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01.01 Verwaltungsschriftgut

01.01.01 A - Stadt Lemgo bis 1932 (Laufzeit: 1330 - 1939, 4796 Archiveinheiten)

Der Bestand umfasst die bei der Stadt Lemgo entstandenen Unterlagen (Akten und Amtsbücher) vor der Bildung des Landkreises Lemgo 1932 und der Einkreisung Lemgos 1934. Bis dahin war Lemgo eine amtsfreie Stadt, also der landesherrlichen Regierung ohne eine Zwischeninstanz direkt nachgeordnet. 

Die Verfassung der Stadt Lemgo wurde im Spätmittelalter in drei Urkunden niedergelegt, die die hergebrachte Verfassungswirklichkeit nachträglich dokumentierten: der sog. "Kerbschnittbrief" (Mitte 14. Jhd., U 86), die sog. Regimentsnottel I (Mitte 15. Jhd., U 763) und die Regimentsnottel II (1491, U 764). Die politischen Gremien organisierten sich demnach in sog. vier Haufen. Der Neue oder Geschworene Rat (12 Mitglieder), der Alte oder Ruhende Rat (12 Mitglieder), die Meinheit (24 Mitglieder) und die Dechen der neun "ratsfähigen" Ämter (=Gilden, Zünfte). 

Jeder der beiden Räte setzte sich aus sechs Ratsherren (ohne Funktionszuweisung), zwei Kämmeren, einem Beisitzer (Assessor), einem Ratssiegler und zwei Bürgermeister zusammen. Der Alte und der Neue Rat wechselten sich jährlich im Rahmen des Ratswandels am 6. Januar ab. Neue Mitglieder wurden über das Kooptationsprinzip ausgewählt, d. h. der "abgehende" Rat wählte wieder den bislang "ruhenden" Rat. Nur beim Ausscheiden eines Ratsherren (aus Tod oder anderen Gründen) wurde ein neuer Ratsherr gewählt. Dabei hatten Meinheit und Dechen ein Mitspracherecht; sie konnten einen Kandidaten ablehnen. 

Die Mitglieder der Meinheit setzten sich nach dem Wohnortprinzip aus den gewählten Vertretern der sechs Lemgoer Bauerschaften zusammen. Hinzu kamen sechs Bauermeister, die in den Stadtquartieren Polizeiaufgaben wahrnahmen und sechs Redmeister, also die ehemaligen Bauermeister, die die Steuereinschätzung in den Wohnbezirken vornahmen. 

Die beiden Räte nahmen das poltische und juristische Tagesgeschäft der Stadt wahr. Die beiden anderen Haufen waren eine Vertretung der städtischen Gemeinde und sollten eine begrenzte Kontrollfunktion hinsichtlich der Ratsgremien ausüben.

1843 wurde erstmals mit der lippischen Städteordnung eine einheitliche Rechtsgrundlage geschaffen und die bis dahin noch gültige Vier-Haufen-Verfassung in Lemgo abgeschafft. Gemeindeorgane waren nun der Magistrat und die Stadtverordnetenversammlung. Der Magistrat leitete die städtische Verwaltung und setzte sich aus dem Bürgermeister und weiteren Magistratsmitgliedern zusammen. Die Stadtverordneten wurden von der gesamten Bürgerschaft gewählt, also denjenigen, die auch das Bürgerrecht besaßen. Die Stadtverordnetenversammlung wählte den Magistrat und übte eine Kontroll- und Aufsichtsfunktion gegenüber dem Magistrat aus (bis auf Polizeiangelegenheiten). Mit der Städteordnung erfolgte erstmals auch eine Trennung zwischen Verwaltung und Justiz. Die städtische Gerichtsbarkeit wurde erst mit Bildung der Amtsgerichte 1879 endgültig abgeschafft.

Mit der lippischen Städteordnung von 1886 wurde der Erwerb des Bürgerrechts vom Haus- und Grundbesitz, Ausübung eines Gewerbes und gesichertem Einkommen gelöst. Bürger war nun jeder Mann, der mehr als zwei Jahre in der Stadt wohnhaft war und Steuern zahlte. Gewählt wurde nach dem Dreiklassenwahlrecht. Stadtverordnetenversammlung und Magistrat mussten in Selbstverwaltungsangelegenheiten getrennt ihre Beschlüsse fassen. Bei Satzungs- und Haushaltsfragen konnte der Magistrat nicht ohne die Stadtverordnetenversammlung entscheiden. 

Mit der vorläufigen Gemeindeverfassung von 1919 wurde das aktive Wahlrecht Frauen und Männern, die älter als 20 Jahre waren und länger als drei Monate in der Kommune gewohnt hatten, zugestanden. Damit war erstmals ein allgemeines und gleiches Wahlrecht auf kommunaler Ebene geschaffen. 1928 wurde die Trennung zwischen Amtsgemeinden und Stadtgemeinden aufgehoben (siehe auch H- Bestände). Der Magistrat bzw. Stadtrat bedurfte nun des Vertrauens durch die Stadtverordnetenversammlung.

Der Bestand A umfasste ursprünglich auch die Unterlagen nach 1932/34, die erst später zum Bestand B umsigniert wurden. Der Stadtarchivar August Schacht ordnete erstmals den Aktenbestand. Dabei konzentrierte er sich vor allem auf die Prozessakten der verschiedenen Lemgoer Gerichte. Eine Trennung nach Provenienzen erfolgte hier nicht. Kurz gesagt: alle Akten, die vor 1932/34 in Lemgo entstanden sind, bilden den Bestand A. Die Klassifikation orientiert sich nach Sachbetreffen (Pertinenzprinzip), wobei die aktuelle Klassifikation eine Überarbeitung der ursprünglichen Klassifkation darstellt. Die aktuelle Klassifikation versucht, die ursprünglichen Provenienzen und Entstehungszusammenhänge wieder sichtbarer zu machen. Trotzdem sind viele Prozessakten nicht mehr unter der jeweiligen Gerichtsinstanz abgelegt, sondern finden sich entsprechend des Streitgegenstandes oder der Streitparteien unter anderen Klassifikationspunkten (so z. B. unter Zunftsachen). Dies gilt in gleicher Weise für andere Klassifikationspunkte bzw. Archivmaterialien.

Bei Akten aus dem A -Bestand, die von der Laufzeit erst nach 1934 enden, sind dem B -Bestand zugeordnet (siehe dort). Im umgekehrten Falle sind Akten mit B - Signaturen in den A - Bestand eingegliedert, wenn deren Laufzeiten vor 1934 enden. Die jeweiligen Signaturen sind immer beibehalten.

Die Gerichtsakten der beiden Räte bzw. des Magistrats und der anderen Gerichtsinstanzen sind in den Beständen 01.02.01 bis 01.02.11 und 01.03.01 bis 01.03.05 zusammengefasst. Dort finden sich auch die Hexenprozesse. In den sogenannten Audienzprotokollen des Bestandes A 01.01.01 finden sich ebenfalls Gerichtsverhandlungen, vorrangig im Zivilrecht. Gerichtsakten des Stadtgerichts Lemgo (= Justizmagistrat, als Nachfolger des landesherrlichen Richters) finden sich auch im Bestand L 88 Lemgo im Landesarchiv NRW Abt. OWL in Detmold.

Die Überlieferung der Schulen (Gymnasium, Bürgerschule, Lyzeum...) befindet sich ebenfalls im Bestand A 01.01.01, unabhängig von der Bildung der selbstständigen, von den politischen Gemeinden unabhängigen Schulgemeinden 1849, die bis 1937 bestanden. Es handelt sich dabei hauptsächlich um die Überlieferung der Schulvorstände, die sich zumeist aus den örtlichen Pfarrern und dem Bürgermeister zusammensetzten. Ergänzendes Material findet sich auch in den T - (Schul-)Beständen.

Die Überlieferung des Lemgoer Standesamtes (reichsweit 1876 eingerichtet) in Form von Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden befindet sich in den Beständen F 1 bis F 3.

Personalunterlagen / Personalien finden sich neben dem A -Bestand auch im Bestand J - Personalakten.

Die Alt-Archivsignaturen (wie Gw 1, Gy 1, Ki 1...) sind beibehalten worden und recherchierbar, so dass eine Konkordanz bei Quellenangaben aus der Literatur gegeben ist.

Online-Findbuch auf archive.nrw

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01.01.02 B - Stadt Lemgo 1932 - 1968 (Laufzeit: 1621 - 1987, 3606 Archiveinheiten)

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Zum 1. April 1934 verloren die Städte Detmold, Lemgo und Salzuflen ihre Kreisfreiheit. Bereits 1932 waren die anderen lippischen, amtsfreien Städte in die beiden Landkreise Detmold und Lemgo einbezogen worden. Damit war das Ende der unmittelbaren Unterordnung Lemgos unter die lippische Landesregierung gekommen. Diese Zäsur bildet anscheinend auch die Scheidelinie zwischen A- und B- Bestand.

Der B-Bestand bildet dabei keinen eigentlichen Provenienzbestand, sondern einen Mischbestand aus den unterschiedlichen Abgaben kommunaler Ämter Lemgos, wie dem Hauptamt, dem Bauamt, dem Grundstücks- oder Liegenschaftsamt, dem Sicherheitsamt/Ordnungsamt, dem Sozialamt, der Stadtkasse, der Stadtkämmerei usw. Dem Hauptamt kamen dabei eine Fülle an Aufgaben zu, die dann zunehmend eigene Abteilungen und Ämter bildeten. Aufgabengruppen wurden zwischen den Organisationseinheiten hin- und herverschoben. Für die Gliederung des Bestandes wurde deshalb eine Systematik, in Anlehnung an den Aufgabengliederungsplan der Stadtverwaltung Lemgo (siehe B 2014), gebildet, die nicht nach Organisationseinheiten aufgebaut ist, sondern nach Aufgaben, die bei unterschiedlichen Ämtern und Abteilungen angesiedelt sein können.

Dabei sind im Bereich 41 Kulturwesen Akten mit der Provenienz einer Kultureinrichtung (z. Bsp. Stadtarchiv) mit den Unterlagen der Kulturabteilung des Hauptamtes zum Stadtarchiv vermischt. In ähnlicher Weise im Bereich 80 Stadtwerke (Energie- und Wasserversorgung). Dort handelt es sich nicht um die Überlieferung der Stadtwerke, sondern um Unterlagen verschiedener städtischer Provenienzen, insbesondere des Bauamtes, zu den Angelegenheiten der Stadtwerke.

Die zeitliche Grenze zu den C-Beständen markiert die kommunale Gebietsreform von 1969/70.

Einzelne Akten des B-Bestandes können noch einer personenbezogenen Sperrfrist unterliegen. Eine Benutzung ist dann nur nach vorherigem Antrag auf Sperrfristverkürzung möglich. Weitere Auskünfte erteilt das Stadtarchiv.

Teile der Akten mit einer B-Signatur finden sich in den C - Beständen, wenn diese von der Laufzeit erst nach 1969/70 enden. In gleicher Weise finden sich Akten mit A - Signaturen im B - Bestand, wenn diese nach 1934 enden. Enden Akten aus dem B - Bestand vor 1934, so sind diese im A - Bestand zu finden (siehe dort). Die jeweiligen Signaturen sind immer beibehalten.


01.01.03 U - Urkunden (Laufzeit: 1011 - 1842, 1924 Archiveinheiten)

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Findmittel:

Verzeichnis der Urkunden und Urkundenkopien im Stadtarchiv zu Lemgo in chronologischer Ordnung, ergänzt durch Abschriften und Regesten von auswärtigen Quellen zur Geschichte Lemgos, Lemgo 1952 (Urkundenbuch Hans Hoppe, masch./hds.). 

Namen- und Sachindex: X 59 - X 64 (hds). 

In der Dienstbibliothek befindet sich ein handschriftliches, alphabetisches Register (Karteikarten) mit Personennamen aus dem Urkundenbestand des 16. bis 18. Jhds.

Digitalisat des Urkundenfindbuches in O 3/11 (CD-ROM). 

Siehe auch N 7 Sicherungsverfilmung (dort sind das Urkundenbuch und alle Lemgoer Urkunden auf Mikrofilm vorhanden). Für die Urkunden Nr. 1 - Nr. 38 gibt es zusätzlich Farbdiastreifen, für die Nummern 3 - 186 Negativstreifen (s/w). 

Abschriften und Vollregesten von Urkunden aus dem Bestand U finden sich in der Dienstbibliothek. Die teilweise handschriftlichen und überwiegend maschinenschriftlichen Texte sind chronologisch sortiert bzw. nach Urkundennummern geordnet. Bei den Abschriften und Vollregesten finden sich auch Urkunden aus anderen Beständen des Stadtarchivs sowie aus anderen Archiven.

Das Urkundenbuch von Hoppe ist noch immer das maßgebliche Findmittel für den Urkundenbestand. Ergänzend natürlich die Lippischen Regesten (alte und neue Folge) mit den entsprechenden Registern.


01.01.04 MU - Moderne Urkunden (Laufzeit: 1933 - 2016, 20 Archiveinheiten)

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Der Bestand umfasst die modernen Urkunden der Alten Hansestadt Lemgo nach 1934. Enthalten sind auch Ehrenbürgerbriefe.