fritz & Hanne herzl. Grüße & bleibe ich dein tr & dankb. Sohn Paul Vietmeier. Beste Grüße an Freitags Fritz, August & Luise. Luise & Kirchhofs Minna danke ich auch noch für ihre Geburtstagsgratulation. Bestellt den beiden das bitte." 

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Lippische Post - 2. Dezember 1914

"Kläschen" im ersten Kriegsjahr 

Bericht


Paul Vietmeier an seine Mutter - 3. Dezember 1914

"3. Dezember 1914. Liebste Mutter! Gestern schickte ich etwas Geld an deine Adresse ab. Man weiß nicht, was man hier mit Geld machen soll. Heute morgen regnet es mal wieder sehr gründlich. Glücklicherweise habe ich eine schöne wasserdichte Höhle & geht man nur heraus, wenn man Posten stehen muß. Post haben wir heute noch nicht erhalten. gestern schrieb ich an Fritz. Sonst geht's gut. Herzl. Grüße dein tr. & dankb. Sohn Paul."  

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Lippische Post - 3. Dezember 1914

Militärische Vorbereitung der Jugend 

Bericht


Paul Vietmeier an seine Mutter - 4. Dezember 1914

"4.12.1914. Meine liebste Mutter! Letzte Nacht erhielt ich die seidene Weste von Ernst & Linnekogel mit deinen lb. Brief. Die Sachen sind oft sehr lange unterwegs, kommen aber doch jetzt fast alle an. ich habe die Weste gleich angezogen, auch den Schal binde ich des Nachts um. Wenn es eben geht, ziehe ich Mantel u.s.w. am Tage aus, die Sachen wärmen dann des Nachts noch mal so gut. Die Nächte sind jetzt meist trocken & klar, am Tage regnet es allerdings öfter. Wir kriechen dann aus unsern Höhlen nicht heraus. Morgen kommt Brief. Dein tr. Sohn Paul Viet-" 

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Lippische Post - 4. Dezember 1914

Aufruf zur Sparsamkeit beim Brotverzehr und zum Kauf des Kriegsbrotes 

Aufruf


Paul Vietmeier an seine Mutter - 5. Dezember 1914

"Radinghem, 5. Dezbr. 1914. Liebste Mutter! Heute morgen erhielt ich 2 Pakate von Dir & zwar vom 21.11.1914 mit Hemd & Zunge & Tee. Meinen allerherzlichsten Dank dafür. Vorgestern erhielt ich von Auguste aus Niese ein paket mit Plätzen & heute morgen von Herrn Puls aus F. u. F. W. Eggertmann ein Paket mit Kaffee, Zigarren & Cigaretten. Von Martha aus Lippstadt auch Cigaretten. Ich bin immer mit unsreren guten Kameraden zusammen, auch im Schützengraben. Was der eine nicht hat, hat der andere & helfen wir uns gegenseitig getreulich aus. Es ist uns jetzt erlaubt, im Schützengraben zu kochen. Letzteres ist sehr viel wert, wir können uns doch wneigstens Kaffee, Tee & auch Kartoffel kochen. heißer Kaffee oder Tee bekommt einen wundervoll. Des Morgens um 5 Uhr haben wir uns Wasser für den ganzen Tag & kochen dann gleich Kaffee. Wenn es dann hell wird, können wir wenigstens was heißes trinken & schlafen dann meistens bis mittag. Ich besorge meistens Kaffee, Zucker & was wir sonst kriegen können von den Feldküchen. Heinr. Niebuhr, der bei der Feldküche der 9. Komp. ist, ebenso Karl Höke, mein Mitkonfirmand, helfen mich zu manchen Sachen, die wir sonst nicht bekommen würden. Mit Kochen & braten dagegen kann ich mich gar nicht befreunden, meistens höre ich schon beim Feueranmachen wieder auf. Einige dagegen kochen tadellos & ergänzen wir uns gegenseitig. Holz & Wasser müssen wir uns aber oft stundenweit holen & dann auch bei Nacht. Diese Expeditionen leite ich gewöhnlich, da ich bei dunkeln mich überall zurecht finde & auch des Nachmittags, wenn es das Wetter eben erlaubt, in den benachbarten Gräben & wo ich gedeckt hinkommen kann, spazieren gehe & darum immer sehr gut bescheid weiß. Seid den Frosttagen habe ich immer gewaltigen Appetit & habe auch schon etwas zugenommen. Es passiert leider auch mal, das man den Mund an Zinn hängen muß, na, dann essen wir nachher desto mehr. Strümpfe & Hemde[n] wollt Ihr mir vorläufig nicht mehr schicken, lieber etwas zu essen. Verluste haben wir in der Komp. in den letzten Wochen Gott sei Dank nicht viel gehabt. in den letzten 8 Tagen 3 Mann, davon leider 2 tot. Sonst geht's mir gut. Mit herzl. Grüßen Dein dankb. Sohn Paul." 

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Paul Vietmeier an seinen Bruder Fritz - 6. Dezember 1914

"6.12.1914. Mein lb. Fritz ! Postsachen erhielt ich heute noch nicht & gestern schrieb ich Mutter Brief. Wir haben ausgenblicklich 4 Ruhetage & werden heute zum 3. male im Felde geimpft. Grade habe ich mich gewogen. ich wiege mit langen Stiefeln 143 Pfund. habe also ungefähr 10 Pfund gegen früher abgenommen. Wahrscheinlich kommen wir hier in der nächsten Zeit wieder weg, wohin natürlich nicht bekannt. Nordfrankreich lernen wir auf diese art & weise mittlerweile kennen. Sonst wüßte ich nichts zu schreiben. Herzl. Grüße Dein tr. Br. Paul." 

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Paul Vietmeier an seinen Bruder Fritz - 8. Dezember 1914

"8.12.1914. Mein lieber Fritz! Gestern abend erhielt ich ein Paket mit Speck vom 26.11. Neuere Sachen erhielt ich noch nicht. Heute abend rücken wir erst mal wieder 8 tage in den Schützengraben. Wenn wir hierbleiben & weiter so abgelöst werden, wie bisher, so feiern wir Weihnachten im Schützengraben. Legt in die kleinen Pakete wenn es eben geht, immer etwas von einer Kerze bei, es ist nichts, wenn man immer im dunkeln essen & trinken muß. Die letzten Tage hat es mit großer Ausdauer geregnet. Hoffentlich hört es bald auf. Im Schützengraben zu baden, macht um diese Jahreszeit keinen Spaß. Sonst bin ich gut zufrieden & auch bei guter Stimmung. Herzl. Grüße an Mutter & Hanne & bleibe ich Dein tr. Br. Paul" 

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Paul Vietmeier an seine Mutter - 9. Dezember 1914

"9.12.1914. Liebste Mutter! Besten Dank für Hannes Karte vom 26. Sind gestern abend wieder in Stellung gerückt & regnet es ganz niederträchtig. Letzte Nacht stürzte mir meine Höhlung ein, ich war glücklicherweise nicht drin, & hatte ich 4 Stunden was zu tun, um Tornister, Gewehr & andere Sachen wieder auszugraben. Na, es ist mal etwas anderes. Heute morgen habe ich die Kaffee-Würfel mal probiert, schmecken ganz gut & könnt Ihr mir mal wieder welche mitschicken, ebenso Bouil.-Würfel. Das Weihnachten schon so nahe ist, glaubt man hier kaum. Sonst geht's mir gut. Herzl. Grüße an Fritz, Hanne & alle Bekannte & bleibe ich Dein tr. Sohn Paul Vietmeier" 

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Paul Vietmeier an seine Mutter - 10. Dezember 1914

"Im Schützengraben, 10.12.1914. Liebste Mutter! Schier märchenhaft kommt einem vor, daß in wenigen Tagen Weihnachten sein soll, im Schützengraben sieht es nämlich garnicht weihnachtlich aus. Und doch kommt mir in den langen, dunklen Regennächten immer wieder der Jubelgesang ins Gedächtnis, den ich so oft in der Frühkirche bei uns am Weihnachtsmorgen gesungen habe, nämlich: Vom Himmel hoch da komm ich, und bring Euch gute, neue Mär. Ich glaube, es kommt mir dies Lied immer in den Sinn, nur weil man so fest von unsern endgültigen Sieg überzeugt ist. Und wenn wir auch nicht singen können, "Frieden auf Erden", so wollen wir hier doch Weihnachten feiern, sei es im Schützengraben, sei es sonstwo & wenn es nötig ist, tun wir auch unsere eiserne blutige Pflicht an diesem Tage. Wünschen tue ich dir, liebste Mutter, Fritz & Hanne eine gesegnete Weihnacht & Erfüllung deiner & unserer Wünsche, nämlich: daß wir nächsten Weihnachten wieder treulich zusammen feiern. Mir geht's sonst gut. Mit herzl. Weihnachtsgrüßen bleibe ich Dein tr. & dankb. Sohn Paul." 

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Lippische Post - 11. Dezember 1914

Übungsschießen der "67er" 

Ankündigung


Paul Vietmeier an seinen Bruder Fritz - 12. Dezember 1914

"Geschrieben, den 12.12.1914. Mein lb. Fritz! Gestern nacht bekam ich ein Paket vom 2. mit Leberpastete von Euch, besten Dank. Die 5 Paekte, wo Hanne von schrieb, habe ich erhalten. es regnet ganz entsetzlich in den letzten Tagen, bin aber gesund & munter. Was macht das geschäft? & wirst du wohl noch eingezogen? 1000 herzl. Weihnachtsgrüße Dein tr. Br. Paul." 

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Paul Vietmeier an seine Mutter - 14. Dezember 1914

"14.12.1914. Liebste Mutter! Postsachen erhielten wir heute noch nicht & werde ich wohl nächstens mal wieder eine Menge auf einmal erhalten. Letzte Nacht regnete es wieder sehr ausdauernd. Noch 2 Nächte, dann haben wir erst mal wieder 4 Tage Ruhe & kommt dann ja wohl mal Frostwetter. Kampmeier & Steffen, die damals vor Reims verwundet waren, sind jetzt wieder bei der Komapgnie. Kürzlich schrieb ich dir schon mal einen Weihnachtsbrief. Ich wiederhole aber nochmals meine Wünsche & hoffentlich gehen die deinen in Erfüllung. heute sind die Engländer sehr lebhaft & lassen uns wenig Ruhe. Sie werden sich in den nächsten Nächten wohl mal den Kopf einrennen. Sonst geht's mir gut. 1000 herzl. Weihnachtsgrüße Dein tr. & dankb. Sohn Paul." 

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Lippische Post - 15. Dezember 1914

"Weihnachts-Geschenke für die tapferen Soldaten" 

Geschäftsanzeige


Paul Vietmeier an seine Mutter - 16. Dezember 1914

"Den 8. Tag im Schützengraben, 16.12.14. Liebste Mutter! Gestern habe ich nicht geschrieben. Letzte Nacht bekam ich Deinen lb. Brief vom 3. Fritz seine Karte vom 7. & außerdem 2 Karten von hanne & 1 Paket vom 5. mit Wurst & Speck. Also alles auf einmal & habe ich vor Freude fast nicht schlafen können. Am meisten habe ich mich über die Karte mit Eurem lb. Bilde gefreut. Ich danke Euch alle herzl. dafür Von Willi & Otto erhielt ich auch eine Karte vom 3. & ging es denn auch gut. Heute abend werden wir, nachdem wir 8 Tage im Schützengraben gelegen haben, wahrscheinlich abgelöst & kommen 4 Tage in Reserve. Hoffentlich lassen sie uns diese 4 Tage in Ruhe & alarmieren uns nicht zuviel. Die beiden letzten Nächte war es ziemlich Wetter [?], sonst hat es mit einer Ausdauer geregnet, wie ich es im Kriege noch nicht erlebt habe. Vor Dreck kommt man bald nicht mehr von der Stelle. Bis an das Koppel ist man mit einer fingerdicken Lehmschicht bedeckt, was besonders, wenn es dann wieder naß wird, eine herrliche Sache ist. Aber wir halten es aus & werden es auch noch länger aushalten. Daß es im hasue alles seinen alten Gang geht & Ihr viel zu tun habt, freut mich sehr. Mach dir nur nicht zu viel Sorge um mich, ich schlage mich schon treu & brav durch & vertraue auf unsere gerechte Sache. Wenn Ihr diesen Brief bekommt, werdet Ihr wohl Weihnachten feiern oder schon gefeiert haben & wünsche ich jetzt schon ein glückliches, friedliches neues Jahr. Gebe Gott, daß der Krieg nicht mehr zu lange dauert & er nicht mehr zuviel Opfer kostet. Nun bleibe ich mit herzl. Weihnachtsgrüßen Dein tr. & dankb. Sohn Paul Vietmeier. An Fritz & Hanne herzl. Grüße & auch an alle Bekannte." 

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Lippische Post - 17. Dezember 1914

Entwicklung der Lemgoer Jugendwehr 

Bericht


Paul Vietmeier an seinen Bruder Fritz - 18. Dezember 1914

"Geschrieben, den 18.12.1914. Mein lb. Fritz! Nochmals herzl. Dank für Deinen lb. Brief & will ich hofen, daß der gewaltige Krieg nicht mehr zu lange dauert. Wie ich gestern hörte, ist Alb. Seuke ein Arm abgenommen worden, es tut mir sehr leid. Der Krieg fordert doch viele Opfer. Uns hier kommt das allerdings kaum zum Bewußtsein. Sonst geht's mir gut. Dein tr. Br. Paul." 

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Paul Vietmeier an seine Mutter - 19. Dezember 1914

"19.12.1914. Liebste Mutter! Heute empfing ich Deine Karte vom 11. & 1 Paket vom 5. & eins vom 7. Außerdem empfing ich mindestens noch 15 Karten & Briefe & auch noch Pakete. ich weiß nicht, wo ich zuerst & zuletzt hinschreiben soll. Es ist schade, daß man jetzt alles so auf'n mal bekommt, ich habe diese Tage schon gegessen & geraucht, daß es mir bald zuviel wird. Aber man muß es. Bis zum Schützengraben muß man von hier 2 Stunden laufen & dann kommt noch der Henkersweg durch den Laufgraben, wo einen der Lehmdreck oben in die Stiefel läuft. Wäsche & Strümpfe kann man nicht entbehren & so muß man also möglichst schnell die anderen Sachen vertilgen.Durch das lb. Weihnachtsfest kommt jetzt viel auf den Haufen, sonst bin ich nämlich sehr gut mit den Sachen fertig geworden. Tabak habe ich noch viel im Tornister & braucht Ihr mir in den nächsten 4 Wochen keinen zu schicken. Ich freue mich aber riesig, daß alle an mich denken. Gestern abend leiteten die Engländer & Franzosen mit einem entsetzlichen Geschützfeuer auf der ganzen Linie für einen Durchbruchsversuch ein. Sie wurden unter gewaltigen Verlusten zurückgeschlagen & haben wir auch eine Menge Gefangene gemacht. Unser Batl. blieb in Reserve. unsere Verluste sollen nur ganz gering sein. Wie ich gerade höre, ist eine 2stündige Waffenruhe, damit unser Gegner seine Toten beerdigen kann. Nichts ist wiederlicher, als wenn man am Tage die Leichen direkt vor einen liegen sieht & des Nachts über die Toten fällt oder auch mal dazischen auf Patrouillie liegt. Besonders, wenn die Leichen schon 6 - 8 Wochen liegen, was ich schon an mehreren Stellen erlebt habe. Die Weihnachtstage werde ich wohl bestimmt im Schützengraben zubringen. Aber feiern werden wir doch & wenn auch nur in Gedanken mit Euch. Sobald wir dann wieder in Ruhe kommen, haben wir natürlich auch eine Weihnachtsfeier inder Komp. Mit herzl. Weihnachtsgrüßen & Wünschen zum neuen Jahre bleibe ich dein dankb. Sohn Paul." 

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Paul Vietmeier an seine Mutter - 21. Dezember 1914

"21.12.1914. Liebste Mutter! Nachdem ich am Sonnabend schon einen großen Teil kleine Weihnachtspakete aus aller Welt erhalten hatte, bekam ich gegen abend noch 2 große wunderbare Pakete von Carola & von Bimdl [?]. Doch zum Glück war Euer Weihnachtspekt noch nicht dabei. Denn in der Nacht wurden wir alarmiert & was man nicht schnell einpacken konnte, mußte leigen bleiben. Ich habe aber so ziemlich alles mitbekommen. Wir kamen nach La-Bassée, wo Ihr wohl schon öfter von gelesen habt. Wir glaubten sofort ins Gefecht zu kommen, doch wir hatten Glück & blieben am bahnhof liegen & mußten Gefangene bewachen. Wir hatten die reinste Völkerschau. Inder von 3 verschiedenen Stämmen & Engländer, ungefähr 400 Mann. Unter den Indern wahren wunderbar stolze Gestalten & freuten sich die meisten, daß sie bei uns wahren. Dagegen sind die Hindu klein & häßlich & konnten die meisten vor Kraft kaum gehen. Es ist doch kaum zu zu glauben, mit was für Rassen sich die Deutschen herumschlagen müssen. Die Engl. sind aber überall gestern zurückgedrängt & haben eine Menge Maschinengewehre verloren. Wann wir eingreifen müssen, weiß ich nicht, vielleicht kommen wir wieder an unsere alten Plätze. An Johanne schrieb ich gestern eine sehr kurze Karte. Sonst geht's mir gut. Gott befohlen Dein tr. Sohn Paul" 

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Lippische Post - 22. Dezember 1914

Tannenbäumchen für die Krieger im Feld 

Geschäftsanzeige


Paul Vietmeier an seinen Bruder Fritz - 23. Dezember 1914

"23.12.14. Geschrieben in der dreckigsten Stellung, die ich bis jetzt gehabt habe. Lieber Fritz ! Am 20. schrieb ich an Hanne & am 21. an Mutter. ihr werdet schon daraus gesehen haben, daß uns irgendwas blühte & richtig. Am 21. nachmittags stürmte die 2. Brigade & wir wurden zur Verstärkung herangezogen. Wir mußten ungefähr 1 1/2 Stunden im Laufgraben marschieren & bin ich noch nie so dreckig & naß geworden, wie hierbei das Wasser gung und stellenweise bis an die Hüften & trotzdem ich die Beine bis an den Teil, wo man auch zu sitzen pflegt, mit Tuch bewickelt hatte, drang noch Wasser & Lehm genug durch, um alles vollständig zu durchnässen. Dabei wurden wir derart unter Feuer genommen, daß wir öfter von Lehm & Dreckmassen zu Boden geschleudert wurden. Es war ein ununterbrochenes Krachen & Sausen von den einschlagenden Granaten & Schrapnells. Gott sei dank ist mein Zug ohne einen Mann zu verlieren, hindurch gekommen. Man sollte wirklich an Wunder glauben. Die Nacht auf den 22. haben wir alle in einen Flankengraben auf Posten gestanden & auch die 2. nacht ging es uns nicht besser. Höhlen & Unterstände sind nicht da & weil wir dauernd unter Feuer sind, können wir schlecht welche bauen. Man lernt im Stehen zu schlafen. Gestern abend solte ich Essen für meine Gruppe, wo ich gerade 4 Stunden zu gebrauchte. Dann ist das Essen kalt & die Geschirre sind halb voll Lehm. Vielleicht werden wir heute abend abgelöst. ich kann Gott nicht genug danken, das ich so eine eiserne Natur haben, es ist gerade so, je schlechter es einem geht, je wiederstandsfähiger wird man. Post haben wir seid dem 19. nicht mehr bekommen. Euch einen besonderen Glückwunschbrief zum neuen Jahre zu schreiben bin ich nicht imstande & wünsche Euch so alles gute. Dein tr. Br. Paul." 

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Paul Vietmeier an seine Mutter - 24. Dezember 1914

"24.12.14. Um 4 Uhr nachmittags! Liebste Mutter! Gestern schrieb ich Brief an Fritz. Post von Euch empfing ich seid dem 19. nicht mehr, oder besser gesagt, wir haben seid der Zeit keine mehr bekommen. Abgelöst sind wir leider nicht & feiern also Weihnachten im Schützengraben. bei Euch wird jetzt vom Turm geblasen & die Lichterkirchen fangen an & hier hasuen die Granaten & Gewehrkugeln herum, daß es eine Freude ist. Wenigstens das Wetter ist heute gut geworden & sind wir damit schon zufrieden. Sonst gehts mir gut. Gott befohlen. Dein tr. Sohn Paul"  

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Paul Vietmeier an seine Mutter - 26. Dezember 1914

"Am 2. Weihnachtstage geschr. Liebste Mutter! Gestern schrieb ich Brief an Hanne &  bekam Brief von Dir vom 13. & ein Paket mit Butter & Speck. Herzl. Dank. Ich freue mich sehr, daß wir Weihnachten noch etwas Ruhe haben, leider bekommen wir hier unsere großen Weihnachtspakete nicht. Aber ich habe doch wenigstens ein dach überm Kopf & können Kaffee, tee & Kakao trinken soviel wir wollen. Von Ernst bekam ich eine Karte vom 14. Es ging ihm gut. Mir selbst geht's gut. Mit herzl. Wünschen zum neuen Jahre Dein dankb. Sohn Paul." 

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Paul Vietmeier an seinen Bruder Fritz - 26. Dezember 1914

"2. Weihnachtstag. Lieber Fritz! Gerade habe ich eine Karte an Mutter geschrieben & da trifft die Post ein. Ich bekam von Euch 5 kleine Pakete mit Speck, Wurst, Plätzen, Chocolade, Taschenmesser & anderes. Außerdem noch 1 Karte von Mutter & Insektenzuver. Auf letzteren war aber für Ernst geschrieben. Außerdem nach 1 Paket von Walter, Frl. Carola, H. Twisel & noch 3 von früheren Bekannten &-innen. Zum Glück habe ich Euer großes Weihnachtspaket noch nicht erhalten & habe die Freude noch vor mir, hoffentlich bleibe ich noch länger auf Wache, damit ich in Ruhe die Herrlichkeiten verzehre. Für alles herzl. Dank. Dein tr. Br. Paul." 

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Paul Vietmeier an seinen Burder Walter - 27. Dezember 1914

"27.12.14. Mein lb. Walter ! Meinen herzl. Dank für die 3 Pakete, die ich schnell bekommen habe. Wir haben sehr schlechte Tage hinter uns. Ich hatte aber Glück & kam am 1. Weihnachtstag auf Wache nach La-Bassee, wo ich jetzt noch bin. Gesund & munter bin ich Gottsei Dank auch & in den letzten Gefechten heil & unverletzt geblieben. Willi Carrels, der älteste Sohn von Mauren C. aus Brake ist am Heiligenabend schwer verwundet worden. An einem slochen Tage besonders traurig. Zum neuen Jahre wünsche ich Dir alles Gute & bleibe Dein tr. Bruder Paul Vietm."

 

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Lippische Post - 28. Dezember 1914

Weihnachtsfeier der "67er" 

Bericht


Paul Vietmeier an seinen Bruder Fritz - 30. Dezember 1914

"30.12.1914. Mein lb. Fritz! Ich war nochmal hier einen Tag im Schützengraben, ich war schon in ziemlich tiefen Dreck & Wasser, aber hier spottete es aller Beschreibung. Heute abend geht es wieder fort von hier nach unserer alten Stellung. Wir haben erst noch ein paar Ruhetage & Weihnachtsfeier. Hoffentlich bekomme ich dann Euer großes Weihnachtspaket. Morgen Brief an Mutter! Sonst geht's mir gut. Gott befohlen Dein Paul Vietm." 

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Paul Vietmeier an seinen Bruder Fritz - 30. Dezember 1914

"30.12.1914. Mein lb. Fritz! Ich war nochmal hier einen Tag im Schützengraben, ich war schon in ziemlich tiefen Dreck & Wasser, aber hier spottete es aller Beschreibung. Heute abend geht es wieder fort von hier nach unserer alten Stellung. Wir haben erst noch ein paar Ruhetage & Weihnachtsfeier. Hoffentlich bekomme ich dann Euer großes Weihnachtspaket. Morgen Brief an Mutter! Sonst geht's mir gut. Gott befohlen Dein Paul Vietm." 

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Paul Vietmeier an seine Mutter - 31. Dezember 1914

"In der Nacht auf den 31. geschr. Liebste Mutter! Heute sind wir glücklich von La-Bassee wegmarschiert & befinden uns wieder in unserer alten Stellung. An Orten, die jeden Tag in der Zeitung stehen, ist doch der Teufel los & freue ich mich, dort weggekommen zu sein. Der schlimmste Feind war dort Wasser & Dreck. Noch gestern abend ließen 5 Mann von meiner Komp. ihre Steifel im Schlamm stecken & zogen Barfuß hinterdrein. Es war unmöglich, die losen Stiefel aus dem Schlamm zu kriegen. Wir haben jetzt Ruhetag & wenn wir nicht alarmiert werden, feiern wir Weihnachten & Sylvester zusammen. Heute bekam ich Deinen lb. Brief vom 24. Deine Karte v. 18. & Brief vom Johanne vom 15. & 2 Pakete mit Rum & Kaffeewürfel u.s.w. Außerdem 2 Karten von Willi & otto & endlich Euer großes Weihnachtspaket. Letzterer habe ich noch nicht geöffnet, da wir bei Nacht leicht alarmiert werden können & dann das ganze Zeug herumliegt & man keine Zeit zum einpacken mehr hat. Aber für alles besten Dank. Wolle Gott, daß das neue Jahr bald einen recht dauernden & ruhmreichen Frieden bringt. Wir selbst haben es hier ka wohl schlechter wie Ihr in der Heimat, aber wir brauchen uns doch wenigstens keine Sorge um Euch machen & um sich selbst ist man gerade nicht sehr besorgt. Einen Tag leben wir gut, andern Tag essen wir troken Brod & trinken Wasser & je schlechter es einem geht desto lustiger wird man. Einer findet sich immer, der etwas zum Aufheitern weiß & ich selbst habe auch immer Humor. Gestern nachmittag haben wir zum Beispiel im tiefsten Dreck im Schützengraben, darunter ein Hofschauspieler barfuß, die schönsten Lieder gesungen & die Granaten gaben den Takt an. Sobald ich kann, schreibe ich mehr. Und nun Gott befohlen & ein glückliches & neues Jahr. Dein tr. & dankb. Sohn Paul Vietmeier" 

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Paul Vietmeier an seinen Bruder Fritz - 1. Januar 1915

"1. Jan. 1914. Mein lb. Fritz! Eben habe ich 20 Mk an Mutter geschickt, man weiß ja doch nicht, was man hier mit dem Gelde anfangen soll. Denkt an meine Lebensversicherung. Eben erzählt mir Ilert von 10/53 daß W. Carrels noch leben soll, dabei habe ich mich noch zur Vorsicht vor ein paar Tagen bei dem Feldw[ebel] der 10/55 erkundigt, ehe ich schrieb, daß er Tod sein sollte. Was nun wahr ist, weiß ich nicht, hoffen wir das Beste. F. Niebuhr läßt herzl. grüßen. Gott befohlen Dein tr. Br. Paul" 

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Paul Vietmeier an seine Mutter - 1. Januar 1915

"Touernes, den 1. Jan. 1915. Liebste Mutter! Gestern abend hatten wir unsere Weihnachtsfeier. Unter strahlenden Lichterbaum bekam ich das eiserne Kreuz. Der Abend wird mir unvergeßlich bleiben. Wir hatten einen schönen großen Saal festlich geschmückt & spielte bei uns ein Teil der Regimentskapelle. Erst war die Feier ernst aber allmählich wurden wir bei Wein, Glühwein & Bier warm & mit brausenden Hurra & Deutschland, Deutschl. über Alles ging es in das neue Jahr. Aber was wird es uns bringen? Heute morgen war ich zur Kirche & hielt der Pfarrer eine sehr schöne Predigt. Wir wollen auf Gott vertrauen & uns in seinen Willen fügen. Hoffen wir, daß es siegreich wie das vergangene bleibt & wir darin einen ruhmreichen Frieden schließen. Heute abend kommen wir wieder 8 Tage in den Schützengraben. Na, wir können es ja & werden die Zeit schon herumkriegen. Sonst bin ich gesund & munter. Die ersten herzl. Grüße aus dem neuen Jahr sendet Dir Dein tr. & dankb. Sohn Paul." 

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Paul Vietmeier an seine Mutter - 4. Januar 1915

"Im Schützengraben, 4.1.1915. Liebste Mutter! Gestern, den 1. Sonntag im neuen Jahre habe ich mal nicht geschrieben. Es regnete nur einmal am Tage & tut es auch jetzt noch. [...] es ziemlich dunkel & werde ich wohl an den Linien vorbeischreiben. Letzte Nacht bekam ich Deinen lb. Brief vom 27. & Hanne ihren vom 28. Außerdem 2 Pakete mit Wurst, 1 mit Chocolade & Rum & Zigaretten von 10. Kaufm[...] Außerdem bekam ich noch mehrere Karten & Briefe. Ich war gerade von Posten abgelöst & habe mit Ruhe Eure Briefe gelesen & auch gleich tüchtig gefrühstückt. Du glaubst garnicht, was es für eine große Fruede ist, wenn man von den Lieben Nachricht erhält. Das Walter nach Sievert & Theopold kommt, freut mich sehr. Hoffentlich futtert er sich den [Bauch?] mal tüchtig heraus. Heute morgen habe ich schon wieder allerlei Freude im Schützengraben erlbet. Direkt neben meiner Höhle., die ich mit einen Freiwilligen, der noch bei Otto in die Schule gegangen hat, teile, befindet sich eine Pumpe, die das Wasser aus dem Graben pumpt. Es befindet sich hier ein natürlicher Wassergraben, den wir abgedämmt haben. Heute morgen brach uns der Damm durch & als ich aus der Höhle flitzte, kam mir das Wasser schon in die Stiefel. Wir haben den Damm aber doch wieder ausgebessert & sind nun sehr fleißig am pumpen. In einer Höhle habe ich schon Stroh über Stroh geschleppt, aber leider steigt das Grundwasser langsam aber sicher darin, & wenn kein Frost eintritt, werde ich wohl diese Nächte neu bauen müssen. Du siehst also, daß man immer seine Arbeit hat. Nasse Füße habe ich erst heute morgen bekommen. Um meine Hose etwas zu schonen, habe ich von einer alten Unterhose die Beinlinge abgeschnitten & über Stiefel & Hose gezogen. Daß man sehr dreckig wird, könnt Ihr Euch wohl denken. Überhaupt wenn Ihr unsere Schützengrabenanzüge säht, Ihr würdet staunen. Aber sonst bin ich gesund & munter. An den letzten Ruhetagen habe ich viel an Euch geschrieben & werdet Ihr hoffentlich alles bekommen. Mit Gott befohlen bleibe ich Dein tr. Sohn Paul."

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Lippische Post - 5. Januar 1915

Übung der Lemgoer Jugend-Kompagnie 

Ankündigung


Paul Vietmeier an seinen Bruder Fritz - 6. Januar 1915

"6.1.1915. Mein lb. Fritz! Gestern abend wurde ein Angriff von den Engländern erwartet. Wir mußten, weil es stockfinster war, alle auf Posten stehen. Es regnete herrlich. Um 10 Uhr ging der Mond auf & hatten wir eine schöne, klare Nacht. Wir machten Feuer im Graben & dann ging das Spinnen los. Unter Spinnen verstehen wir erzählen, lügen, aufschneiden. Viel wird sich von der aktiven Dienstzeit erzählt, Soldatenbräute & anderes muß herhalten. Man malt sich auch mal aus, wie man in einen regelrechten Bette schläft & denkt nach, wie lange es schon her ist, daß man mal richtig geschlafen hat. Derbe Witze werden erzählt & ab & zu wird einer gesungen. Zu rauchen haben wir meistens was & fleißig wird der "Nuckel" gesogen & Kaffee oder Tee gekocht. Nuckel nennen wr unsere kurze Stummelpfeiffe. Im erzählen spiele ich gewöhnlich am schluß mit einen Gewalt-Trumpf aus, der mir dann die ganze bande auf den Hals lockt. Dann muß sich mein armer roter Vollbart viel erzählen lassen, aber gewöhnlich bekomme ich die Lacher doch wieder auf meine Seite. Ab & zu schicken wir mal ein paar Schuß nach den Engländern herüber, damit sie auch merken, daß wir noch [hier sind]. So geht die lange Nacht schnell vorüber. Überhaupt, wenn esdie Nacht nicht regnet & es nicht stockfinster ist, bekommt man die Zeit schon herum. Wenn es gut geht, haben wir in 3 Tagen wieder 4 Tage Ruhe. Augenblicklich spinnt die ganze Schützen davon, daß die Russen Frieden schließen wollten, ich glaube es aber nicht. Gleich werde ich einen Dauerratz machen. Ratzen nennen wir schlafen. Es bilden sich hier überhaupt eine Menge Spezialwörter aus. An Albert Senke beste Grüße. Sonst bin ich gesund & munter. Gott befohlen Dein tr. Br. Paul." 

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Paul Vietmeier an seine Mutter - 7. Januar 1915

"Im Schützengraben 7/1., 1915. Liebste Mutter! Augenblicklich regnet es mit einer solchen Ausdauer, daß man gemütlich eine Mühle mit dem Wasser des Schützengrabens treiben könnte. Mein Neubau regnet leider auch durch & selbst wird man naß & nässer. Aber sonst habe ich warme Füße, guten Hunger, aber auch genug zu essen, bin also gut zufrieden. Die Engl. müssen auch wohl viel Wasser schöpfen, denn sie sind sehr ruhig. Post haben wir in den beiden letzten Tagen nicht bekommen. Herzl. Grüße Dein tr. Sohn Paul" 

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Lippische Post - 7. Januar 1915

Einstellung von Kriegsfreiwilligen 

Bericht


Paul Vietmeier an seine Mutter - 10. Januar 1915

"Touernes, Sonntag, 10.1.1915. Liebste Mutter! Heute morgen erhielt ich Deinen lb. Brief vom 2.1. & Deine Karte vom 31.12. Herzl. Dank. Gestern abend sind wir Gott sei Dank wieder aus dem Schützengraben für 4 Tage hinaus gekommen. Wir liegen allerdings in Alarmbereitschaft & können jeden Augenblick verladen werden. Wohin, wer weiß es? Nachdem ich gestern nacht die Stiefel von den Füßen hatte, war ich wie neugeboren & habe mal wieder tüchtig & warm geschlafen. Es ist jetzt mittag & sitze ich [in] einer französischen Küche & trinke eine Schale dünnen Mokka, dabei spielt gerade die Reg. Kapelle der 158 einen Marsch nach dem andern. Vergessen ist, daß man 8 Tage in Dreck & Wasser gelegen hat. Die 2. letzte Nacht im Schützengraben bin ich noch bis unter die Arme ins Wasser gefallen. ich habe die 2 Tage aber noch ausgehalten mit den nassen Sachen am Körper & habe weder Schnupfen. Bin noch nicht mal erkältet. Man muß doch schon fürchterlich abgehärtet sein. Jetzt spielt die Kapelle das Lied " Das Lieben bringt große Freud" & golden lacht die Sonne wie seid Wochen nicht, vom Himmel. Neues Leben fließe einen durch den Körper & Gott strafe England, lautet unser Gruß , & Gott strafe es, lautet der Dank. Das Freude & Leid so nahe beieinander liegen können, hätte ich nie geglaubt. Hart & rauh ist man geworden, aber wenn wir von Lieben & Leben uns erzählen, dann kommt es wie ein Rausch über einen & man möchte was Liebes in die Arme schließen, aber wie weit, wie weit liegt das goldene Leben hinter einen & über die Zukunft zerbrechen wir uns hier nicht die Köpfe. - Diese Tage schreibe ich mehr. Übrigens nimmt mein Bart immer wildere Formen an & muß ich ihn doch wohl mal stutzen lassen. 1000 Grüße Dein tr. & dankb. Sohn Paul" 

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Paul Vietmeier an seinen Bruder Fritz - 12. Januar 1915

"Touernes, 12.1.1915. Mein lb. Fritz! Gestern nacht schrieb ich Brief an Hanne [...] Eben erhielt ich Deinen lb. Brief. 1 Paket Chocolade & keks & von Walter Würfel & 1 Karte von Willi, Otto, Ernst. Daß ihr [...]. Ich freue mich aber auch mächtig, besonders darüber, daß mir meine Kameraden die Auszeichnung von Herzen gönnen. Doch nun was anderes. Daß Du so viel zu tun hast & wahrscheinlich nicht mehr weg brauchst, ist ungeheuer viel wert für uns. Ich möchte dich aber daran erinnern, ja jetzt mit allen Kunden genau abzurechnen. Sei auch immer auf deinen Vorteil bedacht & berechne Deine Unkosten genau. An unbekannte Kunden verkaufe nur gegen Barzahlung. gerade in dieser Zeit geht mancher schnell bankrott. Vergiß ja das regelmäßige Anschreiben nicht. Hast du daß Sparkassenbuch [...] schon wieder eingelöst? Wenn du jetzt wenig Holz gekauft hast müßte eigentlich ziemlich viel Geld flüssig wrden. QWir haben doch voriges Jahr viel gekauf[t] & bezahlt & muß jetzt das Geld doch einkommen. Wenn es geht, löse von der Braker Sparkasse Mutters Sparkassenbücher ein, oder bezahle wenigstens etwas zurück. Je besser ist nachher unser Kredit, oder ich weiß ja doch noch nicht wie es mit ergeht, Deiner [?]. Solltest du aber wirklich mal ein gutes Geschäft machen können, & brauchst Geld, so nimm nur meine Sparkassenbücher. Das Holzgeschäft wird auch später noch besser gehen, denn die Möbelindustrie wird nach dem Kriege sehr vil zu tun haben. Wo wir hier her kommen, bleiben keine Möbel. Türen, Schranktüren, Bretter & alles was Holz heißt, wandert hier aus meilenweiter Umgebung in den Schützengraben. Was übrig bleibt, brennen wir vor lauter Not in unsern Ortsquartieren auf.  Unten wohnen wir, & vom Dach holen wir unser Brennholz. Hoffentlich werde ich im Laufe dieses Jahres ja wohl wieder, wenn Gott will, nach Hause kommen, & dann wird sich wohl alles andere finden. - Eben gerade habe ich mir ein paar ganz neue Stiefel besorgt. Darüber bin ich froh wie ein König, denn heile Stiefel sind jetzt ungeheuer viel wert. Minna hat mir letzte Zeit auch mehrmals geschrieben & willst du ihr in einem Namen danken. An Albert Senke herzl. Grüße. Gott befohlen Dein tr. Br. Paul Vietmeier" 

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Paul Vietmeier an seine Mutter - 13. Januar 1915

"Touernes, 13/1. 1915 Liebste Mutter! herzl. Dank für Deinen lb. Brief vom 7. Wir rücken gleich in' Schützengraben & habe ich nur noch wenig Zeit. Wenn Fritz im februar eingezogen wird, so ist jetzt erst die unebdingte Hauptsache, daß er mit allen Kunden genau vom vorigen Jahre abrechnet & so zu Buche führt, daß Johanne oder Du auch durchfinden kannst. Dann darf er sich zu keiner Lieferung mehr verpflichten, die ohne ihn nicht gemacht werden kann. Wenn er diese Sachen richtig macht, kann er ruhig weggehen & Fritz Freitag & Aug. Bellmer schneiden ruhig weiter. Wenn auch nicht viel beschickt wird, so können doch die dringensten Sachen erledigt werden. Walter kann ja ruhig sofort zu Hause kommen & wenn Fritz nicht eingezogen wird, geht er zum 1. April nach Sievert & Th. Es ist ja allerdings die Frage, ob Gees sofort laufen läßt, verpflichtet ist er nicht dazu. Fritz muß alles so in Ordnung bringen, daß er jeden Tag weggehen kann & Johanne kann dan[n] nachher alles genau anschreiben. Freitag muß genau bescheid wissen, wem das daliegende Holz gehört & was nachher kommt, muß Walter & Freitags Fritz sich genau merken. Freitags-Fritz weiß sowieso ja fast um alles bescheid & was nicht gemacht werden kann, bleibt eben liegen. Ewig kann der Krieg ja auch nicht daueren & jetzt ist erst die für Alle die Hauptsache, daß sie ihre Pflicht dem Vaterland gegenüber tun. Sonst gehts mir gut. Gott befohlen Dein tr. Sohn Paul Vietmeier." 

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Paul Vietmeier an seine Mutter - 14. Januar 1915

"14.1.1915. Liebste Mutter! Gestern schrieb ich Brief, habe aber darin vergessen, um Strümpfe zu bitten. Du brauchst mir aber nicht immer neue zu schicken, alte können es hier genug tun. Für Januar ist das Wetter sehr warm, leider aber immer noch feucht. Seid gestern abend befinden wir uns wieder im Schützengraben. Sonst gehts gut. herzl. Grüße Dein tr. Sohn Paul." 

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Paul Vietmeier an seine Mutter - 17. Januar 1915

"17.1.1915. Im Schützengraben! Liebste Mutter! Als Sonntagsgruß bekam ich letzte Nacht Deine Karte von Sonntag den 10. Außerdem ein Paket mit Keks Plätzen, verschiedene andere lb. Postsachen. Auch eine Karte von Freitags Fritz, unsern alten Getreuen, worüber ich mich besonders gefreut habe. Herzl. Dank für alles. Du schreibst von Schnee & Hochwasser. Hier regnet es nur, immer & immer & wieder mit immer gleicher Ausdauer. Während Ihr wohl in der Kirche wahrt, habe ich treu & brav Wasser aus dem Schützengraben geschöpft. Es ist mir aber jetzt erst, nämlich um 3 Uhr nachmittags eingefallen, das Sonntag ist. Man Verkommt oft in den Tagen, eifrig zählen wir nur, wann wir wieder abgelöst werden & so schleichen die Tage, der eine so grau & dunkel, wie der andere, langsam herum. Nacht auf Nacht stehen wir auf Posten & horchen in die Finsternis hinaus & ein feindlicher Angriff wär vielleicht eine Abwechslung oder auch der Tod. Aber daran denkt man nicht. Aushalten heißt die Parole, wenn nur die Gedanken nicht so peinigten, in langer, einsamer Nacht wandern die so weit umher. Wenn wir aber gegen mittag in unserer Höhle ausgeschlafen haben, dann werden wir für kurze Zeit lebendig & Lachen & Frohsinn kehrt bei uns ein & ich bin vielleicht einer der Lustigsten. Und so geht Tag um Tag & Nacht um Nacht, bis es vielleicht mal heißt, fertig zum Sturm & jauchzend gehts in Sieg und Tod. - Unsere Verpflegung ist augenblicklich sehr gut, auch bekommen wir genügend Kaffee, Tee oder Kakao, so daß wir uns immer was heißes kochen können. Da wir sonst fast immer liegen oder nur des Nachts stehen, werde ich ziemlich dick. Meine Natur scheint täglich wiederstandsfähiger zu werden & spüre ich kaum, wenn ich mal total durchnäßt bin. Gott befohlen Dein tr. Sohn Paul."

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Lippische Post - 15. Januar 1915

Backvorschriften in Kriegszeiten 

Bericht


Paul Vietmeier an seine Mutter - 20. Januar 1915

"20.1.1915. Liebste Mutter! Gestern bekam ich Karte von Hanne vom 13. & 2 Pakete mit Käse & Kuchen. Herzl. Dank dafür. Der Kuchen hat mir & der Käse schmeckt mir noch gut. Heute sind wir den 7.ten Tag im Schützengraben. Wenn alles gut geht, werden wir morgen abend abgelöst. In Zukunft werden wir wahrscheinlich 4 Tage vorn & 4 Tage zurück liegen. Also eine bedeutende Verbesserung. Unsern Graben haben wir jetzt mit Bohlen ausgelegt & steht das Wasser drunter. Das Wetter ist noch immer schlecht. Etwas hat der Regen aber doch nachgelassen. Gestern schrieb ich Brief an Hanne, die jetzt, wo ich dies schreibe, ja wohl in Niese ist. Sonst bin ich gesund & munter. Dein dankbarer Sohn Paul Vietmeier." 

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Paul Vietmeier an seine Mutter - 21. Januar 1915

"21.1.1915. Liebste Mutter! Gestern nacht bekam ich Paket von Euch mit Speck & Butter & von der Gemeinde Brake eins mit Wurst. Herzl. Dank. Letzte Nacht regnete es ganz gewaltig. Jetzt haben wir aber Feuer in unseren Bau & haben gerade getafelt. Speisekarte: Brot, Ersatz-Butter, Käse, Leberwurst, Kohlwurst & Kaffee. Also sehr feudal. Wir tauschen unsern Genüsse immer untereinander aus & haben dann von allen etwas. Von der Kompagnie aus werden wir seid Weihnachten auch bedeutend besser verpflegt wie früher. Nötig genug haben wir es aber auch. Heute abend werden wir abgelöst. In den Ruhetagen werde ich fleißig schreiben. Gott befohlen Dein tr. & dankb. Sohn Paul Vietmeier"  

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Paul Vietmeier an seine Mutter - 22. Januar 1915

"22.1.1915. Liebste Mutter! Heute morgen bekam ich Deinen lb. Brief vom 13. Auch ein Paket von Lenchen Niehaus & noch noch verschiedene andere Sachen aus aller Welt. Gestern nacht sind wir aus dem Schützengraben gekommen & haben 4 oder 5 Ruhetage. Nachdem es gestern ganz entsetzlich geregnet hat, ist heute wunderbares Frostwetter, leider wechselt das Wetter hier zu oft. Wir sind gerade beim Stiefel ausziehen & schneiden sie einen kaput[t], seid Anfang Dezbr. v. J. hat er sie nicht mehr ausgehabt. Ich selbst habe an den letzten Ruhetagen ein paar neue Stiefek erwischt. Wenn Fritz am 15. Febr. weg muß, läßt sich nichts daran machen. Ich habe dir ja schon mal einen Brief darüber geschrieben & erinnere Fritz noch mal dran, die Bücher so in Ordnung zu machen, daß Johanne & du dadurch finden kannst. Daß übrige wollen wir den Herrn der Herren anheimstellen. Diese Tage werde ich mal wieder ein Tagebuch & Briefe schicken & wollt Ihr mir die Sachen weglegen. Schickt mir bitte immer Briefpapier & Karten mit. - Von der Kriegsfürsorge der Gemeinde Brake erhielt ich ein Weihnachtspaket & diese Tage eine Braker Wurst. Mit einem Gedicht, das ich diese Tage mit Hilfe meines Höhlenmitbewohners, eines Schauspielers, verbrochen habe, werde ich mich bedanken & wirst du es wohl mal zu hören bekommen. Langeweile ist das Schädlichste von allen & hecken wir darum immer allerlei aus. Augenblicklich fühle ich mich sehr kräftig. Die lipp. Würste & unsere jetzige gute Verpflegung helfen uns wieder auf die Beine. Ich muß mich selbst wundern, daß ich si gesund & munter in diesem ewigen Regen, Schmutz & Dreck geblieben bin. Einen Schnupfen habe ich bis jetzt noch nicht gehabt, noch nicht mal erkältet gewesen. Mann muß doch sehr abgehärtet [sein]. Gott befohlen Dein tr. & dankb. Sohn Paul." 

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Paul Vietmeier an seinen Bruder Fritz - 23. Januar 1915

"23.1.1915. Mein lb. Fritz! Gestern erhielt ich Karte von Mutter vom 16. & von Hanne vom 17. Bin gesund & munter. Wenn Du am 15.2. wahrscheinlich weg mußt, so mach aber die Sachen in Ordnung. Du weißt ja, was ich meine. Es könnte möglich sein, daß du Felddienstfähig geschrieben würdest. Letzte nacht hat es noch gefroren, es wird aber schon wieder trübe. Sonst geht's gut. Dein tr. Br. Paul."  

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Paul Vietmeier an seinen Bruder Walter - 23. Januar 1915

"23.1.1915. Mein lb. Walter! Heute, an Deinem Geburtstage bekomme ich von Hanne die nachricht, daß ich mich wohl geirrt hätte. Ich habe nämlich Hanne gratuliert. Nun wünsche ich Dir aber noch alles gute & gratuliere nachträglich herzlichst. Ich selbst bin gesund & munter. Augenblicklich friert es mal ein bißchen. Hoffentlich hält das Frostwetter an. Sonst gehts gut. Dein tr. Bruder Paul." 

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Lippische Post - 25. Januar 1915

Kaisergeburtstagsfeier für die Jugendkompagnie 

Aufruf


Paul Vietmeier an seine Mutter - 26. Januar 1915

"26.1.1915 Liebste Mutter! Herzl. Dank für Brief von hanne vom 20. & für 2 Pakete mit Strümpfen & Wurst. Die 5 großen Pfund Pakete habe ich alle erhalten. Die Beinlinge gebrauche ich immer selbst. Sobald die Füße an den Strümpfen kaput[t] sind, ziehe ich die Beinlinge über die Stiefel. Damit ich keinen Lehm & auch Wasser von oben in den Stiefel bekomme. Wenn ich alle 2 - 3 Wochen ein paar Strümpfe bekomme, genügt es vollständig. Du brauchst sie auch nicht so lang zu stricken, Socken genügen. Heute abend rücken wir für 5 Tage in den Graben. Etwas besser haben wir es also schon. Insektenpulver könnt ihr mir von Zeit zu Zeit auch mal mitschicken. In letzter Zeit treten diese lieben Tierchen wieder häufig auf & Vorsicht ist besser wie Nachsicht. Sonst bin ich gesund & munter & ist das Wetter zwar trübe, aber es regnet schon ein paar Tage nicht mehr. Durch Eure lb. Pakete habe ich immer was zu essen & nehme ich langsam an Gewicht zu & werde auch frischer & lebendiger. Für deine Liebe nochmals herzl. Dank & bleibe ich Dein tr. Sohn Paul. Legt immer bitte Karten & Papier bei." 

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Paul Vietmeier an seinen Bruder Fritz - 27. Januar 1915

"27.1.1915 Mein lb. Fritz! Zur Feier des Tages haben uns die Engl. heute ziemlich reichlich mit Granaten & Schrapnells bedacht. Wir haben es uns aber nicht nehmen lassen, unsers obersten Kriegsherrn mit einem 3fachen gewaltigen Hurra zu gedenken. - Das Wetter ist trübe, aber ohne Regen. Hoffentlich bleibt es erst mal so. Gerade haben wir Glühwein getrunken, zwar ein bischen dünn, aber geschmeckt hat er doch. Sonst gehts mir gut. Mit herzl. Grüßen für Mutter, hanne & Minna bleibe ich Dein tr. Br. Paul." 

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Paul Vietmeier an seine Mutter - 28. Januar 1915

"28.1.1915. Liebste Mutter! Postsachen erhielt ich in den 2 letzten Tagen nicht von Euch. Hat Fritz die Sachen alle erledigt, wenn nicht, wird es höchste Zeit.- Augenblicklich friert es leicht & bleibt es hoffentlich länger so, damit das Wasser sich erst mal verläuft. Sonst gehts mir gut. Herzl. Grüße Dein tr. Sohn Paul."  

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Lippische Post - 29. Januar 1915

Jugendwehr in Brake zur Kaisergeburtstagsfeier 

Bericht


Paul Vietmeier an seine Mutter - 30. Januar 1915

"30.1.1915. Liebste Mutter! Gestern bin ich mal nicht zum schreiben gekommen. Ich erhielt Karte von Hanne aus Niese vom 23. Von Euch erhielt ich die letzten Tage nichts. Seid 4 Tagen haben wir trockenen Frost mit etwas Schnee. Es ist ein herrliches Gefühl, mit trockenen Füßen im Graben herumlaufen zu können. Während wir des Nachts Posten stehen, machen wir fleißig Holz entzwei & brechen hinter uns die Häuser ab, um Brennmaterial zu bekommen. Wir haben einen richtigen kleinen Ofen in unserer Deckung & lassen wir nur das Feuer ausgehen, wenn wir das Feuern verschlafen. Die lange Nacht verklüngeln wir so. Es wird Essen geholt, Brod & Postsachen empfangen. Unsern Hauptschlaf halten wir meistens von 1/2 9 Uhr morgens bis 2, 3 Uhr nachmittags. Leben also sozusagen auf dem Kopfe. ich bin aber gesund & munter dabei. Kaisersgeburtstag haben wir uns Glühwein gebraut & schossen uns die Engländer mit Granaten & Schrapnells die Musik dazu. Wir hatten des Mittags ein gewaltiges Hurra ausgebracht & haben sie vor Wut wohl so lebhaft auf uns geschossen. Schaden haben wir aber dabei nicht erlitten & uns wenig darein gekehrt. Fritz möchte ich nochmal daran erinnern, daß er die Bücher in Ordnung macht. Ich hoffe, doch, daß er die Notwendigkeit einsieht. Es könnte immer die Möglichkeit vorliegen, daß es Felddienstfähig geschrieben würde & auch in die Front müßte. Legt mir doch bitte immer etwas Briefpapier oder Karten bei. Morgen abend werden wir wieder für 5 Tage abgelöst, d. heißt, wenn alles gut geht. Mit herzl. Grüßen Dein dankb. Sohn Paul." 

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Paul Vietmeier an seine Mutter - 31. Januar 1915

"31.1.1915. Liebste Mutter! Letzte Nacht bekam ich Deinen lb. Brief vom 22. & Karte vom 25. & 4 Pakete. Für alles herzl. Dank. Frieda H. tut mir sehr leid. Heute abend werden wir wahrscheinlich abgelöst für 5 Tage. Es ist wieder Tauwetter, aber mal ohne Regen. Bin gesund & munter & wüßte sonst nichts. Herzl. Grüße an Fritz & Minna & bleibe ich Dein tr. Sohn Paul."  

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Paul Vietmeier an seine Mutter - 1. Februar 1915

"1. Febr. 1915. Liebste Mutter! Gestern abend sind wir abgelöst & haben Ruhe. Heute morgen habe ich kleine Wäsche abgehalten. Mütze, Halsbinde & ein Paar Taschentücher. Derartige arbeiten sind nicht mein Geschmack. Aber wenn man nicht allzu dreckig aussehen will. muß man sich dazu bequemen & es geht auch. Die Knieschoner habe ich bekommen. Du brauchst mir jetzt aber keine Kälteschutzmittel mehr schicken. Ich habe reichlich angezogen & noch von allen im Thornister. Beinlinge kann ich schlecht zurückschicken & wollt Ihr mit höchstens jeden Monat ein paar Strümpfe schicken. Da wir wenig laufen, gehen sie soleicht nicht entzwei & kann ich sie ja auch mal waschen. Heute morgen bekam ich ein Paket Zigarren von Hanne vom 18. Januar, die W. kaufmann für mich geschenkt hat. Mein freund August Althof aus salzuflen kann schon in Belgien wieder zurück nach Haus, da er Wasser im Kniegelenk hatte & war vor kurzem noch in der Heimat. ob er jetzt noch da ist, weiß ich nicht. Feldwebel Althof war sein Bruder. - Eben gerade traf ich einen Sohn von Ferd. Rabenhausen, der sich von den Eisenbahneren zur Infanterie hatte versetzen lassen & jetzt bei 10/55 ist. Er kannte mich erst nicht wieder. Heute bekam ich auch ein Paket Zigarren von Adolf Zeddies aus Grohnde. Ich konnte mich erst nicht entsinnen, wo ich den Namen kannte. Er war doch früher bei wallbrecht auf Domäne Brake, nicht wahr? Man muß sich doch freuen, daß Leute, die man fast vergessenhat, jetzt an einen denken. Von Carola Lücke, wo ich mich jetzt sogar mit duze, bekam ich diese Tage einen Kuchen. Augenblicklich ist das reinste Frühlingswetter & will ich hoffen, daß es sich aus geregnet hat. Hoffentlich bekomme ich in deinen nächsten Briefen Briefpapier, dies ist der letzte Bogen & kann man hier sehr schlecht was bekommen. Sonst bin ich gesund & munter. Herzl. Grüße Dein tr. Sohn Paul." 

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Lippische Post - 1. Februar 1915

Kaiser-Geburtstagsfeier der Garnison in Lemgo 

Bericht


Paul Vietmeier an seine Mutter - 2. Februar 1915

"Beaucamps, 2. Febr. 1915. Liebste Mutter! 7 (Monat...) Monate bin ich nun im Felde & Gott sei Dank, heute gesunder wie je zuvor. Für die Zukunft wird der Herr der Herrscharen sorgen & sehe ich getrost auf das, was noch schweres kommen mag. Vorhin hatte ich gerade eine Karte mit meinem Bilde an "Gebrüder Vietmeier" in 9/15 abgelifert, als ich eine Karte von W. O. & Ernst erhielt. ihre Adr. hatte sich verändert & glückte es mir noch, die Karte wieder zu erwischen & die Adr. zu ändern. Die werden auch Augen machen, wenn sie ihren jüngsten Bruder im Felde mit so einem eingerahmten Gesichte sehen. Na, freuen werden sie sich aber doch. Gestern erhielt ich ein Paket mit Blutwurst & eben Käse & Fenchelöl & Deine lb. beigelegten Zeilen. Dein Wunsch, ein Bild von mir zu bekommen, wird sich hoffentlich erfüllt haben. Auch habe ich gestern Fritz zum Geburtstage ein Karte mit meinem Bilde geschickt & wird ja wohl eins ankommen. So ernst, wie ich aber darauf aussehe, kucke ich aber doch nicht aus den Augen. Mich allein abnehmen lassen, konnte ich bis jetzt noch nicht fertig bringen. Das Wetter ist hier viel launenhafter, als bei mir früher die Mädchen. (den Zusatz willst du mir bitte nicht übelnehmen) Heute nachmittag beim exerzieren hatten wir erst den schönsten blauen Himmel, allerdings sehr scharfen Ostwind. Dann in 2 - 3 Minuten der Himmel pechschwarz, dann ein furchtbarer Kugelblitz & ein entsetzlicher Donnerschlag. und jetzt regen, Schnee & Hagel durcheinander, daß man nicht wußte, wo (ich) man bleiben sollte. Und nun steht Stern neben Stern. Ende dieser Woche ist unser Zauber hier vorbei. Es beginnt vielleicht aber wieder ein neuer Kursus & habe ich dann Aussicht, hierzubleiben. Mir ist es aber ziemlich gleichgültig. In tr. Liebe dein dankb. Sohn Paul Vietmeier." 

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Paul Vietmeier an seinen Bruder Fritz - 2. Februar 1915

"2. Febr. 1915. Mein lb. Fritz Herzl. Dank für Deinen lb. Brief vom 27. Es freut mich sehr, daß das Geschäft so gut geht & wirst du ja wohl an meine letzten Ratschläge denken. Na, nichts für ungut. Hoffentlich bleibst du da, mußt aber immer mit Einberufung rechnen. Sonst gehts gut. Dein tr. Br. Paul." 

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Lippische Post - 3. Februar 1915

Aufruf, Brotgetreide nicht zu verfüttern 

Anzeige


Paul Vietmeier an seine Mutter - 4. Februar 1915

"4.2.1915. Liebste Mutter! Bin augenblicklich in Beaucamps als Rekrutenbändiger & werde wohl 3 Wochen hierbleiben. Adresse wie sonst. Dein tr. Sohn Paul." 

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Paul Vietmeier an seine Mutter - 5. Februar 1915

"5. Febr. 1915. Liebste Mutter! Herzl. Dank für Deine lb. Karte. Wie ich gestern schon schrieb, bin ich für einige Zeit nach beaucamps zum Rekrutenlehrpersonal gekommen. Die Rekruten, die schon in Deutschland ausgebildet sind & auch schon im Schützengraben waren, bekommen hier noch Schliff & müssen wir ihnen noch das beibringen, was ein Feldsoldat am nötigsten gebraucht. Wir liegen mit 85 Mann auf einem Saal in einen großen Kloster. Es geht vollständig Kasernenmaeßig zu. Um 9 uhr liegt alles im Stroh & des Morgens gegen 6 uhr wird geweckt. Des Morgens 5 Stunden Dienst & des Nachmittags abermals 3 - 4 Stunden. Morgens & abends Kaffee & brod & mittags wirkliches heißes Essen. Wir Gefreiten sind natürlich von allen Arbeitsdienst ausgeschlossen & haben wir nur für ordnung & Reinlichkeit aufzukommen. Na, Befehlen kann ich ganz gut. Großen Spaß habe ich gerade nicht daran. Im Schützengraben ist man freier & hat ein ungebundenes Leben. Aber es wird den Körper jedenfalls mal sehr gut tun, regelmäßig essen & schlaf zu erhalten. Da wir uns immer bewegen, wird der Appetit auch mal angeregt & dann liegt man auch im trockenen Bouillion, Kaffee & andere Würfel braucht Ihr mir vorläufig nicht zu schicken. Eßsachen werde ich immer dankbar gebrauchen können wie sonst. Da ich viel weniger Zeit wie sonst habe, werde ich vielleicht nicht soviel schreiben wie die letzte Zeit. Meine Adresse ist wie sonst. Jedenfalls hätte ich nicht mehr geglaubt, daß ich in meinem Leben nochmal Rekruten drillen müßte. Sonst bin ich gesund & munter. Dein dankb. Sohn Paul Vietmeier. Augenblicklich ist das Wetter herrlich, heute habe ich schon die ersten Schneeglöckchen gesehen." 

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Paul Vietmeier an seine Mutter - 7. Februar 1915

"7.2.1915. Sonntag! Liebste Mutter! Heute morgen hatten wir Kirchgang, sonst ist gerade so Dienst wie in der Woche auch. es geht mir gut, ist nur ein bischen langweilig hier. Im Schützengraben hat man mehr abwechslung. Heute morgen bekam ich Karte von Hanne aus Niese, sonst hatte ich die letzten Tage keine Post von Euch. 1000 Grüße Dein dankb. Sohn Paul." 

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Paul Vietmeier an seinen Bruder Fritz - 9. Februar 1915

"9.2.1915. Die herzl. Grüße sendet Dein tr. Br. Paul Vietmeier. Wir sind hier nur 10 km von Lille entfernt & habe ich hoffentlich mal gelegenheit diese franz. Großstadt zu besuchen. Sonst geht's mir gut." 

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Paul Vietmeier an seine Mutter - 10. Februar 1915

"Beaucamps, den 10. Febr. 1915. Liebste Mutter! Gestern erhielt ich Deinen lb. Brief vom 4. & danke Dir herzl. dafür. Um uns brauchst du dich eigentlich nicht so sehr sorgen, die schlimmste Jahreszeit ist vorüber & eigentlich haben wir ja weiter nichts zu tun, als mal ein bischen des Nachts zu frieren oder mal naß zu werden & ein bischen Arbeit muß der Mensch doch auch haben. Wenn ich meinen Kopf des Nachts auf den Tornister lege & noch ein bischen Stroh zum Unterlegen unter den Körper habe, schlafe ich vielleicht besser wie zu Haus. Am 22. August 1914 habe ich zuletzt ausgekleidet in einem wirklichen Bett geschlafen & weiß ich wirklich nicht mehr, ob ich damals besser geschlafen habe wie heute. Auch spart man jetzt das Aus- & Anziehen & ist immer fertig. Wer außerdem schon wochenlang vor Hunger nicht in' Schlaf kommen konnte, (die Tage bei Reims) der ist mit der Verpflegung jetzt reichlich zufrieden. Unser Leben steht in dem Herrn & mache ich mir persönlich da am allerwenigstens Sorge nun. - Das Wetter ist [...] , Regen, Sturm & der schönste Sonnenschein wechseln miteinander ab. Das meine Adr. wie sonst ist, habe ich wohl schon mal geschrieben. Ich hole mir die Post täglich & bekomme ich sie hier sogar noch immer 1 - 2 Tage früher wie im Schützengraben. Sonst geht's mir gut. 1000 herzl. Grüße Dein tr. Sohn Paul." 

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Lippische Post - 10. Februar 1915

Generalversammlung des Vaterländischen Frauenvereins in Lemgo 

Bericht


Paul Vietmeier an seinen Bruder Walter - 12. Februar 1915

"12.2.1915. Lieber Walter! Herzl. Dank für Deinen lb. Brief vom 6.2. Ich bin gesund & munter & augenblicklich Rekrutenbändiger. karl Höke & Niebuhr lassen grüßen. Wenn Lina Meier noch in Detmold ist, bestell ihr mal einen Gruß von mir. Dein tr. Paul" 

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Paul Vietmeier an seine Mutter - 13. Februar 1915

"Beaucamps, 13.2.1915. Liebste Mutter! Gestern abend schrieb ich Brief an Hanne & benutze heute morgen die Zeit, die die Rekruten Unterricht haben, zum Schreiben. Ich rauche ganz gemütlich eine Zigarre dabei, gähne tüchtig & recke & strecke meine Glieder. Zwischen 10 & 11 Uhr abends gehe ich gewohnlich schlafen, werde aber mindestens 3 - 4 mal wach & schlafe bis 1/2 7 Uhr morgens. Mit jeder Nacht schlafe ich besser & werde immer weniger wach. ich hätte nicht geglaubt, daß das ewige Wecken des Nachts im Schützengraben so in Fleisch und Blut übergehen könnte, daß man jetzt noch immer des Nachts wach wird. Schon früher an unseren Ruhetagen stand ich die 2. u. 3. Nacht gewöhnlich ein paarmal wieder auf & schrieb. Was da allerdings oft bei heraus gekommen ist, werdet Ihr ja wohl aus meinen Zauberbriefen gelesen haben. - Den Rekruten bringen wir möglichst viel bei & gewöhnen sie an Ordnung & Disziplin im Quartier. Außerm Dienst bin ich aber gewöhnlich verschwunden & wird Ihnen das wohl recht sein. Es sind fast lauter Polen & Elsässer & werde ich wohl von allen Gefreiten der Beliebteste sein. Ich habe nämlich keinen Spaß mehr, die Hammels anzuschnauzen & zu trietzen & gehorchen sie mir doch am besten. Meine Ruhe & mein roter Bart scheint Ihnen mächtig zu imponieren & da wir auch sehr viel albern, bis 32 jährige Ersatzrekruten haben, denken sie wohl, ein so alter Soldat wie ich, könnte ihnen schon befehlen. Das ich erst 22 Jahre alt bin, glaubt mir doch keiner. Gestern abend war ich bei Hermann Blattgerste & haben wir ein paar sehr gemütliche Stunden verlebt & uns viel von früheren Zeiten erzählt. Fritz rate ich nach wie vor, daß er die Bücher immer genau in Ordnung hält & auch aufschreibt, was er kauft & verkauft an Holz. Er muß immer damit rechnen, daß er eines guten Tages doch mal eingezogen wird & wird er dann doch wohl Felddienstfähig geschrieben werden. Mir wäre es ja viel lieber, wenn er zu Hause bliebe, aber Vorsciht ist besser wie Nachsicht. Von Walter bekam ich vorgestern auch einen Brief. Er scheint sich schon sehr zu freuen, daß er nach Lemgo kommt. Hoffentlich geht er dann mal tüchtig in die Breite & wird dicker. Wenn der Krieg den Sommer noch über anhält, wär es möglich, daß sein Jahrgang auch noch ausgemustert würde. Heute werde ich noch baden & dann gleichzeitig reine Wäsche anziehen. Für die Wäsche & Wurstsachen danke ich Dir noch recht herzlich & bleibe in tr. Liebe Dein dankb. Sohn Paul Vietmeier." 

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Lippische Post - 15. Februar 1915

Kriegs-Gedicht von Ernst Weißbrodt über das Rauchen von Toback... 

Gedicht


Paul Vietmeier an seine Schwägerin Martha - 16. Februar 1915

"16.2.1915. Beaucamps. Mein lb. Martha! Augenblicklich bin ich für einige Zeit aus dem Schützengraben gekommen, um hier Ers. Rekruten von unsern Reg. mit auszubilden. Es geht hier vollständig kasernenmäßig zu & langweilige ich mich sehr. das regelmäßige Leben wird meiner Gesundheit aber jedenfalls sehr gut tun. Jede Nacht zu schlafen, muß ich mir erst wieder angewöhnen. Sonst bin ich gesund & munter. Adr. wie sonst. Herzl. Grüße Dein tr. Paul." 

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Paul Vietmeier an Minna - 17. Februar 1915

"17.2.1915. Beaucamps, Meine lb. Minna! Herzl. Dank für Dein Paket mit Brief. Hoffentlich ist Dein Bruder jetzt ganz wieder hergestellt und kann sich im schönen Lippe wieder erholen. Hier wird das Wetter allmählich etwas besser & dauert er bis zum Frühling ja auch nicht mehr lange. das Fritz wieder zurückgestellt ist, freut mich sehr. Augenblicklich habe ich es sehr gut, nur ist es mir hier langweilig. An Deine Lieben herzl. Grüße & bleibe ich Dein tr. Paul Vietmeier." 

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Paul Vietmeier an seine Mutter - 17. Februar 1915

"Beaucamps, 17.2.1915. Liebste Mutter! Gestern abend bekam ich Dein lb. Paket mit Käse & dem Notizbuch. Ich erinnere mich noch sehr genau, wie ich ich mit Letzterem nach Hause kam & habe mit Heinr. Niebuhr schon öfter über den schönen 2. Pfingsttag gesprochen. Außerdem bekam ich ein Paket von Lina Raßbach aus Ems, Carola Lücke & von Minna Witte. Also reich mit allen Sachen wieder versehen. Du kennst gewiß Fenchelöl & würde ich Dir sehr dankbar sein, wenn Du mir hiervon ein kl. Fläschen mitschicken könntest. Die "Bienen" (Läuse & sonstige bessere Tiere) nehmen hier nämlich sehr zu & soll Fenchel das beste Mittel dagegen sein & kann man sich zur Vorsicht was in die Wäsche tropfen. Ich habe nämlich mal die erste Zeit bei Souchez welche von den Tieren gehabt & kann ich sie nicht gut ertragen. Bis heute habe ich noch keine wieder gehabt, aber Vorsicht ist besser wie Nachsicht. - Das Fritz wieder zurückgestellt ist, freut mich sehr für Dich & das Geschäft & wird er hoffentlich nicht mehr wegbrauchen. Letzten Sonntag war ich in einer Vorstadt von Lille. es herrschte hier vollständiges großstädtisches Treiben & habe ich mich sehr gewundert, daß so dicht hinter der Front ein solches Leben herrschen kann. Die Zivilbevölkerung wohnt hier noch alle & erinnern einen nur die bärtigen Landstürmer & ferner Kanonendonner daran, das Krieg ist. Hoffentlich gelingt es mir mal, meinen Bart auf's Papier zu kriegen, wenn es erst wärmer wird, muß er doch daran glauben. Sonst bin ich gesund & munter. Herzl. Grüße Dein tr. Sohn Paul." 

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Paul Vietmeier an seine Mutter - 20. Februar 1915

"20. Februar 1915. Liebste Mutter! Heute erhielt ich ein Paket Rum, Kohlwurst & noch ein kleines Paket von Euch. Außerdem Hannes Karte vom 13. & auch eine Karte von meinen lb. 3 Kriegsbrüdern & Hans Stöckel vom 13. Daß Ihr einen ganzen Berg Postsachen von mir auf einmal bekommt, wundert mich, ich gebe meine Postsachen jetzt täglich ab & werden wohl irgendwelche Gründe vorliegen, daß die Post sich verschätzt. Die Hauptsache ist das sie überkommt. Ich bekomme auch öfter tagelang nichts & dann auch einmal desto mehr & ist die Freude dann um so größer. In Betten schlafen wir hier nun gerade nicht, sondern mit 90 Mann auf einem Saal im Stroh. Aber das genügt mir auch vollkommen. Tante Schröder habe ich auch zum Geburtstage gratuliert, ob es aber auf den richtigen Tag angekommen ist, bezweifele ich. Gestern habe ich gebaden. Es ist doch nachher ein wunderbares Gefühl, mal wieder vollständig rein & sauber am ganzen Körper zu sein & fühlt man sich wie neugeboren. Heute abend habe ich sogar Heringe zum Abendbrot gegessen, eine große Delikatesse, wenn man sie monatelang nicht gehabt hat. Im Osten haben wir ja tüchtige Erfolge errungen & sind wir hoffentlich dem endgültigen Erfolge wieder ein Stück nähergekommen. Hier donnern auch Tag & Nacht die Geschütze & ist es mir oft nicht recht, daß ich nicht im Schützengraben bin & sehe, wo die Biester bleiben oder wo sie bei uns einschlagen. mein guter Freund Twistel ist auch eingezogen & wird in Höxter ausgebildet. es ist 11 Uhr & bin ich der Letzte, der noch auf ist & gebe Dir darum einen herzl. Gutenachtkuß & bleibe Dein dankb. Sohn Paul Vietmeier." 

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Paul Vietmeier an seinen Bruder Fritz - 22. Februar 1915

"Beaucamps, 22.2.1915. Mein lb. Fritz! Die beiden letzten Tage erhielt ich keine Postsachen von Euch. Bin gesund & munter & guten Mutes. Was machts Geschäft? Herzl. Grüße Dein tr. Br. Paul."  

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Lippische Post - 23. Februar 1915

Besuch des lippischen Fürsten in Lemgo bei den Lazaretten 

Bericht


Paul Vietmeier an seine Mutter - 24. Februar 1915

"24.2.1915. Liebste Mutter! Gestern abend erhielt ich Euer Paket vom 17. mit Wurst & Handtuch. Letzteres kann ich sehr gut gebrauchen. ist Ernst jetzt auch bei der 9. Komp. 15.? Otto schrieb mir, daß sie jetzt zu dritt bei der Komp. währen & bald für sich anfangen könnten. Die Russen scheinen mächtig was auf's Haupt bekommen zu haben, über 100000 Gefangene will doch was heißen. Ich selbst bin gesund & munter.Augenblicklich ist das Wetter sehr schön. Die Nächte ganz leichter Frost & am Tage Sonne & Licht. Man glaubt es selbst kaum, daß wir schon bald im März sind. Mit herzl. Grüßen bin ich Dein tr. & dankb. Sohn Paul."  

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Lippische Post - 25. Februar 1915

Ausgabe von Markenkarten zur Regelung des Brotverkehrs in Lemgo 

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Paul Vietmeier an seine Mutter - 26. Februar 1915

"Beaucamps, 26.2.1915. Liebste Mutter! Anbei bekommst Du ein Bild von mir. Herausfinden werdet Ihr mich ja sicher & könnt Ihr sehen, wie ich jetzt & früher aussah. Wenn ich selbst das Bild ansehe weis ich nicht, ob ich lachen oder weinen soll, als 22jähriger kann ich eigentlich doch nicht so alt aussehen. Na, die Hauptsache ist, das Herz jung ist. Sonst bin ich recht gesund & munter. heute abend habe ich bei unserer Küche Kartoffeln geschält & haben wir uns dazu Schweinskoteletten gebraten & eine Flasche deutsches Bier dazu getrunken. So etwas kann einem alten Krieger das Herz erfreuen. Heute mittag habe ich einen Kameraden von meiner Komp., der auch von Anfang mitgemacht hatte, mit zu Grabe getragen. Vor ein paar Tagen hatte ihn das tödliche Blei im Schützengraben ereilt. Jetzt, wo wir hier lange in einer Stellung liegen, begraben wir die Toten des Regts. hier in Beaucamps bei der Kirche. Ein jeder bekommt sarg & Kreuz & werden die Gräber gut in ordnung gemacht & geschmückt. Leider werden fast täglich einer oder auch mehrere zu ewigen Ruhe gebettet. Tote, auch wenn sie monatelang draußen gelegen haben, kann ich ohne Grauen sehen, aber die dumpfen Trauermärsche unserer Regts.- Kapelle gehen durch Mark & Bein. Achtung, präsentiert das Gewehr, & langsam sinkt wieder ein Held in die Grube & gleichzeitig schwören die lebenden Kameraden Rache & treues Aushalten bis zum Siege oder auch zum Tode. So geht auch hier ein Tag nach dem andern um & in den nächsten Tagen sind es 7 Monate, wo ich im Felde bin. Ich kann es kaum glauben, daß ich schon so lange fort bin. Hoffentlich freut Ihr Euch über das Bild. Wenn es auch nicht besonders geraten ist, so habe ich mir doch fast die Beine abgelaufen, um es fertig zu bringen. Herzl. Grüße Dein tr. Sohn Paul." 

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Paul Vietmeier an seinen Bruder Fritz - 27. Februar 1915

"27.2.1915. Lieber Fritz! Gestern erhielt ich Brief von Mutter & 2 Karten von Hanne & Blutwurst. Herzl. Dank. Sonst bin ich gesund & munter. Dein tr. Br. Paul"  

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Lippische Post - 2. März 1915

Blumen im Krieg (Sprechsaal-Artikel) 

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Lippische Post - 3. März 1915

Aufruf zur Frauenversammlung "Die Volksernährung während des Krieges" (Vortrag) 

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Paul Vietmeier an seine Mutter - 4. März 1915

"Beaucamps, 4. März 1915. Liebste Mutter! Herzl. Dank für Deine lb. Karte vom 26. & für Paket vom 25. mit Wurst. Ein Bild, allerdings ein gerade nicht schönes, habt Ihr ja jetzt von mir. Uebermorgen muß ich wahrscheinlich nach Lille & werde ich mich dann, wenn es meine Kasse erlaubt, allein abnehmen lassen. Die Bilder sind nämlich fürchterlich teuer. Auf den folgendne Seiten stehen meine mitgemachten Schlachten, Gefechte & Stellungskämpfe & Belagerungen.

Datum:

14.- 16/8.14. Belagerung v. Fort de Holleque (Einnahme v. Lüttich)

23/8. Gefecht bei La Garde-Collamont

24/8. Gefecht bei Lars-La-Buziers

25/8. Gefecht bei Fontaine-Valmont

Schlacht bei dem Übergange der Sambre in Belgien

26/8.-7/9. Belagerung von Maubeuge

12/9. Gefecht bei Vanteley (Aisne)

13/9.-16/9. 3tägiges Gefecht b. Ferme St. Marie 

19/9-4/10 Gefechte auf Höhe u. b. Loivre und Stellungskampf im Schützengraben

Schlacht bei Reims

8/10-19/11 Gefecht b. Souchez u. Erstürmung d. Kapelle Notre Dame de Larette (südwestl. v. Arras) und Stellungskampf

22/11.-17/12. Gefecht bei Fouquet u. Radinghem; Stellungskampf

20/12.-30/12. Gefecht b. La-Bassee u. Erstürmung v. Givenchy bei La-Bassee

2/1. 1915-heute:  Stellungskampf bei Fouquet.

Im ganzen 15mal im Gefechte oder Schlacht gewesen, 2 Belagerungen mitgemacht & ungefähr 120 Tage im Schützengraben gewesen, wo man auch ziemlich oft beschossen wird, aber verhältnismäßig Verluste selten sind. Wo ich alle auf Patrolliengängen beschossen bin, weiß ich aus dem Kopfe nicht mehr genau, vielleicht 10 - 15 mal. Du willst bitte diesen Brief bei meine an Euch geschickten Tagebücher & andere Sachen legen. Die Daten & Örter habe ich aus dem Reg. Tagebuch & sind sie also richtig. Sonst bin ich gesund & munter & nehme täglich an Gewicht zu & schlafe jetzt auch wie ein Bär. Herzl. Grüße an Hanne & Fritz & bleibe ich Dein dankbarer Sohn Paul." 

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Paul Vietmeier an seinen Bruder Fritz - 4. März 1915

"Beaucamps, 4.3.1915. Lieber Fritz! Bin gesund & munter & hoffe von Euch das Gleiche. Was macht das Geschäft? Hiers ist alles beim alten & weiß ich nichts, was ich wohl schreiben könnte. Herzl. Grüße Dein tr. Br. Paul." 

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Lippische Post - 5. März 1915

Bekanntmachung zur Ausgabe von Markenkarten 

Bekanntmachung


Lippische Post - 6. März 1915

Ankündigung Lichtbilder-Vortrag "Augenblicksbilder aus dem Weltkrieg" 

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Paul Vietmeier an seine Mutter - 7. März 1915

"Beaucamps, Sonntag, 7. März 1915. Liebste Mutter! Ich danke dir vielmals für die Strümpfe & für die lb. Zeilen, die di den Zigarren beigefügt hast. Heute morgen war ich zur Kirche. Gerade war ich bei meinem Feldwebel & machte mir der die Mitteilung, daß, wenn weiter Rekruten nachgebildet würden, ich wieder dabei bleiben sollte. Ich glaube, las Entschädigung dafür, das ich noch kein Unteroffzier geworden bin. 3 mal bin ich im Laufe des Feldzuges schon dazu eingereicht, doch bewilligt es das Reg. nicht, weil alle etatsmäßigen Stellen voll sind. in der Heimat werden die Verwundeten, die wieder zur Front müssen, fast alle befördert & wir haben hier das Nachsehen. Na, mir ist es ganz egal was ich bin, meine Pflicht tue ich doch & die Kugeln treffen den einen wie den andern. Dankbar würde ich Dir sein , wenn Du mir mal 5 M im Briefe beilegen würdest. Hier kann man es gut gebrauchen. Furchtbar gespannt bin ich schon, was Ihr über meinen Bart schreibt. (d. h. auf dem Bilde) 1000 herzl. Grüße Dein dankb. Sohn Paul."

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Lippische Post - 8. März 1915

"Goldfrei" in der Töchterschule [heute:MWG] 

Bericht


Paul Vietmeier an seinen Bruder Fritz - 8. März 1915

"Beaucamps, 8. März 1915. Mein lb. Fritz! Wenn Du diese Karte bekommst wird es sicher entschieden haben, ob Du am 15. weg mußt oder nicht. Augenblicklich ist es hier furchtbar stürmisch & friert es auch etwas. Na, hier kann ich aber aushalten. Man sollte es nicht glauben, daß wir schon im März sind, die Zeit vergeht doch schnell. Herzl. Grüße Dein tr. Br. Paul." 

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Paul Vietmeier an seine Mutter - 9. März 1915

"Beaucamps, 9. März 1915. Liebste Mutter! In den letzten 4 Tagen erhält cih von Euch keine Postsachen & werde ich heute abend desto mehr erhalten. Meinen Bart habe ich mir in Lille abnehmen lassen & sehe jetzt wieder glatt, jung & vor allen Dingen sehr gut aus. Ich habe mich selbst gewundert, was für dicke rote Wangen ich habe. Das regelmäßige Leben tut mir doch sehr gut & werde ich mit jedem Tage frischer & gelenkiger & auch dicker. Augenblicklich ist es hier kalt & sehr windig, aber sonst wunderschönes Wetter. Es berührt einem ganz eigentümlich, ejtzt beim sparzieren die Bauern & auch unsere Bagage ackern & säen zu sehen. Nur das dumpfe Donnern der schweren Geschütze & je nach der Windrichtung, das heisere Bellen der Maschinengewehre erinnern einen an die Wirklichkeit. Sehr viel sieht man auch feindl. Flieger & gespannt beobachten wir, ob nicht mal einer von unsern Granaten getroffen herunterfällt. Vor einiger Zeit habe ich mal gesehen, wie einer gezwungen wurde, herunterzukommen. Leider landete er zu weit weg, um hinlaufen zu können. Wenn wir einen feindl. Flieger sehen, verhalten wir uns unbeweglich oder suchen irgendwo Deckung. Den in geschlossene Abteilungen werfen sie nur zu gerne Bomben & Pfeile. Wiederholt habe och schon gesehen, wenn sie Bomben werfen & kann man die Geschosse bis kurz über der Erde sehen. Sollte ich noch mal 4 - 5 Wochen hierbleiben, wird es inzwischen wohl Frühling werden & die schlimmste Jahreszeit ist vorüber. Neugierig bin ich schon, ob Fritz wohl zum 15. März eingezogen wird & was sie mit ihm anfangen. Walter schickte mir diese Tage Karten & Briefpapier. Sonst wüßte ich nichts besonderes: Gott befohlen Dein tr. & dankb. Sohn Paul." 

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Paul Vietmeier an seine Mutter - 10. März 1915

"Beaucamps, 10. März 1915. Liebste Mutter! Herzl. Dank für Deinen lieben Brief vom 2. desgl. für Fritz seinen & hier 2 Pakete mit Butter & Käse, Wurst & Zucker. Es freut mich sehr, daß Du Dich so über das Bild gefreut hast. Ich werde hier am 13. oder 20. d. M. abgelöst & ziehe dann wieder in den Schützengraben. Dann bin ich wenigstens wieder mit meinen alten treuen Kameraden zusammen. Das Wetter wird auch immer wärmer & bekomme ich da die Zeit schneller herum wie hier. Schreiben tue ich fast täglich an Euch, ich weiß aber oft nicht, was ich eigentlich schreiben soll. Von Carola bekam ich heute auch 2 Pakete & schreibt sie mir auch sonst sehr fleißig. Und nun 1000 herzl. Grüße Dein dankb. Sohn Paul." 

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Paul Vietmeier an seinen Bruder Fritz - 10. März 1915

"Beaucamps 10. März 1915. Liebster Fritz! Gestern erhielt ich Deinen lb. Brief vom 2. & sage herzl. Dank. An Mutter schrieb ich schon letzte Nacht unter dem heutigen Datum. Mir fällt erst jetzt, 1 Uhr nachmittags ein, das Du heute Geburtstag hast & gratuliere ich nochmals herzlich. Feiern werde ich ihn wohl nicht können, den[n] heute früh griffen die Engl. auf einer ziemlich großen Frontbreite an & wurden & wurden wir beim exerzieren weg alarmiert & haben größte Alarmbereitschaft. Bei unserm Reg. haben sie auch angegriffen, sind aber zurückgeschlagen & weiß ich sonst noch nichts genaues. Augenblicklich tobt noch ein entsetzlicher Geschützkampf & weiß ich noch nicht, ob & wo wir eingesetzt werden. Glauben möchte ich wohl, das wir bald wieder zurück in unser Quartier kommen, da ein abgeschlagener Sturm gewöhnlich sehr verlustreich ist & gewöhnlich nicht sofort wiederholt wird.- Über den guten Geschäftsgang freue ich mich sehr, leider habe ich heute morgen meine ganze Briefsachen aufgebrannt ( da man nur sehr wenig bei Alarm mittragen kann) sonst würde ich auf Einzelheiten eingehen. Sonst gehts mir gut. 1000 herzl. Grüße Dein tr. Br. Paul." 

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Paul Vietmeier an seine Mutter - 12. März 1915

"Beaucamps, 12. März 1915. Liebste Mutter! Seit vorgestern haben wir bald mit unserm Gepäck geschlafen, sind aber doch hier geblieben. Was sich bei La Bassée & weiter nach rechts, wo wir liegen, zugetragen hat, werdet Ihr aus den Zeitungen wohl besser wissen wie ich. Wir wissen nämlich meistens nur das, was sich vor unsern eigenen Schützengraben zuträgt & was man so aufschnappt. Letzteres ist aber meistens gelogen. Seit gestern tanzen hier die Mücken & ist es ziemlich warm & wird es jetzt erst ja wohl mal so bleiben. Postsachen erhielt ich die beiden letzten Tage nicht von Euch, wohl aber eine Karte von W. O. & E., wo sie alle drei aufstanden. Ich habe mich mächtig gefreut. Ernst sieht mächtig groß darauf aus, aber scheint doch schlanker geworden zu sein. Die Bärte von W. & Otto reichen aber nicht an meinen heran & werden die sich wohl sehr gewundert haben, als sie meine Karte bekam. Jetzt, wo ich wieder glattrasiert bin, gefällt er mir so besser, höchstens faße ich noch hin & wieder ans Kinn, um den Bart zu streichen. Sonst bin ich gesund & munter & guten Mutes. - Wäsche & Strümpfe braucht Ihr mir vorläufig nicht zu schicken. Ich schreibe schon früh genug. Herzl. Grüße für Fritz, hanne & sonstige Bekannte & bleibe ich Dein tr. Sohn Paul." 

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Lippische Post - 12. März 1915

Herausgabe einer Predigtsammlung in der Meyer'schen Hofbuchhandlung zum Krieg

 Bericht


Paul Vietmeier an seine Mutter - 13. März 1915

"Beaucamps, 13. März 1915. Liebste Mutter! Heute bekam ich Deinen lb. Brief vom 7. & Karte vom 6. & außerdem Hannes Brief vom 5. März. Für alles herzl. Dank. Walter schrieb mir auch eine Karte v. 7. Hier tobt auf der ganzen Linie der Kampf. Tag & Nacht mit entsetzlicher Erbitterung Edwink wird wohl einen traurigen Geburtstag gefeiert haben. Soviel ich weiß, sind Teile von Reg. 15. schwer im Gefecht. Meine Komp. ist auch gestern morgen alarmiert & gegen 5 Uhr nachmittags eingesetzt, d. h. ins Gefecht gekommen. Es ist das erste mal, daß ich nicht dabei bin & bin ich garnicht recht zufrieden, daß ich fehle. Hoffentlich leiden meine treuen Kameraden nicht zuviel. Es ist so traurig, wenn nach einem Gefechte bekannte Gesichter fehlen. Wenn die Lücken auch immer wieder aufgefüllt werden, an die neuen Gesichter kann man sich schlecht gewöhnen. Montag den 15. haben wir Besichtigung & werde ich dann wieder in den Schützengraben ziehen, d. h. wenn meine Komp. dann schon wider zurück ist. Über Eure Briefe habe ich mich sehr gefreut. Es ist ein beruhigendes Bewußtsein, zu hause alles wohl zu wissen. Mein Bart scheint ja große Anerkennung gefunden zu haben. Für Fritz will ich das Beste hoffen. Sonst bin ich gesund & munter. Herzl. Grüße & Gott befohlen Dein dankb. Sohn Paul." 

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Paul Vietmeier an seinen Bruder Fritz - 15. März 1915

"Beaucamps, 15. März 1915. Mein lb. Fritz! Heute abend ziehe ich wieder in den Schützengraben. Wetter ist ziemlich gut & regnet es auc nicht mehr soviel. Und so werde ich es im Schützengraben schon aushalten können. Sonst bin ich gesund & munter. Gestern bekam ich ein Paket mit Wurst vom 6. Herzl. Dank. Gott befohlen Dein tr. Br. Paul." 

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Paul Vietmeier an seine Mutter - 17. März 1915

"Beaucamps, 17. März 1915. Liebste Mutter! Vorgestern abend bin ich wieder in den Schützengraben gezogen & heute morgen schon wieder heraus. Ich habe gerade soviel Zeit gehabt, um alle meine Bekannten zu begrüßen. 2 Nächte mal wieder nicht zu schlafen & auch probiert, ob ich noch auf Patroille gehen konnte. Es ging noch alles. Ich bilde also wieder Rekruten aus. Habe aber so eine Ahnung, als wenn es diesmal nicht solange dauert, wie das letzte Mal. Vielleicht wird unser Korps verschoben. Ob es sicher ist & wohin, ist uns natürlich ein Buch mit 7 Siegeln. Die Engl. haben sich wieder etwas beruhigt. Vor ein paar Tagen soviel ich mal, das meine Komp. arg im Gefecht sein. Wunderbarereweise haben wir keinen Mann verloren. Das Regt, wo wir zur Unterstützung waren, war von 48 Batl. Engl. angegriffen, also von ungefähr 15facher Uebermacht. 2 Batl. des Regts. hielten den Anprall aus & warfen die Engl. unter fürchterlichen Verlusten zurück. Das 3. Batl. wurde ersr überrannt & hatte sehr schwere Verluste. Der Rest warf mit Unterstützung die Engl. aber wieder zurück. Bei unserm Regt. haben die Engl. lange nicht angegriffen. Das letzte Mal kurz vor Weihnachten, wo am anderen Morgen allein vor einer Komp. über 400 Tote lagen. Dies haben sich die Engl. scheinbar sehr gemerkt. Kürzlich haben wir mal ein paar Engl. erwischt. Diese wollten feststellen, wo sich die Flügel unseres Reg. befanden & sagten diese aus, sie wollten in unserer Nachbarschaft & nicht wieder den 55ern in die Finger fallen. Weihnachten hatten die Engl. zur Bestattung ihrer Taten eine kurze Waffenruhe bekommen & hatten sich mit unsern Regt. unterhalten & sich wohl die Nr. gemerkt. Heute ist ein ganz wunderbarer Tag. Sonst geht's mir gut. Herzl. Grüße Dein tr. Sohn Paul. Soeben erhalten wir Befehl zum Fertig machen & werden wir jetzt wohl sicher verschoben. Mit dem Rekr. ausbilden wird es dann wohl wieder vorbei sein." 

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Lippische Post - 17. März 1915

Der Vaterländische Frauenverein kündigt einen Kochkurs für die Kriegsküche an 

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Lippische Post - 18. März 1915

Vortrag "Über die Volksernährung im Kriege" (Pastor Zeiß aus Schwalenberg) 

Bericht


Paul Vietmeier an seine Mutter - 19. März 1915

"La Mollès, 19. März 1915 Liebste Mutter! Herzl. Dank für Deine & Hannes Karte vom 13. Außerdem nach hier andere Briefe von vorher & 2 Pakete. Die Daten weiß ich so genau nicht mehr. Die letzte Nacht war mal wieder so richtig eine von denen, die man nie vergißt. Um 7 Uhr rückte ich mit einem Kommando von 12 Mann nach unsern Schützengraben, um Sachen abzunehmen. Die Sache verzögerte sich sehr & gegen 2 Uhr nachts hatte ich alles wegschaffen lassen. Da wir schon um 11 Uhr in dem 8 km entfernten F. - sein mußten, hatte ich meine Leute zur Vorsicht schon weggeschickt. Um 2 Uhr hatte ich die letzte Fuhre aufladen lassen (es waren Handgranaten) & in rasender Fahrt ging es unserer Truppe nach. Der Gespannführer kannte die gegend nicht & in der entsetzlichen Finsternis mußte ich scharf aufpassen, daß ich die Richtung nicht verlor. Durch zerschossene Ortschaften, über Feldwege ging es unserm Ziele zu. Dabei mußte man immer eine geheime Angst haben, daß der Wagen kippte oder in die Brüche ging. Was ziemlich gleichbedeutend mit in die Luft fliegen war. Den die Handgranaten entzünden sich sehr leicht. um 3 Uhr erreichten wir unsern Bestimmungsort & unser Batl. Meine Komp. war noch nicht da. Sie traf erst um 8 Uhr morgens ein & haben wir bis dahin auf der Straße gelegen. Es war sehr kalt & ein entsetzliches Schneegestöber. Dann marschierten wir weiter & um 1/2 11 Uhr kamen hier in Quartier & haben wir gleich bis 4 Uhr nachmittags geschlafen. Mit 11 Mann liegen wir in einem Raum, so groß wie die Speisekammer bei Euch. Morgen ma[r]schieren wir weiter & kommen wahrscheinlich für ein paar Tage in Korpsreserve. Bestimmtes weiß man natürlich nicht. Wir sind hier in der Nähe von La Bassee. Sonst bin ich gesund & munter & guten Mutes. Herzl. Grüße Dein tr. Sohn Paul." 

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Lippische Post - 20. März 1915

Ergebnis der 2. Kriegsanleihe 

Notiz


Lippische Post - 22. März 1915

Ankündigung eines Lichtbilder - Vortrages zur Schlacht bei Saarburg 

Ankündigung


Paul Vietmeier an seine Mutter - 23. März 1915

"Marquillies, 23.3.1915. Liebste Mutter! Wir liegen hier noch im Quartier. Sind mal wieder neu eingeteilt & bin ich zwischen meinen alten Kameraden weggekommen. In meiner neuen Korporalschaft sind nur noch 4 alte Leute, 2 schon verwundet gewesen. Das andere sind Freiwillige & Rekruten. Wir sind ungefähr noch mit 40-50 Mann, die mit der Komp. aus Detmold ausgerückt sind, alles andere Landwehr, Freiwillige & Rekruten. Als erfahrene Krieger sind wir gleichmäßig zwischen die Rekr. verteilt. Morgen abend müssen wir in den Schützengraben, wie lange & mit welcher Ablösung wissen wir noch nicht. Wir kommen an wichtige Punkte zu liegen & sind die meistens ziemlich gefährlich. Daß macht uns aber wenig Sorge, unser Herrgott wird schon mit uns sein. Die letzten Tage war das Wetter wunderbar schön, heute regnet es mal wieder etwas. Im Allgemeinen ist das Wetter aber doch schon besser & wärmer geworden. Wie heißt die Adr. von W. O. & E. jetzt, ich glaube, sie hat sich verändert? Das Abnehmen meines Bartes hat mir bis heute noch keine Zahnschmerzen eingebracht & wird es hoffentlich auch ferner nicht tun. Der "Rotbart" bin ich aber trotzdem geblieben. Körperlich befinde ich mich sehr wohl & bin auch sonst gut zufrieden. Gestern & heute bekam ich noch keine Post von Euch. Herzl. Grüße Dein dankbarer Sohn Paul." 

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Lippische Post - 24. März 1915

Erweiterung der LWG (Lippische Wirtschaftsgemeinschaft)  

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Paul Vietmeier an seine Mutter - 25. März 1915

"Marquillies, 25.3.1915. Liebste Mutter! Herzl. Dank für Brief vom 19. von Hanne. ich freue mich stets sehr von Euch gutes zu hören. Kürzlich bekam ich von Dir eine Karte die für Otto bestimmt war & Hanne wohl die Adr. verwechselt aht, gefreut habe ich mich aber doch. Gestern schickte ich kleine Wollsachen an Dich ab. Sonst bin ich gesund & munter. Gott befohlen Dein tr. Sohn Paul Vietmeier" 

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Paul Vietmeier an seinen Bruder Fritz - 27. März 1915

"27/3 1915. Mein lb. Fritz! Gestern nacht erhielt ich Paket vom 17. mit Wurst & Karte von Ernst. Wetter ist ziemlich kalt aber regenlos. Wie geht's Geschäft? Gott befohlen Dein tr. Br. Paul." 

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Paul Vietmeier an seine Mutter - 28. März 1915

"In der Nacht auf Palmsonntag geschrieben 1915. Liebste Mutter! Ich liege mit meiner Gruppe auf Schnüffelposten. Das heißt auf vorgeschobenen Posten. In der Mitte zwischen unsern Graben & den die Engl. liegen an einer Straßedie traurigen Reste eines Dorfes & haben wir uns in einer Ruine eingerichtet. Bei einem Angriff der Engl. haben wir Alarm zu schlagen & müssen ohne Rücksicht auf uns solange feuern, bis wir sicher sind, das der Graben völlig bereit ist & können uns dann zurückziehen. Sobald das Feuer von hinten aufgenommen ist, kann ich mit meinen Leuten auf einem bestimmten Wege zurück gehen. 24 Stunden liege ich hier & da ich des Nachts nicht schlafen darf, schreibe ich. In einem Keller haben wir uns etwas Stroh geschleppt & alles verhängt, damit kein Lichtschein nach außen dringt. Es ist unheimlich düster zwischen den Trümmern einstigen Lebens & Ratten & Eulen hausen hier in großer Anzahl. Ein Segen ist es doch, das der Krieg in Feindesland ist. Wenn man hier einst blühende Städte & Dörfer in Schutthaufen & dazwischen Grab an Grab sieht, versteht man erst so recht, was Krieg bedeutet. Von den letzten Kämpfen liegen hier noch Tote herum & wie Diebe schleichen wir uns heran, nur um unsere Kameraden beerdigen zu können & muß selbst noch lange sein, dabei wiedergeschaffen zu werden. 3 Bayern haben wir diese Nacht schon begraben. Heute in 8 Tagen ist schon Ostern & weiß ich selbst nicht, was ich Dir Gutes dazu wünschen soll. Wenn Du diesen [...] hast, so kannst Du sicher sein, das ich die Tage im Geiste mit Euch erlebe. Gott befohlen Dein dankbarer Sohn Paul." 

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Paul Vietmeier an seine Mutter - 30. März 1915

"30.3.1915, den 5. Tag im Schützengraben. Liebste Mutter! Es ist jetzt 3 Uhr nachmittags & bin ich gerade aufgestanden, habe mich sogar schon gewaschen & Kaffee getrunken. Wenn uns die Engl. nicht so arg befunken, können wir ganz aus der Nähe auch am Tage Wasser holen, was sehr viel wert ist. Um diese Zeit wird es allmählich lebendig im Graben. Bis jetzt schläft fast alles. Dann wird Kaffee gekocht, Gewehr gereinigt, geschrieben & ein bischen die Nachbarhöhlen besucht. Gegen abend wird der Betrieb sehr lebhaft. Wir Gruppenführer müssen zu unseren Zugführer (einen Off. Stellvertr.) & empfangen Befehle für die Nacht. Bekommen auch oft eine Zigarre, einmal eine wirkliche, andermal eine von der Sorte, die absolut nicht schmecken. Sind wir hier entlassen, dann teilen wir unsere Gruppe ein. Posten, Essen-Brot-Post- & Holzholer. Und dann kommt abend für abend der berüchtigte Befehl, die Nacht wird durchgearbeitet. Da müssen die Brustwehren verstärkt werden, Unterstände gebaut, Drahtverhaue angelegt & wer weiß was alles. Wir haben 6 Gruppen im Zuge & lösen sich die Gruppenführer die Nacht hindurch mit Dienst ab. Wenn man Dienst hat, ist man verantwortlich für die richtige Anzahl Posten. Gleichzeitig muß man das Arbeiten überwachen. um 48 Mann bei Nacht zu überwachen, ist sehr schwer. Wenn man die Posten & Arbeiter zählt, fehlen [...] Wirft man die Drückeberger dann aus den Unterständen heraus, laufen einem die anderen inzwischen wieder weg. Aber da die Nächte wunderbar hell & klar sind, macht es trotzdem viel Spaß. Man kommt oft die ganze Nacht nicht aus den Lachen heraus. Ruhe gibt es eigentlich nicht. Bis 12 Uhr nachts werden Sachen empfangen & wenn man dann noch Dienst hat, ist es mit dem Schlafen vorbei. Von 4 Uhr ab steht die ganz Komp. fertig zum Schuß im Graben. Die Morgenzeit ist die Gefährlichste. um 6 Uhr ist es hell & dann ziehen die Tagesposten auf. Es wird Kaffee oder meistens Kakao getrunken & dann wird geschlafen. Des Nachts schläft sich aer doch besser wie Tags. Die Verpflegung ist ziemlich gut. Des Abends zwischen 8 & 11 UHr haben wir warmes Essen von der Feldküche. Weil das Gemüse selten wird, gibt es meistens Reis oder Graupen. Auch öfter Erbsen & Bohnen, die sehr gern gegessen werden. oft gibt es Sachen, für die wir keinen Namen wissen, man kann sie aber essen. Außerdem gibt es Tee, Kaffee oder Kakao, die wir uns selbst kochen, dazu reichlich Zucker & auch Schmalz, Käse & Speck. Die letzten Tage gabe es sehr wenig Brod. Oft nur 1500 Gramm für 9 Mann & wieviel dabei jeder bekommt, könnt Ihr Euch denken. Es gibt dann allerdings noch Zweiback, den ißt man sich aber sehr schnellleid & sättigt auch nicht gut. Wenn wir auch noch so wenig Brod & Zwieback bekommen, ich teile es mir immer so ein, daß ich stets was habe. Die Rekruten, die noch kein Hungern gewohnt sind, werden wohl mal Hunger leiden. Nach ein paar Tagen wird es aber meistens schon wieder besser,. Mit der Wurst, die Ihr mir schickt, komme ich aus. Die Kameraden, die nichts geschickt bekommen, empfangen von den Komp. desto mehr wie wir & haen wir so meistens alle was. Einer hilft den anderen & so hilft sich alles. Morgen mehr. Gott befohlen & herzlichste Grüße Dein tr. Sohn Paul." 

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Paul Vietmeier an seinen Bruder Fritz - 1. April 1915

"Im Schützengraben, 1. April 1915. Lieber Fritz! Heute ist ein Tag, gerade wie vor 8 Monaten. Wunderbar klar & sonnig & das es windstill ist, ist es warm. Gestern um Mitternacht traf ich auf einer meiner nächtlichen Schützengräben Spaziergänge Edwin Kemper. Er lag mit seiner Komp. ungefähr 3km rechts von uns im Graben & fand ihn auch glücklich. Seid Belgien hatte ich ihn nicht mehr gesehn. Er ist wirklich dick geworden & sieht sehr gut aus, bedeutend besser wie früher. Wir haben uns schnell alles erzählt & uns sehr gefreut. Herzl. läßt er grüßen. Schade, daß er so weit weg liegt, des Nachts käme man auch nur mit ach & krach hinkommen & muß noch öfter kriechen. Vor allen Dingen kann ich nicht immer des Nachts 3 - 4 Stunden einfach verschwinden. Unsere Stellung ist gefährlich aber sonst sehr schon ausgebaut & kann man sich sehr frei bewegen. Das hin & wieder Verluste eintreten, läßt sich leider nicht vermeiden. Vor einigen Tagen ist auch ein Utfz. d. R. Lewecke aus Lemgo bei meiner Komp. leicht verwundet. Du wirst ihn wohl kennen, er war Reisender bei Brinkhof. Im Januar kam er mit Ersatz zu unserer Komp. Gerade hat mich Brake & Lemgo aus Reg. 55 besucht. Ich selbst gehe jeden Nachmittag 2 - 3 Stunden auf Visite & treffe auch stets Bekannte. Walter kann mir wohl bitte ein ordentliches Taschenmesser besorgen & auch bitte um etwas Fenchelöl. Was macht das Geschäft? Hoffentlich bleibst du da. 3 Tage habe ich jetzt nach der Reise einen Brief geschrieben & weiß jetzt nichts mehr. 1000 herzl. Ostergrüße Dein tr. Br. Paul." 

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Paul Vietmeier an seinen Bruder Fritz - 3. April 1915

"Im Kuhstall der Ferme? 3. April 1915. Lieber Fritz! Herzl. Dank für Paket vom 25. mit Wurst & kaffee. Die Ostertage werde ich festlich begehen, wenn es auch nur im Kuhstall, mit lieblichen Tierchen, wie Ratten & Läuse es sind, ist. Heute morgen gewaltige Knallerei, hat uns wenigstens unfreiwillig aus dem Stroh gebracht. Sonst geht's mir gut Gott befohlen Dein Paul. Sonntag vor Ostern" 

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Paul Vietmeier an seine Mutter - 4. April 1915

"Ferm? Ostersonntag, 4.4.1915 Liebste Mutter! Gestern nacht habe ich im strömenden Regen mit meiner Gruppe Unterstände gebaut. Sicher das erte Mal, daß ich in der hl. Osternacht gearbeitet habe. Heute morgen um 2 Uhr waren wir fertig & zogen in unsern Stall. Die vorhandene Post lies uns die nassen Sachen vergessen. Ich hatte das Paket mit Eiern, ein Paket von Carola & Briefe & Karten dabei. Die Eier sind alle heil geblieben & habe ich mir schon 2 geschlagen & haben sie mir sehr gut geschmeckt. Bis heute nachmittag 2 Uhr habe ich trotz Ratten & Läuse gut geschlafen. Dann habe ich mich zur Feier des Tages rasiert & ordentlich gewaschen. Nach Insekten habe ich dabei auch geforscht, aber glücklicherweise nichts gefunden. Das Ostern ist, will mir garnicht in den Sinn, man merkt es an rein garnichts & entbehrt man es darum auch wohl nicht so. Geschossen wird gerade wie sonst auch & unserer Komp. hat es dabei noch traurig ergangen. Gegen 4 Uhr schlug eine Granate in unsern Hof & wurde von der Wache ein Mann getötet & ein weiterer schwer verwundet. Ersteren habe ich die Sachen abgenommen & die Augen zugedrückt. Das Letzte, was ich ihm & seinen Angehörigen zur Liebe tun konnte. An einem solchen Tage wie heute darf man granicht darüber nachdenken. Es mag hart & grausam erscheinen, aber jetzt erzählen wir uns schon wieder die lustigsten Geschichten. Wenn es einem auch schwer fällt, Kopf hoch & eine zuversichtliche Miene aufgesetzt, man richtet dadurch die schwachnervigen wieder mit auf. Es ist Krieg & damit muß man sich abfinden. Das Wetter ist schlecht. Sonst geht es mir gut. Gott befohlen Dein tr. Sohn Paul." 

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Paul Vietmeier an seine Mutter - 5. April 1915

"Ostermontag, 5.4.1915. Liebste Mutter! Heute habe ich ziemlich lange geschlafen, nämlich bis 2 Uhr nachmittags. Na, ich brauche ja auch nicht zu befürchten, das ich das Mittagessen versäume. Für Deinen lieben Brief vom 29. danke ich Dir herzlichst. Bei meinen alten Kameraden bin ich wohl weggekommen, aber im Schützengraben & noch mehr in Ruhe besuche ich & sie mich täglich. Was die Gefährlichkeit der Stellung anbetrifft, ist es auch men [?] halb so schlimm. Die Gräben sind bedeutend besser als in unseren früheren Stellungen & Wasser haben wir nur sehr wenig drin. Wenn es augenblicklich auch wieder etwas viel regnet, so ist es im allgemeinen doch wärmer & besser wie sonst. In den letzten 8 Tagen hat meine Komp. 3 Tite & 3 Verwundete. Oft traten wochenlang keine Verluste ein & dann wieder auf einmal. Daß es den 3 lieben Kriegsbrüdern gut geht, freut mich sehr, ich schreibe mich mit Ihnen auch öfters. Gute Kameraden habe ich hier auch & bin allgemein beliebt. Wie du ja weißt. bin ich früher auch viel allein gewesen & kann es auch heute noch ganz gut aushalten. Das Ihr noch nicht gärtnern könnt, glaube ich Euch gern. Blitz sieht das mit den Büchen gerade so ähnlich, rückt ihn nur mal tüchtig auf's Fell. Walter wird jetzt a [Fehlstelle] schon bei S. + Th. sein & will ich ihm wünschen, daß es ihm recht gut dort gefällt. Carola schreibt mir auch fleißig. Die 5 Mk habe ich erhalten, besten Dank. Ich bin gesund & munter & guten Mutes. Tausend herzl. Grüße Dein tr. Sohn Paul." 

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Paul,Vietmeier an seinen Bruder Fritz - 6. April 1915

"6. April 1915. Mein lieber Fritz! Heute sind unsere Reservetage in der alten Ferme vorbei & ziehen heute abend wieder in den Graben. Ich will auch lieber im Graben sein, als sich hier von den Engl. beschießen lassen. Regnen tut es leider mal wieder reichlich, na, es wird schon wieder aufhören. Sonst geht's mir gut. Dein tr. Bruder Paul Vietmeier."  

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Paul Vietmeier an seine Mutter - 8. April 1915

"Im Schützengraben, 8.4.1915. Liebste Mutter! Gestern habe ich mal nicht geschrieben, bekam aber Dein Paket vom 30.3. mit Wurst. Herzl. Dank. Es hat tüchtig die letzten Tage geregnet & haben wir tüchtig mit dem Wasser [zu] tun. Arbeiten macht ja nicht viel Spaß, aber die Zeit geht schneller herum. Bei klarem Wetter wird es erst um 1/2 9 Uhr dunkel & des Morgens um 1/2 6 ist es hell. Also werden einem die Nächte auch nicht mehr so lange. Briefpapier fehlt mir ganz. Sonst geht's mir gut. Herzl. Grüße Dein tr. Sohn Paul." 

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Paul Vietmeier an seine Mutter - 9. April 1915

"Im Schützengraben, Freitag 9/4.1915. Liebste Mutter! Seit Dienstagabend sind wir wieder im Schützengraben & bleiben bis nächsten Mittwoch drin. Das Wetter ist recht aprilmäßig, Regen Sonnenschein & Schnee wechseln fleißig miteinander ab. Gestern abend bekam ich Deine lb. Karte von Karfreitag & Wurstpaket vom 1.4. Die Pakete werde ich in letzter Zeit wohl alle erhalten haben, dagegen scheinen die Briefe & Karten noch zu wandern. Na, der Osterverkehr wird das wohl die Schuld haben. Sonst bin ich gesund & munter. Heute nachmittag hat uns die Artillerie tüchtig befunkt, Gott sei Dank mein Zug ohne Verluste. Gott befohlen Dein tr. Sohn Paul." 

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Paul Vietmeier an seinen Bruder Fritz - 11. April 1915

"Im Schützengraben, 11.4.1915. Lieber Fritz! Ein wunderbarer Sonntag nachmittag. Die Lerchen singen um die Wette & die Engl. schießen mehr wie gewöhnlich mit Dicken. Es ist eigentümlich, daß gerade die Sonntage immer besonders gefährlich sind. Gestern bekam ich Euer Paket vom 3. Herzl. Dank. Sonst geht's mir gut. Dein tr. Br. Paul." 

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Nachricht über den Tod Paul Vietmeiers - 14. April 1915

"Schützengraben, den 14. April 1914[5]. Werte Frau Vietmeier! Es ist ja leider das erste Mal, daß ich Ihnen aus dem Felde schreibe, aber jetzt fühle ich mich dazu gewzungen u. verpflichtet. Ihr lieber Sohn Paul kann Ihnen leider keine tröstliche Mitteilungen mehr zu kommen lassen. So schwer es mir ja wird, so geht's doch nicht anders, Ihnen zu eröffnen, daß Paul gestern morgen von einer tödlichen Kugel getroffen wurde. Es war gegen 1/2 6 Uhr früh, als alles an die Gewehre gerufen wurde. Kurz darauf erhilet Ihr lieber Sohn einen Kopfschuß, infolge er seinen Geist sofort aufgab. Gelitten hat er weiter nicht mehr.  Sein Tod war kurz u. schmerzlos. Das dürfte auch für sie, liebe Frau Vietmeier, einigermaßen beruhigend sein. Wir stehen hier ja alle jede Stunde u. Minute in Todesgefahr u. neimand weiß, wer im nächsten Augenblick getroffen wird. Trösten Sie sich mit Gott, u. ich will wünschen u. hoffen, daß Ihnen Ihre andern Söhne erhalten bleiben. Zu dem schmerzlichen Verluste Ihres Sohnes Paul spreche ich Ihnen wie meiner Kameraden herzlichtes Beileid aus. Ungern haben wir ihn ja auch hier scheiden sehen. Er war allen ein lieber Kamerad. Aber Gott hat es anders gewollt. Auch m. diesem Gedanken trösten sie sich. Er starb ja auch für Sie u. fürs Vaterland. Wann u. wo er beerdigt wird, steht zur Stunde noch nicht fest. ich werde Ihnen, so Gott es will, in den nächsten Tagen genauere Mitteilungen machen. Bis dahin verbleibe ich unter nochmaliger Versicherung meines herzl. Beileids Ihr G. Havergoh." 

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Zeitgenössische Fotoaufnahmen von Paul Vietmeiers Grablege in Marquillies


Fotoaufnahme, vermutlich Trauerfeier für Paul Vietmeier


Ernst Stock an Pauls Mutter - 15. April 1915

"Marquillies, 15.4.1915. Werte Frau Vietmeier! Sie werden wohl schon erfahren haben, daß Ihr lieber Sohn Paul am 13.4. morgens 6 Uhr gefallen ist. Paul war mein bester Freund, wir waren stets zusammen nur seit unegfähr drei Wochen wurde die Komp. neu eingeteilt, und Paul kam zu einen anderen Zug, aber dennoch statteten wir täglich Besuche ab, um uns gegenseitig die Neuigkeiten aus der Heimat mitzuteilen. Alle Sachen, die Paul bei sich hatte, hab' ich den Kom. Feldwebel abgegeben, hoffentlich sind, oder werden sie noch in Ihren Besitz gelangen. Die Briefe, welche an Paul adressiert sind, und hier ankommen nehme ich an, und sende sie Ihnen zurück. Paul hat es nähmlich so angeordnet, ich sollte alle Seine Sachen annehmen, was Pakete anbelangte, sollte ich behalten. Erlaube mir, die Pakete, welche jetzt noch für Paul ankommen, anzunehmen, und an bedürftige Kameraden zuverteilen. Hoffentlich ist Ihnen das angenehm. Paul ist auf dem Friedhof von Marquillies mit allen militärischen Ehren beerdigt. Wir sind gestern Nach abgelöst, und liegen 4 Tage hier in Ruh. Die ganze Komp. hat an der Beerdigung teil genommen. Morgen werde ich sein Grab in Ordnung machen, und werden Sie in nächster Zeit ein Bild vom Grab erhalten. Ihr ältester Sohn wird mich wohl kennen. Mein Name ist Res. Ernst Stock Lemgo. Teile Ihnen mein tiefgefühltes Beileid mit. Er ruhe in Frieden." 

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Beileidsbekundung des Neffen von Pauls Mutter - 16. April 1915

"Halpegarbe, 16.4.15. Liebe Tante! Tieferschüttert habe ich soeben die traurige Kunde von Paul vernommen, Heinrich Niebuhr war eben bei mir. Ich beeile mich, dir meine innigste Teilnahme zu dem überaus schmerzlichen Verluste auszusprechen. Gott möge Dich trösten, es ist sein unerforschlicher Ratschluß und wir wissen nicht, wofür es gut ist. Jedenfalls kannst du stolz auf Paul sein, der bis zuletzt seine Pflicht tat und sein Leben fürs Vaterland ließ. Wer hätte das geahnt, als er mich vor ca. 14 Tagen eines Nachts im Schützengraben besuchte und wir uns mit dem leichthin gesprochenen "Auf Wiedersehn" die Hand gaben! Ja, so ist das Soldatenleben und wer weiß, wie bald es mich trifft. Paul liegt in Marquillies begraben und ich werde bei nächster Gelegenheit sein Grab aufsuchen. Ich habe auch Niebuhr das Versprechen abgenommen, daß das Grab in Ordnung gebracht wurd u. möglichst photographiert wird. Ich werde mich davon überzeugen und darum kümmern. Ich glaube, es wird dir zur Freude gereichen, wenn du eine Ansicht vom Grabe erhälst. ich werde dir noch darüber schreiben. Also nochmals, Gott sei mit dir in deinem Schmerz u. tröste Dich. In tiefem Schmerz u. Beileid verbleibe ich Dein Neffe Edwin. Sprich auch bitte Fritz, Johanne u. Walter mein Beileid aus." 

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Beileidsbekundung des Feldwebels Hugo Möllenbrok an Pauls Mutter - 24. April 1915

"Gr. Moisuil, d. 24.4.15. Geehrtes Fräulein! Ich erhielt soeben Ihren Brief v. 19.4. u. teile Ihnen hierdurch mit, daß Ihr Paul hinter der Kirche zu Marquillies an der Friedhofsmauer beerdigt liegt. Ich habe von einem Tischler in der Komapgnie ein dauerhaftes Kreuz anfertigen lassen, weiß streichen lassen u. mit schwarzer Lackfarbe stehen darauf die Worte: "Den Heldentod für sein liebes Vaterland starb Gefreiter Vietmeier 11. Komp. I.R. 55 Ruhe sanft!" Das Grab ist also jederzeit zu finden. Der Leichenzug wurde s. Zt. von einem Arzt photographiert, desgl. das Grab. Ich habe einen Unteroffizier beauftragt, Ihnen ein Bild davon zuzusenden, wenn dies irgend angängig ist. Ich kenne genau den Schmerz der Angehörigen, zumal auch ich schon 1 Bruder u. 2 Vettern verlohren habe und bin deshalb stets nach Kräften bestrebt, soweit es sich unter diesen schwierigen Verhältnissen ermöglichen läßt, die Aneghörigen durch diesen letzten Liebesdienst zu erfreuen. leider kann nicht jedem Gefallenem ein so schönes Begräbnis zuteil werden. Wir haben an Ihrem Paul wirklich einen tüchtigen Soldaten u. treuen Kameraden verlohren, der sich allegmeine Beliebtheit erfreute. Mit herzlichem Gruße in stiller Teilnahme Ihr ergebener Hugo Möllenbrok Feldwebel 11/55." 

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