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Aktivitäten 2021

Der Mann „vor“ der Lemgoer Altstadtsanierung – Harald Deilmann als Architekt und Städteplaner - Zoom-Vortrag am 08. Mai 2021

Im Herbst 2020 wurde die Lemgoer Realschule am Heldmanskamp unter Denkmalschutz gestellt. Den Architekten dieses Bauwerks Harald Deilmann (1920 – 2008) verbindet man in Lemgo aber v. a. mit dem Konzept einer tiefgreifenden Sanierung der Lemgoer Altstadt Ende der 1960er Jahre, das eine Verdoppelung der damaligen Einwohnerzahl innerhalb der Wälle, die Schaffung von zahlreichen innerstädtischen Parkplatzen (ober- und unterirdisch) und den Abriss eines Teils der Bebauung im Stadtzentrum vorsah.

Wer war dieser Architekt Deilmann, dessen Vorschläge zur Sanierung in Lemgo anfänglich einheitlich positiv aufgenommen und dann zunehmend in die Kritik gerieten? Wie ist er und seine Arbeit einzuordnen? Was zeichnete seine städtebaulichen Ansätze und Gutachten aus?

Der Architekt und Journalist Stefan Rethfeld geht diesen Fragen in seinem Zoom-Vortrag zum Tag der Städtebauförderung am 8. Mai 2021 ab 16 Uhr nach.

Zugang zum Zoom-Meeting erhalten Sie über den nachfolgenden Link:

https://zoom.us/j/95120998738?pwd=elFhKzUwNm5mUk5JVWNBYmJOd0R4Zz09

Meeting-ID: 951 2099 8738

Kenncode: 526350

Die Teilnahme ist kostenlos. Im Anschluss können Sie über Zoom auch gerne Fragen an den Referenten richten.


Geschlechterdiskriminierung im Lemgoer Handwerk des 17. Jahrhunderts? Ein Beitrag zum Internationalen Frauentag am 8. März 2021

Am 22. Dezember 1663 erschien der Leinenweber Friedrich Sievert vor Bürgermeister und Rat der Stadt Lemgo und beschwerte sich darüber, dass seiner Tochter Ilsabein die Aufnahme in die Lemgoer Zunft der Leinenweber verwehrt würde, obwohl sie das Handwerk bei ihrem Vater erlernt habe und es durchaus Brauch sei, dass auch Frauen „Zunftschwestern“ neben ihren „Zunftbrüdern“ werden konnten. Ein Diskriminierungsfall im frühneuzeitlichen Lemgo? Dies ist zumindest zu vermuten, auch wenn der genaue Grund, warum Ilsabein Sievert nicht in die Zunft aufgenommen werden sollte, im Vorgang nicht erwähnt wird, aber der weitere Zusammenhang des Falles deutet darauf hin.

Zünfte (in Lemgo zumeist Amt genannt) waren seit dem Mittelalter berufsständische Zusammenschlüsse von Handwerkern, deren Mitgliedschaft zwangsweise erworben werden musste, um ein Handwerksgewerbe in einer Stadt ausüben zu dürfen. Der Eintritt in die Zunft (in den Quellen wird dieser Vorgang als „innung“ bezeichnet) erfolgte durch Geldzahlungen. Abweichend von den anderen Zünften oder Gilden in Lemgo, nahm die Leineweberzunft auch berufstätige Frauen auf, die zu einem geringeren Betrag die „halbe Zunft innigen“ konnten. Dies geht bereits aus den ältesten Zunftstatuten hervor, die das Innen- und Außenverhältnis der Zunft regelten. Das Weben von Leinen war in Land und Stadt halt nicht nur Männersache und im Lemgoer Raum sehr verbreitet. Die Aufnahmeverweigerung gegenüber Ilsabein Sievert war also eigentlich ein klarer Rechtsverstoß. Ihr Vater suchte wohl auch deswegen Hilfe beim Lemgoer Rat und den beiden Bürgermeistern, die als städtische Obrigkeit auch die Aufsicht über die Zunftangelegenheiten ausübten. Sievert führte zur Begründung Fälle anderer Ehefrauen und Töchter an, bei denen eine Zunftaufnahme bereits erfolgt war. Letztlich folgten Rat und Bürgermeister der Auffassung Sieverts („nach eingenommenem Bericht undt Kundtschafft“) und wiesen die beiden amtierenden Zunftdechen (Vorsteher) Johannes Mackenberg und Hermann Orth an, Ilsabein Sievert und andere, die das Gleiche begehren, in die Zunft aufzunehmen und die Anderen nicht zu stören oder bei ihrer Arbeit zu behindern. Die damalige Stadt Lemgo setzte sich also für Gleichberechtigung ein, wobei die Einhaltung der hergebrachten Rechtsnorm für die Stadtspitzen vermutlich ausschlaggebender war.

Inwieweit ein möglicher (zunftinterner) Konflikt zwischen den Dechen Mackenberg und Orth, die sich gegen Sieverts Tochter quer gestellt hatten, und Friedrich Sievert, der ebenfalls Deche wie seine Kontrahenten war, in die Angelegenheit hineinspielte, bleibt ungewiss. Aus anderen Quellen wissen wir aber, dass Mattenberg 1664 Vormund der Tochter aus der ersten Ehe des Hermann Orth war. Es bestanden also freundschaftlich-familiäre Beziehungen bei diesem Dechen-Duo. Bei der turnusmäßigen Wahl der Dechen der Leineweberzunft 1667 wurde dann Hermann Orth als Deche abgelehnt und an seiner statt Friedrich Sievert angenommen. Zog hier Friedrich Sievert - als später Racheakte für die Ungleichbehandlung seiner Tochter - im Hintergrund die Fäden? Wer weiß…Der Fall zeigt zumindest, dass es manchmal auch rechtlicher Instrumente und politischen Willens bedurfte, die Gleichbehandlung der Geschlechter durchzusetzen.

Den Text im Original-Wortlaut aus dem Stadtarchiv (entnommen aus: A 3148) können Sie hier als PDF herunterladen.


Beitrag des Stadtarchivs Lemgo zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2021

Der am 29. Januar 1876 geborene Eduard Steinmeier ist am 2. Mai 1942 im Konzentrationslager Dachau verstorben und am 6. Mai daselbst eingeäschert. Da Steinmeier anscheinend keinerlei Angehörige mehr hat, bitte ich Sie, die Aschenurne auf dem Rathause abzuholen und auf dem Friedhofe in einem Reihengrabe beizusetzen. Die Kosten für das Grab und Ihre Bemühungen wollen Sie demnächst beim Wohlfahrtsamt anfordern.“ Mit diesen dürren Worten wurde am 9. September 1942 der Lemgoer Totenbitter (Totengräber) Büscher durch das städtische Grundbesitzamt angewiesen, die sterblichen Überreste eines gebürtigen Lemgoers, NS-Opfers und KZ-Insassen auf dem örtlichen Friedhof (Rintelner Straße) beizusetzen, was am 10.09.1942 (bzw. laut Gräberliste am 11.09.1942) auch erfolgte.

Wer war nun dieser Eduard Steinmeier? Die amtlichen Quellen und Bestände des Stadtarchivs geben zumindest einige Informationen. Aus seiner standesamtlichen Geburtsurkunde vom 26. Januar 1876 geht hervor, dass er als Sohn des Maurers Conrad Heinrich Steinmeier und der Marie Wilhelmine Henriette Steimeier, geb. Brinkmann im Haus Heiligengeister Bauerschaft 89a (nach 1912: Orpingstraße 31) am 24. Januar 1876 (nicht wie durch das KZ Dachau angegeben) geboren wurde. 1942 trug der Lemgoer Standesbeamte auch die Sterbefallanzeige des Standesamtes Dachau II nach. Dieses Standesamt war eigens für die zahlreichen Todesfälle im KZ Dachau eingerichtet worden, um vermutlich das städtische Standesamt in Dachau zu entlasten. Die Sterbeurkunden der für die Konzentrationslager zuständigen Standesämter waren, was die tatsächliche Todesursache der beurkundeten Person anbelangt, meist wenig zuverlässig und wahrheitsgemäß, wenn Angaben überhaupt gemacht wurden. Damit wissen wir aber zumindest etwas über den Anfang und das Ende des Lebens von Eduard Steinmeier. Für die Zeit dazwischen liefert nur die Karteikarte aus dem städtischen Melderegister einige Hinweise. Demnach war Steinmeier Arbeiter, von lutherischer Konfession und kehrte nach dem Ersten Weltkrieg im Dezember 1918 nach Lemgo zurück. An den wechselnden An- und Abmeldungen lässt sich ableiten, dass er Wanderarbeiter war, vermutlich unterwegs als Ziegler ins Ruhr- und Zechengebiet (Bochum, Ahlen, Waltrop…). Nach 1925 scheint er nicht mehr nach Lemgo zurückgekehrt zu sein, zumindest hören die Eintragungen auf der Rückseite seiner Meldekarte auf. 1942 folgte dann der Hinweis auf den Sterbefalleintrag im Standesamt Dachau II. Warum E. Steinmeier im KZ Dachau inhaftiert war, entzieht sich unserer Kenntnis; vermutlich aus politischen Gründen, d. h. wegen illegaler Tätigkeit für KPD oder SPD. Ein Großteil der Häftlinge im KZ Dachau waren genau aus solchen Gründen dort, so dass diese Vermutung durchaus plausibel ist. Hier wären aber weitere Nachforschungen über die KZ-Gedenkstätte Dachau, die Arolsen Archives (Internationales Zentrum für NS-Opfer) und weitere, ähnliche  Dokumentationsstellen und Archive erforderlich, um diese verschüttete Biographie wieder sichtbarer zu machen. Hatte er tatsächlich keine Angehörigen mehr, keine Geschwister? Wenn doch, gibt es noch Fotoaufnahmen von ihm?

 

Archive dienen mit ihren Quellen der Erinnerung und so können nüchterne Verwaltungsunterlagen helfen, das Schicksal eines Menschen, der Opfer eines Unrechts- und Gewaltregimes geworden ist, zu rekonstruieren. Dazu ist aktive Erinnerungsarbeit erforderlich, woran der heutige Gedenktag des 27. Januar mahnen soll.


Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten 2020 - Bewegte Zeiten. Sport macht Gesellschaft - Hilfestellung des Stadtarchivs Lemgo

Der Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten ist der größte historische Forschungswettbewerb für junge Menschen in Deutschland. Er will bei Kindern und Jugendlichen das Interesse für die eigene Geschichte wecken, Selbstständigkeit fördern und Verantwortungsbewusstsein stärken. Ausgeschrieben wird der Geschichtswettbewerb zu wechselnden Themen in einem zweijährigen Turnus durch die Hamburger Körber-Stiftung. In diesem Jahr lautet das übergreifende Motto (ab dem 01. September 2020 offiziell): Bewegte Zeiten. Sport macht Gesellschaft.

Die nachfolgenden Hinweise und Informationen sollen die Archivarbeit für Schülerinnen und Schüler, die am Geschichtswettbewerb teilnehmen wollen, erleichtern und unterstützen. Auch Lehrkräfte, deren Schülerinnen und Schüler Interesse an einer Teilnahme haben, finden hier Informationen:

Hinweise und Empfehlungen des Stadtarchivs Lemgo

Es empfiehlt sich jedoch immer im Vorfeld, vor der Entscheidung für ein Thema oder eine Fragestellung, das Gespräch mit dem Stadtarchiv zu suchen, um die Quellen- und Literaturlage abzuklären. Die inhaltliche und formale Gestaltung des Wettbewerbsbeitrages kann dann mit der betreuenden Lehrkraft erfolgen bzw. nach den Vorgaben der Körber-Stiftung.