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10 Bibliothek

Bibl - Dienstbibliothek

Bestandsgeschichte

Die genaue Entstehung der Archivbibliothek ist unklar. Eine der Wurzeln der Archivbibliothek ist die ehemalige Heimatbücherei Lemgo (heimatkundliche Sammlung) der Bürgerschule, die 1983 durch den Betreuer Fritz Waldeyer, Lehrer im Ruhestand, an das Stadtarchiv übergeben wurde. Dieser Bestand wurde ursprünglich vom Verkehrsamtsleiter Schütte geschaffen und vom Lehrer Waldeyer fortgeführt, hauptsächlich als Hilfe für die Erteilung des Heimatkundeunterrichtes an der Bürgerschule/Volksschule. Neben etwa 1000 Buchbänden gehörten anscheinend auch die jetzt im Bestand Z 9000 zusammengefassten Mappen zum Büchereibestand. Außerdem 400 Dias, die vermutlich im Bestand N 3 aufgenommen wurden.

 

Bestandsbeschreibung

ca. 7.500 Exemplare, zuzüglich über 300 Reihenwerke (Vereine, Verbände, Kirchengemeinden), ständig wachsend

Die Bibliothek verfügt neben allgemeinen Nachschlagewerken und archivbezogener hilfswissenschaftlicher Literatur über einen bis ins 16. Jahrhundert zurückreichenden Buchbestand. Schwerpunkte sind Literatur zu Lemgo (auch "graue" Literatur), der Hanse und dem lippisch-ostwestfälischen Raum. Einen sachlichen, über Lemgo hinausweisenden Schwerpunkt bildet die vorhandene ältere und neuere Literatur zu Hexen und Hexenverfolgung. Werke von und über Engelbert Kaempfer befinden sich teilweise als Eigentum, teilweise als nutzbares Depositum der Engelbert-Kaempfer-Gesellschaft in den Räumen des Archivs. Daneben sind vielfach Festschriften und sonstige Veröffentlichungen der Lemgoer Vereine, Schulen und Unternehmen enthalten.

 

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Y - Gymnasialbibliothek

1. Bestandsgeschichte

1.1 Erste Büchersammlungen in Lemgo gehen bis ins 15. Jh zurück. Eine durch umfangreiche Schenkungen sowie durch Zuweisungen aus anderen Ordensniederlassungen (z. B. Minden, Osnabrück, Paderborn) entstandene Bibliothek besaß das 1469 gegründete Kloster zu Blomberg (zum Blumenberge) der Franziskanerobservanten. Sie gelangte nach der Aufhebung des Klosters in den Besitz der Altstädter Nicolaikirche. Dort bemühte sich nach 1561 vor allem der Prediger Hildebrand Garthus um den weiteren Ausbau der Pfarrbibliothek. Durch Schenkungen und Erwerb eines kleineren Teils der Bibliothek des Augustinerinnenklosters kam ein beträchtlicher theologischer Bestand zustande.

1.2 An der Lemgoer Marienkirche begründete der Prediger und Historiker Hermann Hamelmann 1561 eine Bibliothek, nachdem er mit gesammeltem Geld einen Teil der Bibliotheken des Lemgoer Predigers Wilhelm von Antwerpen und des Humanisten Johann Montanus kaufte. Im Jahre 1771 erfolgte eine weitere Bibliotheksgründung durch Rektor Justus Conrad Mensching. Das dafür erforderliche Geld war aus dem Verkauf der Bücher der aufgelösten Lesegesellschaft erzielt worden.

1.3 Im Jahre 1753 wurde die Bibliothek der Marienkirche aufgehoben. Von dieser Bibliothek gelangte jedoch lediglich ein Teil in die Bibliothek der Nicolaikirche. Zu Beginn des 19. Jhs wurden diese Bestände der gerade entstehenden Gymnasialbibliothek überwiesen, jedoch zunächst nur provisorisch untergebracht und auch nicht erschlossen. Unterbringung und Erschließung besserten sich erst am Ende des 19. Jhs (1873 neues Schulgebäude; 1880 Verzeichnung wertvoller Werke). Um die Jahrhundertwende besaß die Bibliothek bereits 5300 Bde, darunter 37 Inkunabeln und 11 Hss. Dies war auf eine kontinuierliche Anschaffungspolitik, aber auch auf Schenkungen zurückzuführen. So überließen die aus Lemgo stammenden Brüder Hahn (Buchhändler in Hannover und Leipzig) der Gymnasialbibliothek im Jahre 1820 292 Bücher und im Jahre 1840 nocls 200 Bücher. Ebenfalls in das Jahr 1820 fiel die Erweiterung der Bibliothek um 1821 Bücher aus dem Nachlaß des Rektors Johann Friedrich Reinert. In den dreißiger Jahren des 20. Jhs wurden einige Bestände an die Lippische Landesbibliothek Detmold abgegeben, ebenso an das Landesarchiv (heute Staatsarchiv) Detmold.

1.4 Während des Zweiten Weltkrieges war die Bibliothek in einem Kalibergwerk untergebracht. Nennenswerte Kriegsschäden sind nicht zu verzeichnen. Nach dem Krieg erfolgte die Rückführung, wobei Teile des Bestandes an die Lippische Landesbibliothek und an das Staatsarchiv in Detmold gingen. Ab 1955 erfolgte die Übernahme des noch im Gymnasium aufbewahrten Bestandes in das Stadtarchiv. Es wurde allerdings nicht alles übernommen; auch fiel ein Teil der Vernichtung anheim. Vereinzelte Reste finden sich noch heute im Gymnasium (ca. 50 Titel aus dem 18. Jh und ca. 300 bis 400 Titel aus dem 19. Jh, vor allem Philosophie, Klassische Philologie und Geschichte, insbesondere Regionalgeschichte).

 

2. Bestandsbeschreibung

2.1 Gegenstand der Beschreibung ist nur der im Stadtarchiv separat aufgestellte historische Bestand des Engelbert-Kämpfer-Gymnasiums. Die älteren Druckwerke in der Handbibliothek (Präsenzbibliothek) des Stadtarchivs werden ebensowenig berücksichtigt wie Druckgut (Flugschriften, Einblattdrucke) in den Archivbeständen. Chronologische Übersicht und Übersicht nach Sprachen

2.2 Der historische Bestand umfaßt ca. 2000 Titel. Schwerpunkte liegen in der zweiten Hälfte des 16. Jhs und in der zweiten Hälfte des 17. Jhs sowie in der ersten Hälfte des 18. Jhs (70 Inkunabeln; erste Hälfte des 16. Jhs 140 Titel, zweite Hälfte des 16. Jhs 440; erste Hälfte des 17. Jhs 250, zweite Hälfte des 17. Jhs 270; erste Hälfte des 18. Jhs 410, zweite Hälfte des 18. Jhs 250; 19. Jh 100 Titel). Sprachlich dominiert Latein mit knapp zwei Dritteln Anteil am Gesamtbestand gegenüber Deutsch mit einem Drittel (lediglich vereinzelt griechische Titel). Systematische Übersicht

2.3 Es lassen sich zwei große Überlieferungsstränge ausmachen: die Bücher aus den aufgehobenen Lemgoer Klosterbibliotheken und die Sammlungen der Kirchenbibliotheken seit der Reformation. Das Schrifttum der Gymnasialbibliothek des 19. Jhs spielt eine untergeordnete Rolle.

2.4 Die theologische Literatur bildet den Hauptteil des Bestandes. Vorhanden sind viele frühe (auch niederdeutsche) Bibelausgaben (auch Teile der Berleburger Bibel) und exegetische Literatur vor allem lutherischer Autoren. Unter den wenigen patristischen Schriften aus den alten Klöstern fallen Ausgaben von Augustinus, Ambrosius, Tertullian und Origenes auf. Martin Luthers Schriften sind in verschiedenen zeitgenössischen Drucken und vor allem aus der zweiten Hälfte des 16. Jhs zahlreich vertreten, ebenso Biographien und Schriften der Reformatoren. Das anti-katholische, aber auch das innerreformatorische (besonders anti-calvinistische) polemische Schrifttum sowie die Bekenntnisschriften sind in Drucken vor allem aus der zweiten Hälfte des 16. Jhs dokumentiert, als die Auseinandersetzungen zwischen Lutheranern und Calvinisten in Lemgo ihren Höhepunkt erreichten. Gleiches gilt für die im Zuge der " Lemgoer Revolte" (1609-1617) erschienenen Druckschriften. Besonders die Schriften der orthodoxen Lutheraner sind vorhanden.

2.5 Bemerkenswert sind eine Ausgabe der Confessio Augustana aus dem Jahre 1541, ein Sammelband mit Wittenberger Streitschriften um 1580, z. B. Lucas Osianders Warnung vor der Jesuiter blutdurstigen Anschlägen und bösen Pracktiken (Tübingen 1585), sowie ein Sammelband (1597-1598) Wider die Anhalter. Die Autoren wenden sich darin gegen die Reformation im Fürstentum Anhalt; enthalten sind z. B. Johann Praetorius, Calvinisch Gasthaus zum Narren Kapffen (1598) sowie Andreas Engel, Calvinischer Bettlersmantel (1598). Auch ein Sammelband mit Schriften des als " Kryptocalvinist" verdächtigten Georg Calixt mit Helmstedter Drucken fehlt nicht.

2.6 Homiletische Werke, darunter viele zeit- und anlaßgebundene Predigtsammlungen (speziell auch Leichenpredigten) aus dem 17. und 18. Jh sind ebenso vorhanden wie rhetorische Übungsbücher und Florilegien. Hinzu kommen einige, z. T. seltene Sammelbände theologischer Dissertationen protestantischer Universitäten (u. a. Halle, Helmstedt, Jena, Rinteln, Rostock, Wittenberg), an denen Lemgoer Bürgersöhne studierten. Einzelne biographische Schriften (besonders Bischofs-Viten), Kirchen- und Gemeindeordnungen, kirchengeschichtliche Texte und meist pietistische Erbauungsliteratur sowie religionskundliche Werke (darunter auch eine deutsche Koran-Ausgabe von 1746) schließen sich an.

2.7 Die nichttheologischen Schriften enthalten überwiegend für den Schulunterricht bestimmte geschichtliche, landeskundliche und geographische Darstellungen, Lehr- und Übungsbücher für den deutschen und altsprachlichen Unterricht sowie sprachhistorische Untersuchungen. Vorhanden sind auch verschiedene Chroniken, Schul- und Examensordnungen, frühe Gymnasialprogramme (vor allem des 17. Jhs) sowie Gymnasialjahresberichte und Schulprogramme des 19. Jhs, besonders aus Lemgo und dem Paderborner Raum; überdies gedruckte öffentliche Rhetorik- und Stilübungen sowie die Schriften der Rektoren der Schule (Christian Friedrich Helwing, Justus Conrad Mensching und Johann Friedrich Reinert). Die (zahlenmäßig eher geringe) Literatur aus dem 19. Jh ist ganz auf Schulbedürfnisse ausgerichtet. Für die Druckgeschichte wichtig sind die Lemgoer Drucke von 1560 bis 1842 (etwa 300 Exemplare). Umfänglich vorhanden sind daneben auch Helmstedter Drucke, so staatsrechtliche Schriften von Hermann Conring.

 

(zitiert aus: Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland. Digitalisiert von Günter Kükenshöner. Hrsg. von Bernhard Fabian. Hildesheim: Olms Neue Medien 2003)

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